Die Schwalben sind für Nancy Spengler auch eine Erinnerung an ihren inzwischen verstorbenen Mann Birk Polczynski. Er hatte vor rund fünf Jahren die vergeblichen Nestbauversuche der Vögel unter dem Dach beobachtet. Offenbar war das Baumaterial zu trocken, haftete nicht am glatten Holzüberstand und fiel immer wieder ab. Daraufhin brachte er ein nachgebautes Nest an, das sofort angenommen wurde. Übrigens sorgte er als Förster auch in den Wäldern rund um Breydin für zahlreiche Nistmöglichkeiten, die von verschiedenen Vogelarten noch heute genutzt werden.
In trockenen Frühjahren haben es die Frühlingsboten beim Nestbau oft nicht leicht, bestätigt auch Jonathan Etzold die Erfahrungen. Bleibt im April der Regen aus, gibt es kaum offene Matschecken und Pfützen, um das Baumaterial anzufeuchten.
Für den drastischen Rückgang der Schwalbenpopulationen aber gebe es gleich mehrere Gründe. So mache sich das Insektensterben "massiv bemerkbar". Aufgrund dieses Nahrungsmangels gebe es einfach nicht genügend Futter, um den Nachwuchs groß zu ziehen. Flächenversiegelungen und der Pestizideinsatz seien die Gründe für den Mangel. "Es wird zwar immer wieder darüber spekuliert, dass sich der Trend umdreht und es wieder mehr Insekten gibt, doch das ist nicht der Fall", sagt er. Und ein weiterer Grund für den Schwalbenrückgang wird schließlich in den zunehmenden Gefahren gesehen, die auf den Flugrouten zur Überwinterung in Afrika auf die Tiere lauern.

Gute Kompromisse

Brutplätze würden aber auch fehlen, weil Schwalbennester unter dem Dach wegen der nicht unbeträchtlichen Verschmutzungen abgeschlagen werden. Da die Vögel, die auch als Glücksbringer gelten, unter Schutz stehen, ist dies ganzjährig eigentlich verboten. Aus dem Problem mit dem Kot besonders auf Fensterbänken macht Nancy Spengler keinen Hehl. Andererseits würden die Vögel jedoch für viel Freude und Leben im Garten sorgen. "Morgens ist ein ganz besonderes zartes Schnattern zum Start in den Tag zu hören", schwärmt sie. Die Nester an der hohen Garagenwand kann sie aus dem Obergeschoss des Hauses vis-a-vis in fast direkter Linie beobachten.  Und was die Hinterlassenschaften der Schwalben angeht: Mitunter reiche schon ein Brett unter den Nestern aus.
"Dann erhält man auch Guano für die Tomaten", ergänzt Jonathan Etzold. Er nennt aber noch weitere "gute Kompromisse" zwischen Mensch und Schwalbe. Sogenannte Kotbretter könnten unterhalb der Nester angebracht werden. Es gibt sie zu kaufen, sie könnten aber auch selbst einfach hergestellt werden. Auf jeden Fall müssten sie mit einem Abstand von 50 Zentimetern unterhalb der Nester aufgehängt werden. Anderenfalls könnten sich andere Vögel an den Nestern vergreifen. Oder es werden fertige Schwalbennester an den Orten befestigt, an denen die Vögel kein Ungemach bereiten, also beispielsweise nicht direkt über, sondern zwischen den Fenstern. Dreck auf Fensterbänken werde so vermieden.
Eine weitere, aber deutlich teurere Möglichkeit der "Lenkung" besteht in Städten und Gemeinden in der Aufstellung von Schwalbenhäusern, die auch als sogenannte Ausgleichsmaßnahmen anerkannt werden können. Als ein Projekt des Bernauer Bürgerhaushalts wurde die Aufstellung eines Schwalbenhauses vom Nabu vorgeschlagen und für 2020 beschlossen. Der Standort wird noch abgestimmt.

Ställe als Brutplätze

Nicht nur die Mehlschwalben, auch Rauchschwalben finden immer seltener Nistplätze. Letztere bauen ihre Nester in überdachten Gebäuden, vorzugsweise in Ställen und Scheunen. "Doch da es immer weniger davon gibt beziehungsweise diese Gebäude aus Hygienegründen verschlossen werden, fehlen auch für diese Vögel Brutplätze.
Nach den drastischen Rückgängen der Schwalbenpopulationen in den vergangenen Jahren wird die Zahl der Mehlschwalben in Deutschland auf aktuell 820 000 bis 1,4 Millionen geschätzt. Grundlage bilden die Zählungen, zu denen der Naturschutzbund alljährlich aufruft. Seit 2017 beobachtet Jonathan Etzold drei "Schwalbenkolonien" im Niederbarnim. Die Standorte sind die Sparkasse Zepernick, der Bahnhof Bernau und das Forum in Bernau. Bei letzterem ging die Zahl von 60 besetzten Nestern auf zehn zurück. Am Bahnhof in Bernau und am Standort in Zepernick bewegt sich die Zahl der besetzten Nester um zehn. Gewissheit über die Ursachen dieser Entwicklung bestehe nicht, so Jonathan Etzold, vermutlich handele es sich um eine Kombination aus mehreren Ursachen.
Bewerben kann man sich für die Auszeichnung "Schwalbenfreundliches Haus"  online unter www.NABU.de/schwalben