Die IG Metall Ostbrandenburg hatte bereits Anfang Juni damit gerechnet, dass es seitens der Eigentümer auf einen Personalabbau hinauslaufen würde und sah den Barnimer  Standort als stark gefährdet an. Die Gewerkschaft und der Betriebsrat stellten deshalb gemeinsam mit den Beschäftigten Zukunftsforderungen auf und organisierten eine standortübergreifende Vernetzung, lässt Holger Wachsmann, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Ostbrandenburg, die vergangenen Wochen Revue passieren.
Letztlich machte die Geschäftsführung auf Druck von Gewerkschaft und Politik die tatsächlichen Planungen für den Standort öffentlich. Bis maximal zum Jahr 2021 werde für  Bernau noch geplant. Die gewinnbringenden Aufträge seien in andere Werke des Unternehmens verlagert werden, heißt es in einer Pressemitteilung der IG Metall.
Am 17. Juni begannen die Verhandlungen um einen Interessenausgleich und Sozialplan zwischen Betriebsrat und IG Metall auf der einen und der Geschäftsführung auf der anderen Seite. In drei langen Verhandlungsrunden sei es gelungen, die ursprünglich geplante Anzahl der betriebsbedingten Kündigungen zu verringern, so Holger Wachsmann. Um wie viele es genau geht, ist nicht bekannt. Aus dem Kreis der Mitarbeiter des Werkes ist zu hören, dass befristete Arbeitsverträge nicht verlängert und Leiharbeiter gekündigt werden. Außerdem wird mit bis zu 20 Entlassungen von Festangestellten gerechnet. Insgesamt war die Zahl der Beschäftigten in Bernau Anfang Juni mit rund 170 angegeben worden.
Für alle Betroffenen soll eine Transfergesellschaft eingerichtet werden, in der diese beraten und qualifiziert werden können. Außerdem bekommen sie einen Zuschuss zum Kurzarbeitergeld. Und für Auszubildende, die in diesem Jahr auslernen, wird die Möglichkeit der Übernahme innerhalb der Unternehmensgruppe angeboten.
"Unter den gegebenen Umständen haben wir gemeinsam viel erreicht für die Beschäftigten vor Ort. Für diejenigen, die ihren Job verlieren konnten wir die Folgen abfedern", zieht die IG Metall eine erste Verhandlungsbilanz.  Von der neuen Geschäftsführung der Weber Bernau GmbH erwartet die Belegschaft jedoch eine Erklärung zu Überlegungen der wirtschaftlichen Sicherung des Standortes Bernau und – gemeinsam mit dem Betriebsrat unter der Beteiligung der Belegschaft – die Erarbeitung eines Zukunftskonzepts. Allerdings bleibt für Gewerkschafter Wachsmann "unklar, ob und wenn ja, welche Zukunft der Standort konkret haben soll".

Große Skepsis in der Belegschaft

Nachdem gut laufende Aufträge an andere Standorte verlagert worden sind, brauche das Bernauer Werk schnell neue Kunden. Doch angesichts der Wirtschaftskrise, von der die Autobranche und deren Zulieferer besonders betroffen seien, ist die Skepsis unter den Beschäftigten in Bernau groß, neue Kunden zu finden. "Dazu braucht es eine kooperative und verlässliche Geschäftsführung, die nach ihren Versprechungen jetzt Taten folgen lassen muss", sagt auch Wachsmann.
Dennoch: "Wir brauchen für Bernau nun schnell ein wirtschaftliches Konzept, das den Kolleginnen und Kollegen Perspektive und Sicherheit gibt", fordert er. Dabei ist sich der Gewerkschafter sicher: "Der Kampf um den Standort Bernau geht jetzt erst richtig los."