Als sich der Tross am Samstagmittag in Bewegung zur Crossbahn des MC Klosterfelde setzt, knattert es laut durch Danewitz. Mehr als hundert Maschinen, die mehr als 50 Jahre im Getriebe haben, setzen sich in Bewegung. Die AWO, EMW und Simsons sind Kult, ihre Besitzer Schrauber vom alten Schlag, Liebhaber knarzender Klänge und Freunde verchromter Schmuckstücke.
Einer ist Christian Schmidt aus Biesenthal. Sein Vater Alexander-Kurt Schmidt kaufte die AWO 1958 für seine Gärtnerei, später kam ein Beiwagen hinzu. So transportierte der Gärtner seine Pflanzen und Früchte, unter anderem nach Berlin. Der heute 79-Jährige hat nicht nur den Namen "Gärtner" an seinen 45-jährigen Sohn weitergereicht. Kaum einer auf dem Platz in Danewitz kennt seinen richtigen Namen. "Ich hab den Splien mit dem Knattermüll", beschreibt Schmidt, der zum Niederbarnimer Stammtisch in Danewitz gehört. Jeden Mittwoch um 19.30 Uhr trifft sich im Dorfgasthof von Danewitz ein loser Haufen, der ein Hobby hat: AWO und EMW nämlich.
Frauen sind Mangelware
Doch am vergangenen Wochenende gesellen sich zum bereits 23. Treffen viele Gleichgesinnte. Wie Quincy alias Ronald Quindt aus der Nähe von Wittstock. Vier Motorräder stehen in der Garage des 51-Jährigen, darunter eine seltene Ural M72. Diese Maschine wurde in der Sowjetunion gefertigt und ähnelte der deutschen R71 aufs Haar. Obwohl Frauen Mangelware auf dem Platz sind, fühlt sich Kerstin Zaharanski wohl. Die 53-Jährige gehört mit ihrem Mann Herbert zum Urgestein der EMW-Besitzer und kommt aus Neustadt. "Mit 38 habe ich den Führerschein gemacht, wollte nicht immer auf dem Sozius sitzen", gibt die Fahrerin zu. Eine R35 gehört zum Fuhrpark des Paares.
Das Danewitzer treffen ist nicht nur zum Fachsimpeln da. Es hat auch einen sehr praktischen Hintergrund, die Ersatzteile nämlich. "Der Ossi wirft nichts weg", sagt Christian Schmidt. Inzwischen gibt es aber auch wieder kleine Manufakturen, die Originalteile nachfertigen. Doch auch zum Bewundern sind viele auf den Platz gekommen. Manche Maschinen mit Gangschaltung am Motor, aber auch selbst gedrehte Zahnräder oder gegossene Zylinder regen zu Gesprächsrunden an. "Die AWO war Kult im Osten, sie war unsere Harley", fasst Mitorganisator Schmidt zusammen.
Andere ergänzen, es sei das Motorengeräusch der Viertakt-Motorräder, das Fahrgefühl, die Leistungsfähigkeit, die sie zu Liebhabern gemacht hat.
Marke Eigenbau
Vieles ist Eigenbau, auch die leistungsgesteigerten Motoren der Crossmaschinen, die dann im Biesenthaler Staub zeigen, was in ihnen steckt. Später kommen viele Familien zusammen, kosten vom Gegrillten oder lassen sich unterm Sprenger beregnen. Irgendwie treibt auch die Nostalgie viele Besitzer der Maschinen, sie zu erhalten und vorzuführen. Klamotten sind dabei egal, Gemütlichkeit und Sachverstand sind Trumpf.
In Biesenthal beim MC Klosterfeldekommen Sportfreunde am 17. und 18. August zum Stockcar-Rennen zusammen. Info: www.mc-klosterfelde.de
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