Auch wenn die Strecke nach den Reparationsleistungen an die Sowjetunion am 21. Juni 1945 sogar nur dampfbetrieben wieder in Gang kam, so scheint doch bis heute ein bisschen die Zeit stehen geblieben. Für Diplomingenieur Jens Kulecki als Projektleiter der S-Bahn Berlin, der aktuell viele Nerven rund um das Karower Kreuz lassen muss, gehört das Kleinod zu seinen schönen Arbeitsinhalten. "Wir haben jede einzelne Fliese kartiert und wissen, aus welchem Jahr diese stammen", macht der Bernauer deutlich. Gemeinsam mit dem Denkmalschutz wurden die Arbeiten im Bahnhofsgebäude sehr vorsichtig vorgenommen. Der Tunnel auf der Fernbahnseite wird erneuert, Hilfsbrücken mussten eingezogen werden. Im Mai soll eisenbahntechnisch alles stehen, derzeit ist die Schalung für die Tunnelwände, die noch ausgegossen werden muss, aufgebaut. "Wir liegen hier gut in der Zeit", schätzt Kulecki ein. Der 15 Meter lange Fußgängertunnel zur Heine-Passage soll danach wieder geöffnet werden. Der Innenausbau des Bahnhofes folgt bis in den Sommer nach. Spundwände, die noch hin zur Passage die Gleise stützen, werden dann so eingekürzt, dass sie die Streckengleise und den Anblick nicht stören können.
Sehnsüchtig erhoffen sich alle Pendler einen zweigleisigen Ausbau der S-Bahn-Strecke zwischen Berlin und Bernau. Doch hier dämpft Kulecki die Hoffnungen. Auch wenn heute technisch viel möglich sei, so müsse der Abstand zwischen Gleisen der S-Bahn und Fernbahn mindestens zwischen 5,60 und 6,40 Metern liegen. Hier vor Ort, wo die Gleise auf einem Damm verlaufen, fehlt dafür ein ganzes Stück. "Die Altvorderen reichten Gleisabstände von vier Metern." Bleibt der Zaun auf der einen Seite des Damms. Die frühere Villensiedlung Röntgental, die seit 1903 von der Stettiner Bahn bedient wurde, entwickelt sich dennoch kräftig weiter.
Das hatten Karl Cornelius und Ernst Schwartz wohl noch nicht im Blick, als sie das Jugendstil-Ensemble mit dem 170 Meter langen Mittelbahnsteig entworfen haben. Ab 1930 fuhr die S-Bahn. Eine der Brücken im Oberbau über die Bahnhofstraße wurde 1974 aufgebaut, dafür jedoch das nach dem Krieg verbliebene Vorortgleis entfernt. Alles muss dringend saniert werden.
Kulecki erläutert, dass dafür ein Jahr Bauzeit einzurechnen ist. Die Röntgental-Brücken werden voraussichtlich ab Oktober gesperrt. Ein S-Bahn- und zwei Fernbahngleise führen darüber. Die alten Pendelstützen müssen raus, Hauptträger werden herausgeschnitten und ersetzt. "Was wir bei einspuriger Straßenführung erledigen können, machen wir. Aber wenn wir die Brücke herausheben, dann müssen wir sperren", macht der Projektleiter deutlich.
Über die genauen Abläufe will die Bahn AG noch informieren. Ein großes Bauschild, das aktuell an der Brücke Bahnhofstraße steht, wurde so besprüht, dass nichts mehr lesbar ist. "Da können wir uns natürlich bemühen, wie wir wollen", ist auch Bahn-Sprecher Gisbert Gahler sauer. Flyer seien in Vorbereitung.
Der Ausbau am Bahnhof Röntgental gehört in das Großprojekt rund um das Karower Kreuz. Insgesamt werden alle Bauwerke ausgetauscht, die zwischen Berlin-Buch und Bernau liegen. Die haben mehr als hundert Jahre auf dem Buckel. "Einen Versagensbruch kann man nicht vorhersagen", stellt Kulecki klar. 20 Brücken sind betroffen. Mehr als 380 Millionen Euro kostet das Gesamtvorhaben der Bahn AG.
Aktuell läuft die Ausschreibung für Röntgental, aber auch für die Brücke Schönerlinder Straße in Zepernick, die Pankebrücke vor Zepernick und eine am Feldweg in Zepernick. Noch 2018 soll Baustart für die Vorhaben sein. Im Sommer werden die Brücken über die Zepernicker Chaussee fertig. Damit das gelingt, sind laut Gahler zwei große Sperrpausen ab Himmelfahrt nötig. Vom 9. bis 14. Mai fährt keine S2, vom 14. bis 22. Mai ist die Fernbahn unterbrochen.