"Solch ein Gewimmel möcht` ich sehen ...", ließ Johan Wolfgang von Goethe seinen Faust einmal ausrufen. Zu Ostern hätte er am Gardasee, den der Dichterfürst auf seiner Italienreise ebenfalls besuchte, so etwas bei der "Fraglia Vela Riva", zu Gesicht bekommen.
Denn bei der 30.Opti-Auftaktregatta am Gardasee, die den Charakter einer inoffiziellen Weltmeisterschaft trägt, wurde ein neuer Teilnehmerrekord in der Klasse der jüngsten Segler erreicht. Insgesamt 1067junge Seglerinnen und Segler aus 24Nationen brachten den Veranstaltern bei Dauerregen einen Eintrag ins Guinnessbuch der Rekorde.
Derart viele Teilnehmer an der Startlinie hätten ein 2,5-km-langes Chaos bedeutet. Daher teilte der veranstaltende Segelsportverein von Riva die Segler in fünf Gruppen ("Fleets") sowie als sechstes die Gruppe unter zehn Jahren ("Cadettis"). Bei zehn Wettfahrten stellten die Acht- bis 15-jährigen von Gründonnerstag bis Ostersonntag ihr Können unter Beweis. Nicht selten waren sie von 9 bis 18.30 Uhr auf dem Wasser - oftmals bei fünf bis sechs Windstärken und Temperaturen von sieben bis fünfzehn Grad.
Die beiden Teilnehmer von Stahl Finow - insgesamt waren 18 Brandenburger Optimisten dabei - bewiesen erneut ihre Klasse. Johannes Fehst erkämpfte sich in seinem Fleet insgesamt einen 60.Platz und Jasmin Schmidt einen 159. Den Gesamtsieg trug der türkische Segler Isik Omer mit vier ersten Plätzen vor Zemi Patrick (Italien) und Lamay Gwendal aus Deutschland davon.
Neben seinen jüngsten Spitzenseglern hatte der Landesverband aber auch noch die Besten der Klassen Laser Radial, Laser 4.7 und 420er an das "innere Meer" Italiens eingeladen - auf deren eigene Kosten, so dass insgesamt 43 Brandenburger vor Ort dabei waren. Der Landesleistungsstützpunkt Werbellinsee beim SV Stahl Finow hatte seine für 2012 jüngst ernannten VBS-Leistungskader Johannes Fehst (Eichhorst, Klasse Opti), Anna-Klara Krömke (Wandlitz, Laser 4.7), Alexander Schmidt (Britz, Laser 4.7) sowie Hans Reinhardt und Lukas Wiese (Finowfurt, einzige Landeskadersegler 420er) sowie Jasmin Schmidt (Britz) als Nachwuchshoffnungen entsendet.
Das Training begann für die Brandenburger Opti-Segler schon am Montag vor Ostern, als unmittelbare Vorbereitung für die Wettfahrten. Gründonnerstag folgten dann die Regatta ambitionierten Segler in den übrigen Klassen. Während die Opti-Segler zwischen Riva und Limone in ihren "Fleets" um die Wette segelten, kämpften die 19 Laser und die sechs 420er-Segler unter Trainingsbedingungen vor Torbole vor allem gegen die Gewalten der Natur und mit ihrem "inneren Schweinehund".
Nach einem freien Tag am Ostermontag schlossen sich die Optimisten in ihrer zweiten Ferienwoche dem Training an. Gemeinsam übten alle Bootsklassen bei kaum besser werdenden Wetterbedingungen. Fünf ehrenamtliche Trainer unter Leitung des Landestrainers Christian Braune betreuten die Brandenburger. Zudem unterstützen viele Eltern als Transporteure, Techniker und Versorger. Ihr Engagement für die Entwicklung sportlicher Leistungen sowie des sozialen Zusammenhalts im Verein kann mit Geld nicht aufgewogen werden.
Die sportlichen Wettkämpfe auf Weltklasseniveau sowie das Training vor dem Hintergrund der Schnee bedeckten 1700 Meter hohen Berge boten tolle Erlebnisse. Zur letzten Trainingseinheit wurden dann die Boote getauscht. So durften sich die "kleinen" Segler bereits einen Vorgeschmack auf das holen, was sie in den größeren Bootsklassen erwartet.