"Auch das letzte Konzert war ein absoluter Höhepunkt", bringt es Wilfried Staufenbiel auf den Punkt. Am Wochenende gingen die diesjährigen Schönower Cool-tour-Tage mit einem wundervollen Abschlusskonzert zu Ende. "Vollblutmusiker, die so unglaublich viel Gefühl, Rhythmik und dieses Ganze der sogenannten russischen Seele rüberbringen", formulierte es eine Zuschauerin am Ende.
Trio Scho - das sind Valeriy Khoryshman, Alexander Franz und Gennadij Desatnik - einer, der die Herzen seiner Zuhörer(innen) im Sturm erobert - steht vorn im einstigen Hühnerstall. Es ist schwül warm - sie schwitzen, sie singen sich die Seele aus dem Leib und sie begeistern auf diese Weise so sehr, dass die Zuhörer es offenbar gern in Kauf nehmen, vor der Galerie zu sitzen und einfach nur zu lauschen. Organisator und Macher der Cool-tour-Tage, Wilfried Staufenbiel, prostet ihnen durch die winzigen Scheiben hinaus zu und kann sich kaum zurückhalten, selbst mitzusingen.
Ansteckend sind die Musiker vorn - mit ihrem unglaublichen Temperament. Das ist Musik mit Biss - egal ob sie "Manchmal ist die heile Welt ein Latte Macchiato auf dem Dach" spielen oder "Natalie", ein Lied über die russisch-französische Liebe - es geht unter die Haut, der Hühnerstall vibriert vor Lebensfreude. An den Wänden hängen dazu Bilder von Wolfgang Korall - schneidend kontrastreich - auf den Punkt des Lebens gebracht - eine Freude, sie aufzunehmen.
Es gab viele Höhepunkte im Laufe des Cool-Tour-Sommers am Ende der Schönerlinder Straße. "Wir hatten ein tolles Jahr", so Wilfried Staufenbiel. Wenn man seinen fast verwunschen wirkenden Garten betritt, taucht der Besucher in eine besondere Atmosphäre ein. "Lassen Sie Ihre Sorgen draußen" steht auf einem Schild.
"Ein Höhepunkt", sagt der Künstler, war zum Beispiel das Konzert in der Dorfkirche am 23. August. Die "musica mensurata" spielte mehrstimmige Musik des Mittelalters. "Es ist eine bedeutende, aber oft unverstandene, komplizierte Musik. Und sie ist doch so einfach und schön - von Musikern wie Göttern gespielt", urteilt Staufenbiel. Und dazu die Vernissage von Inge H. Schmidt und Gela - Malerei und Zeichnungen. "Das ist die skurrilste, liebenswerteste und kleinste Galerie, in der ich je ausgestellt habe", hatte es die Malerin formuliert.
Oder das Konzert am 9. August - ebenfalls in der Dorfkirche unter dem Motto "Die Kunst der Fuge achtstimmig" mit dem ADUMA-Saxophonquartett. Wie auch das Kammerspiel "Maria Stuart", am 30. August. "Sehr stringent - klar", urteilt Staufenbiel. "Manchmal kommen Leute her und denken: Na ja, was mag das hier schon sein in Schönow? Sind wir denn hier richtig? Doch dann überzeugt sie diese Atmosphäre - die Aussteller, die Künstler. Und sie urteilen: Hier ist das alles so sehr persönlich, da stimmt einfach alles zwischen Galerist und Künstler und dem Publikum, das sich hier so wohl fühlt."
Nach dem Konzert geht man nicht sogleich nach Hause. Hier sitzen sie im Garten, um ein Feuer, haben ein Glas Rotwein in der Hand - und begegnen sich auf zauberhafte Weise. So etwas sucht man oft - hier ist es zu finden.