Es sind Millionen-Projekte, die im märkischen Sand bei Zerpenschleuse und in Liebenwalde im Nachbarkreis Oberhavel unübersehbar Gestalt annehmen. Das mehrere Meter hohe Trogbecken der Schleuse an der Zerpenschleuser Puschkinstraße ist längst mehr als nur in Grundzügen erkennbar. "Wir sind auf einem guten Weg, und der Zeitpunkt einer Grundsteinlegung liegt eigentlich auch längst hinter uns. Wir haben es einfach nicht eher geschafft", erklärt Hans Frodl, Geschäftsführer des Wasser- und Bodenverbandes "Schnelle Havel", am Donnerstag den Gästen des Festes.
Die Erneuerung der Schleuse gehört zu den insgesamt fünf Großprojekten der Wassertourismus Initiative Nordbrandenburg (WIN). Das Ziel dieser Initiative besteht in einem Wassersport-Areal von europäischem Ausmaß. Müritz und Oder werden mit der Absicht miteinander in Verbindung gebracht, den Tourismus spürbar anzukurbeln.
Bis zu 13 Millionen Euro fließen für die Vorhaben, die schon jetzt Folgeeffekte bringen. So erinnert die Wandlitzer Bürgermeisterin Jana Radant in ihrer Rede an das ehrgeizige Projekt der Helma Ferienhaus Entwicklungs GmbH, am Zerpenschleuser Ortsrand ein Feriendorf mit 200 Ferienhäusern und einem Dorfhafen zu errichten. "Mit 20 Millionen Euro Investitionssumme ebenfalls ein beachtliches Vorhaben. Ich bin mir sicher, Zerpenschleuse verändert sich. Der Kanal, die Lebensader, um die sich alles in Zerpenschleuse dreht, wird wachgeküsst", versprach sie mit dem Zusatz, dass sich künftig wohl einige Zerpenschleuser die frühere Ruhe zurückwünschen könnten.
Mit besonderer Aufmerksamkeit lauschten die Gäste den Worten von Peter Kober, Geschäftsführer der Streicher GmbH, die ihren Hauptsitz in Jena hält und vor zwei Jahren in Bernau eine Niederlassung gegründet hat. Mit dem Unternehmen stehen und fallen die Projektkosten und die Termine. Die Firma avancierte quasi zum Großauftragnehmer. Sie erhielt die Aufträge für die Schleuse und die drei Brücken, die zum Projekt gehören. Auch die Umweltmaßnahmen, die Herstellung der Ausgleichgewässer und die Arbeiten am Kanal liegen in den Händen der Streicher GmbH. "Ein Projekt in dieser Komplexität ist ein Glücksfall für jede Firma. Seien Sie versichert, wir werden termin- und qualitätsgerecht liefern. Ein besseres Referenzprojekt wäre für uns nicht vorstellbar", antwortete Kober direkt an Verbandsgeschäftsführer Frodl.
Dieser hatte zuvor alle Baufirmen aufgefordert, die Anlagen fristgerecht und in der vereinbarten Qualität und Funktion fertigzustellen. "Wir wollen zur Saison 2015 ans Netz gehen und wir wissen, wir können nur bis zum Jahresende 2014 die Zuschüsse der Europäischen Union abrufen", erinnerte Frodl.
Bürgermeisterin Jana Radant kam schließlich die Ehre zu, eine mit Tageszeitungen, Bauplänen, einem Streicher-Firmen-Flyer und Euro-Münzen befüllte Stahlkassette zu versenken.