Zur Bildung ihrer neuen Fraktion in der Stadtverordnetenversammlung hatten die Bernauer Linken in dieser Woche nicht nur die sieben gewählten Frauen und Männer eingeladen, sondern auch aus dem Parlament Scheidende, bisherige sachkundige Einwohner und Sympathisanten der Partei. Sie, die über viele Jahre die stärkste Fraktion in Bernau stellten, mussten nun innerhalb von zwei Wahlperioden eine Halbierung ihrer Mandate hinnehmen. Die Reduzierung der Stadtverordneten von zuletzt elf auf nunmehr sieben heißt für die Partei, nicht nur den Vorsitz im Parlament abgeben zu müssen. Ihr stehen auch weniger Plätze in den Fachausschüssen und nur noch ein Vorsitz in einem der fünf Gremien zu. Bislang waren der Sozial- und der Stadtentwicklungsausschuss fest in linker Hand.
Kampf um den Fraktionsvorsitz
Doch in der konstituierenden Sitzung der Fraktion kämpften die Mitglieder und Zuhörer wortreich erst einmal um den Fraktionsvorsitz. Dagmar Enkelmann hatte schon lange einen Generationswechsel angekündigt. Mit Dominik Rabe als neuem Fraktionschef wollte sie diesen nun vollziehen. Doch der junge angehende Lehrer hatte Widersacher. Eine Gruppe um Michelle Petroll und Irene Köppe plädierte für eine Fraktions-Doppelspitze aus Frau und Mann. Letztlich setzte sich Dominik Rabe dann doch durch – bei einer Gegenstimme und einer Enthaltung. Den ihr daraufhin angebotenen Posten der stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden lehnte Irene Köppe zunächst ab.  Weitere Differenzen werden bei den Linken bei der Besetzung der Ausschüsse mit Fraktionsmitgliedern und sachkundigen Einwohnern erwartet.
Mit knirschenden Zähnen müssen die Linken nun also ihre Plätze in den Gremien räumen und das ausgerechnet an die ungeliebten Kollegen von BVB/Freie Wähler um Péter Vida. Die haben sich in dieser Woche ebenfalls als Stadtfraktion konstituiert. Mit acht errungenen Mandaten ist die Fraktion doppelt so groß wie bisher.
Als Fraktionsvorsitzender wurde einstimmig Thomas Strese gewählt. Stellvertretende Fraktionsvorsitzende sind Anette Kluth und Dirk Weßlau. "Da BVB/Freie Wähler als stärkste politische Kraft aus der Kommunalwahl vor zwei Wochen hervorgegangen ist, schlagen wir auch den neuen Vorsitzenden der Stadtverordnetenversammlung vor", erklärt der bisherige Fraktionsvorsitzende Péter Vida. Weil er nach Dagmar Enkelmann mit Abstand die meisten Stimmen erhielt, will er selbst für das Amt kandidieren, kündigt er in einer Pressemitteilung vom Freitag an.
Änderung der Geschäftsordnung
Als stärkste Fraktion in der Stadtverordnetenversammlung hat BVB / Freie Wähler auch das Erstzugriffsrecht auf die Leitung eines Ausschusses. Wie zu hören ist, liebäugeln Péter Vida und seine Mitstreiter mit dem Ausschuss für Bildung, Kultur, Jugend, Soziales und Sport – eigentlich die Domäne der Linken, was bei diesen wohl als "Affront" gewertet werden dürfte. Und auch eine weitere Ankündigung von BVB/Freie Wähler wird diesen ganz und gar nicht passen. Einen der ersten Anträge will die Fraktion zur Veränderung der Geschäftsordnung einbringen. "So sollen die kürzlich beschlossenen Beschränkungen des Rederechts aufgehoben und zum Bericht des Bürgermeisters zukünftig alle städtischen Themen diskutiert werden dürfen", informiert Péter Vida. Eine späte Genugtuung für die Bürgerbewegten und die CDU, die machtlos mit ansehen mussten, wie eine Mehrheit aus Linken, SPD und Bündnis für Bernau wenige Monate vor der Wahl das Rederecht für die Stadtverordneten beschnitt.