Weil ihre Begründung für den Antrag auf Austritt Bernaus aus dem WAV Panke/Finow rein emotional geraten und damit in den Ausschüssen auf Kritik gestoßen war, hatten SPD, CDU/FDP und Freie Fraktion vergangene Woche versprochen, zur Stadtverordnetenversammlung am Donnerstag eine überarbeitete Fassung vorzulegen. Doch die geriet mehr als spartanisch. Statt mit Zahlen und Fakten zu untermauern, warum ihr Antrag seine Berechtigung hat, versahen die drei Fraktionen ihn lediglich mit einem Zusatz: "Der Bürgermeister wird beauftragt, alle erforderlichen Schritte zur Umsetzung vorzunehmen. Hierbei ist eine einvernehmliche Lösung mit den anderen Verbandsmitgliedern anzustreben. Die geplanten Baumaßnahmen zur Ver- und Entsorgung sollen weiter geführt werden".
Offenbar waren sich die Initiatoren des Antrags um Adelheid Reimann (SPD) sicher, dass sie auch so die Mehrheit bekommen würden. Und sie behielten recht. Nur die Linken stimmten geschlossen gegen Bernaus Austritt aus dem WAV. Zu ihnen gesellten sich mit Michael Hellmund ein "abtrünniger" Sozialdemokrat und der Bündnisgrüne Klaus Labod. Beide Männer sahen "erheblichen Gesprächsbedarf". Es könne doch wohl nicht sein, dass die einzige Begründung für den Antrag sei, "dass wir was machen müssen", kritisierte Labod. "Würde mir in einem Wirtschaftsunternehmen ein Mitarbeiter eine solche Vorlage vorlegen, würde ich ihm die um die Ohren hauen", wetterte Hellmund. Gemeinsam mit den Linken versuchten sie, wenigstens eine Vertagung des Themas zu erreichen, scheiterten aber am Widerstand der Mehrheit. Die war offenbar wild entschlossen, keinen Tag länger zu warten.
So blieb den Linken, allen voran Carsten Schmidt, der für seine Fraktion auch im Aufsichtsrat der Stadtwerke sitzt, nur, ihre Argumente gegen einen Austritt aus dem WAV zu wiederholen. Immerhin zwang der Jurist Bürgermeister Hubert Handke (CDU), erstmals öffentlich Farbe zu bekennen, was er von einem Austritt hält.
Auf entsprechende Fragen Schmidts wurde schnell deutlich, dass Handke bereits einen festen Fahrplan hat, wie es mit der Wasserver- und Abwasserentsorgung in Bernau weitergeht, wenn die Stadt nicht mehr zum WAV gehört. So hat er offenbar im Sinn, die Aufgaben der Daseinsvorsorge über einen kleinen Umweg auf die Bernauer Stadtwerke zu übertragen. "Am effektivsten" sei es, "einen Eigenbetrieb zu gründen und die Aufgaben dann vielleicht auf einen Geschäftsbesorger zu übertragen", sagte er unter anderem.
Befürchtungen, dass Bernau Trinkwasser zukaufen muss, um die Versorgung der Stadt zu gewährleisten, widersprach Handke. Die Entnahmebeschränkung für das Wasserwerk Schönow zugunsten Berlins sei aufgehoben, verkündete er. Und was die Folgekosten einer Trennung vom Verband anbelange: "Die werden dem Auftrittswilligen auferlegt, aber letztlich sind die verkraftbar", erklärte er.