Nur in der Stadt Bernau funktioniert das nicht. Hier hat man es mit „Herrn 
Grünamt“ und „Frau Rechtsamt“ zu tun. Eine Sammeladresse (stadtverwaltung@bernau-bei-berlin.de) und die vage Hoffnung, dass die E-Mail auf dem richtigen Schreibtisch landet, muss dem Bürger reichen.
Stadtverordneten wie Dagmar Enkelmann (Linke) und Peter Vida (Unabhängige) ist das schon lange ein Dorn im Auge. Doch ihre Forderung an die Bernauer Verwaltung, es endlich anderen Kommunen gleich zu tun und ihr Organigramm zu veröffentlichen, verhallt seit Monaten ungehört.
Die Begründungen, warum in Bernau nicht funktioniert, was in anderen Behörden gang und gäbe ist, sind gar abenteuerlich. Zunächst spielte man im Rathaus „Vogel Strauß“. Als die Stadtverordneten aber nicht locker ließen und regelmäßig nachfragten, wie weit das Vorhaben gediehen sei, verlegte man sich auf eine andere Taktik. Einmal erklärte Bürgermeister Hubert Handke (CDU), man prüfe, ob eine namentliche Veröffentlichung der Mitarbeiter mit dem Datenschutz vereinbar sei. Schließlich habe er eine Fürsorgepflicht gegenüber seinen Mitarbeitern. Ein anderes Mal war es die Abstimmung mit dem Personalrat, die noch erfolgen musste.
In der Stadtverordnetenversammlung am Donnerstag schließlich erklärte Hauptamtsleiterin Viola Lietz auf eine erneute Anfrage, dass man sich dazu entschieden habe, es bei der Benennung der Organisationseinheiten und der jeweiligen Telefonnummern zu belassen. Neu hinzu kommen sollen lediglich noch „funktionale E-Mail-Adressen“. Begründung: „Bei den konkreten Ansprechpartnern kann es immer wieder zu Veränderungen aufgrund von Eheschließungen, Urlaub, Umsetzungen, Krankheit und Krankheitsvertretung, Ausscheiden aus dem Arbeitsleben oder auch Arbeitswechsel kommen“.
Fassungsloses Kopfschütteln bei den Stadtverordneten über soviel Ignoranz. „Wahrscheinlich müssen wir erst eine fraktionsübergreifende Vorlage einbringen, damit etwas passiert“, bemerkte Jürgen Althaus (SPD) ironisch.