Kurz vor 19 Uhr ging in Bernau ein Böller in die Luft. Zu der Zeit sahen die Zahlen zum Abstimmungsergebnis schon sehr gut aus. Peter Vida, Fraktionvorsitzender der Unabhängigen und damit der Initiatoren des Bürgerentscheids, freute sich, das offenbar jemand von den Bürgern so seiner Zufriedenheit über das sich anbahnende Ergebnis Ausdruck gab.
Vida selbst bezeichnete den 20. Oktober als einen großen Tag für alle Bernauer. Es sei klar geworden, dass von der Stadt offenbar jahrelang an den Bürger vorbei gearbeitet wurde. Die Zustimmung von 94,6 Prozent der Wahlberechtigten sei eine krachende Mehrheit gegen den Bürgermeister, der mehrfach versucht hatte, den Bürgerentscheid zu behindern. "Es stellt sich die Frage, wie der Bürgermeister die Bernauer noch repräsentiert", konstatierte Vida. " Ich bin sehr dankbar, dass die Bürger ein klares Zeichen gesetzt haben. Sie wollen mitreden", sagte er gegenüber der Märkischen Oderzeitung.
Einer der Bürger ist der Ladeburger Werner Rudneck. "Ein Bürgerentscheid ist immer das Richtige. Den Politikern kann man nicht trauen", so seine Meinung. Er gehört zu den mehr als 100 Bürgern, die bis gegen 11.45 Uhr im Abstimmungslokal 24 in der Rüdnitzer Straße ihre Stimme abgegeben haben. Ortsvorsteher Horst Seefeldt zeigt sich gegen Mittag zufrieden, wie rege Bürger diese Möglichkeit genutzt haben. Nach seiner Einschätzung könnte es ein Erfolg werden.
Ähnlich wie in Ladeburg beobachtet, stellte Katrin Brettfeld, Abstimmungshelferin, im Wahllokal an der Sternwarte in Bernau eine gute Beteiligung fest, ganz anders als etwa bei einer Europawahl, sagte sie. "Und es kommen sehr viele, die ein Eigenheim haben", ergänzte Norbert Thron, Abstimmungsvorsteher des Wahllokals. Etwa 160 Bürger von 1200 hatten den Vormittag schon genutzt, um am Bürgerentscheid teilzunehmen. Unter ihnen war auch Dieter Marquardt. "Man kann nicht alles machen, was die wollen. Ich finde einen Bürgerentscheid o.k.", sagte er, der schon eine neue Straße vor der Tür und sich darüber gefreut hat, allerdings auch eine fünfstellige Summe zahlen musste. Doch aus Solidarität mit den anderen hat er sich an der Abstimmung beteiligt. Eine Frau, die ihren Namen nicht nennen wollte, ist hingegangen, weil sie "einfach die Nase voll hat".
In Friedenstal waren schließlich um 13 Uhr schon 27 Prozent erreicht, dem gegenüber waren es in einem mehr innerstädtischen Wahllokal wie der Rollenhagen-Schule bis 12 Uhr lediglich 8 Prozent.
Kurz nach 19 Uhr füllten sich die Spalten der Internetseite der Stadt mit den Ergebnissen der einzelnen Wahllokale zusehends. 19.14 Uhr waren alle 37 Stimmbezirke ausgezählt. 9896 Bernauer haben ihre Stimme abgegeben, 9360 waren davon für mehr Mitbestimmung beim Ausbau von Anliegerstraßen und weiteren Erschließungsmaßnahmen. Ein verschwindende Minderheit von 563 Wahlberechtigten stimmte gegen das Anliegen des Bürgerentscheids. Das waren 5,4. Prozent.
Zusätzlich zu den Mitarbeitern in der Wahlbehörde waren mehr als 200 Abstimmungshelfer in der Wahllokalen im Einsatz. Bis auf kleinere Pannen sei der Bürgerentscheid ordnungsgemäß verlaufen, informierte Viola Lietz. Die Leiterin der Wahlbehörde wird heute das Ergebnis des Bürgerentscheids dem Wahlausschuss vortragen.
Abgestimmt: Im AWO-Altenpflegeheim "Am Weinberg", Anlaufstelle für den Abstimmbezirk 4, hat Sven Riedel seine Stimme abgeben. Interessiert schaut sein Sohn Paul zu; links Beisitzer Stephan Beilfuß.Foto: Rainer Horn
Große Mehrheit spricht sich bei Bürgerentscheid zum Straßenausbau für mehr Mitbestimmung aus / Quorum deutlich überschritten