Eberswaldes Stadtverordnete haben in seltener Einmütigkeit den Vorstoß gestartet, den gesamten Finowkanal in die Projektliste der Wassertourismus-Initiative Nordbrandenburg (WIN-AG) aufnehmen zu lassen. Die WIN-AG ist von den Kreisen Barnim, Oberhavel und Ostprignitz-Ruppin gegründet worden. Zu ihren gleichberechtigten Mitgliedern gehören die Städte Eberswalde, Liebenwalde, Neuruppin, Oranienburg, Templin und die Gemeinde Wandlitz. Zusammen konnte bereits der Werbellinkanal ausgebaut werden. Die Inbetriebnahme des Langen Trödels, eines Teilstücks des Finowkanals, ist für dieses Frühjahr vorgesehen. Bisher wurden für die Projektrealisierung durch die WIN-AG etwa 21 Millionen Euro investiert. Der kommunale Anteil daran betrug etwa 7,5 Millionen Euro. Ein Stück vom großen Kuchen würden Eberswaldes Volksvertreter gern für den Finowkanal selbst reservieren. Den Antrag zur Aufnahme in die Projektliste, den die CDU-Fraktion angeregt hatte, tragen deshalb auch die SPD, die FDP, die Linke, Bündnis 90/Die Grünen, das Alternative Wählerbündnis Eberswalde und die Bürgerfraktion Eberswalde als Einreicher mit. Bürgermeister Friedhelm Boginski wird darin des Weiteren beauftragt, mit der Bundeswasserstraßenverwaltung, dem Land Brandenburg, den Anrainerkreisen und den Anrainergemeinden Verhandlungen zu führen, die das gemeinsame Ziel der dauerhaften wassertouristischen Nutzung des Finowkanals zum Inhalt haben. Der Auftrag ist kein Blankoscheck: "Über die Art und den Umfang der finanziellen Unterstützung des Projektes durch die Stadt Eberswalde, welche grundsätzlich befürwortet wird, entscheidet die Stadtverordnetenversammlung im Ergebnis der Verhandlungen", heißt es in der Vorlage abschließend.
Vor der Abstimmung hatte das Stadtoberhaupt im Parlament Klartext geredet. "Der Finowkanal hat nur eine Zukunft, wenn es uns gelingt, seine Schiffbarkeit zu erhalten", betonte Friedhelm Boginski. Weil der Bund als Noch-Eigentümer der Wasserstraße bloß noch eine rein touristische Bedeutung einräume, streiche er sein Engagement für diese auf ein Minimum zusammen und übe sogar Druck auf das Wasser- und Schifffahrtsamt aus, den Finowkanal zu schließen. Durch die Reform der Wasserschifffahrtsverwaltung seien die Ressourcen vor Ort erneut verknappt worden. Die ohnehin kritische Situation werde durch den Umstand weiter erschwert, dass der bauliche Zustand von drei der zwölf Schleusen bedenklich sei. Dies gelte für die Stecherschleuse, die Lieper Schleuse und die Grafenbrücker Schleuse. Vor allem innerhalb der Kommunalen Arbeitsgemeinschaft Finowkanal (KAG) - eines Zusammenschlusses etlicher Kommunen entlang des Finowkanals und des Kreises Barnim - werde mit Bund, Land und WIN-AG längst nichtöffentlich über ein neues Betreibermodell beraten. Ende September 2014 sei ein Grobkonzept vorgestellt worden, das Finowkanal, Werbellinkanal und Freienwalder Landgraben umfasse. Demnach sollten zwar alle Eigentümer ihre Pflichten behalten, aber einen weitgehenden Bewirtschaftungsauftrag auslösen. Vorstellbar sei etwa ein Zweckverband. Der Bund gehe davon aus, dass die Schleusensanierung 30 Millionen Euro kosten würde und sei bereit, davon die Hälfte zu tragen. "Es bleibt eine Finanzierungslücke von 15 Millionen Euro", sagte der Bürgermeister. Mit dem Land Brandenburg werde intensiv über Zuschüsse aus dem Fonds "Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur" verhandelt. "Aber um einen Eigenanteil in noch nicht feststehender Höhe kommen wir nicht herum", betonte Friedhelm Boginski. Angestrebt werde, das neue Betreibermodell für den Finowkanal ab der Saison 2016 wirksam werden zu lassen.