"Das sind die künftigen Operationsmethoden", sagte eine Ärztin im Ruhestand, die aus Cottbus nach Bernau gekommen war, und fügt noch einen kurzen Satz als Begründung hinzu: "Weil diese Techniken gebraucht werden." - "Hier werden Hintergründe gezeigt, die man sonst nicht sieht. Und das Verständnis für die Patienten wird erweitert", zieht ein Medizintechniker sein Resümee. Aus Hamburg kam Susann Studzinski zum Tag des Herzzentrums nach Bernau. Sie arbeitet unter anderem in einem Katheterlabor in der Hansestadt. "Ich interessiere mich für die OP-Technik. Der Besuch hat sich gelohnt", lautet ihre Bilanz.
Wie bereits in den Vorjahren, ziehen die Übertragungen auch Fachpublikum an. Doch gedacht sind sie für ein offenes Publikum und vor allem für Betroffene. Marion und Rolf Fischer, 79 und 81 Jahre alt, kommen aus Bernau, haben - zum Glück, wie sie sagen - keine Herz- oder Kreislaufprobleme, wohl aber im Bekanntenkreis. "Eine Operation kann eine große Hilfe sein", sagt Marion Fischer daher. Und: "Die Veranstaltung nimmt einem die Angst. Man kann ja auch mal selbst betroffen sein", fügt Rolf Fischer hinzu. Der Wert der Übertragungen besteht für viele darin, eine OP direkt erleben zu können. Das schafft Vertrauen.
"Auch bei einer konventionellen Operation werden die Eingriffe immer schonender", erläutert Prof. Dr. Johannes Albes, Chefarzt der Herzchirurgie, während auf der Projektionswand über ihm gerade zu sehen ist, wie im OP in die geöffnete Hauptschlagader des Herzens eines 61-jährigen Patienten eine Herzklappe eingesetzt wird. Der erforderliche Schnitt im Brustkörper ist nicht mehr über 20 Zentimeter lang, sondern nur noch sieben.
Der Patient, erläutert Prof. Albes, habe sich nicht krank gefühlt. Seinem Hausarzt seien aber schon vor Jahren beim Abhören ungewöhnliche Herztöne aufgefallen. Die Erkrankung wurde diagnostiziert und die Entwicklung bei regelmäßiger Kontrolle im Auge behalten. Erst jetzt musste der 61-Jährige operiert werden, da die Muskelzellen des Herzens sonst in Mitleidenschaft gezogen werden könnten.
Ein ehemaliger Leistungsschwimmer mit Herzflimmern, das zeitweise zum Abbruch der alltäglichen Leistungsfähigkeit führen kann, und der zusätzlich an einer Schilddrüsenerkrankung litt, war ein weiterer Patient. Drei Eingriffe in einem anderen Haus hatten nur zeitweise Erfolg gebracht, was bei diesen Erkrankungen nicht ungewöhnlich sei. Wie Privatdozent Dr. Christian Butter, Chefarzt der Kardiologie, erläuterte, könne diesem Patienten mit der Erfrierungstherapie, einem Kathetereingriff, langfristig geholfen werden. Die betroffene Stelle im Herzen wird auf bis zu minus 60 Grad abgekühlt, so dass das Gewebe dort vernarbt, ein Übertritt der elektrischen Aktivität und damit ein Herzflimmern und Herzrhythmusstörungen verhindert werden.
Um dies zu demonstrieren, konnte nicht nur der Kathetereingriff verfolgt werden. Da das Herz dabei nicht direkt sichtbar ist, wurde der Eingriff auf der Bühne der Aula in einem kleinen Labor an einem Rinderherzen modellhaft vorgeführt.
Ein neues Projekt mit dem Paulus-Praetorius-Gymnasium stellte Chefarzt Dr. Georg Fritz vor. Seit diesem Jahr erhalten alle Schüler der jeweils 9. Klassenstufe einen Kurs in der Wiederbelebung bei Herzstillstand. Patienten mit Herzstillstand haben dreifach größere Chancen, das Krankenhaus wieder gesund zu verlassen, wenn sie wiederbelebt wurden, auch wenn dies Laien tun, so die Botschaft von Dr. Fritz. Doch die Zahl der Menschen, die sich die Reanimation - 100-mal pro Minute in der Mitte des Brustkorbs drücken - zutrauen ist sehr gering.
Bernaus Bürgermeister Hubert Handke bezeichnete das Herzzentrum als einen "Schrittmacher" beim Public Viewing in der Medizin-Technik. Der Erfolg der Einrichtung sei dem "Dreiklang" aus Träger, Mitarbeiter-Team und Standort - die Entscheidung für Bernau sei eine gute Entscheidung des Landes gewesen - geschuldet.
Dass auch die überregionale Anerkennung der Leistungen nicht ausbleibt, daran erinnerte Udo Schmidt, Geschäftsführender Direktor der Immanuel Diakonie, dem Träger des Klinikums. Im Sommer hatte die AOK in einer Patienten-Studie mit rund 100000 Beteiligten dem Bernauer Katheterlabor die bundesweit beste Bewertung erteilt. Dass auch die Gesundheitspolitik mit der Stärkung der bestehenden Herzzentren in der Region Berlin-Brandenburg setzt, mache ihn "sehr, sehr froh", sagte Udo Schmidt.