Der Verein Brassens in Basdorf veranstaltete mit vielen Künstlern und an zahlreichen Spielstätten über gut eine Woche lang sein diesjähriges Festival Brassens, das auf breites Interesse stieß. "Schorsch Brassääß" – das sieht nicht gut aus und klingt auch nicht perfekt. Ist aber schon erheblich besser, als die Aussprache der meisten Deutschen, die sich an den Namen von George Brassens heranwagen.
Noch schwieriger wird es mit dem Inhalt seiner Lieder, denn nur mit Schulfranzösisch kommt man seiner differenzierten, gern ein wenig gegen den Strich gebürsteten Ausdruckweise kaum bei. Das ist sehr schade, denn darin steckt jede Menge burlesk formulierte Lebensweisheit und hintergründig-philosophische Aufmüpfigkeit. Brassens war Humanist, aber auch im positiven Sinne Anarchist, der keiner Linie entlang lebte und die Freiheit des Individuums über jede Form der Gängelung setzte. Er ist ein Großmeister des literarisch anspruchsvollen Chansons.
Musikalische Nachhilfe
Viel Positives lässt sich generell über französische Chansons sagen: Man hätte jede Menge Spaß damit, wenn sie einem gut vermittelt würden. Es ist daher ein großes Verdienst des Vereins Brassens in Basdorf, mit viel Energie und Fingerspitzengefühl vielen Komponisten und Sängern von Chansons zu helfen.
Im März 1943 wurde Brassens als Zwangsarbeiter nach Basdorf deportiert, bekam nach einem Jahr die Genehmigung, urlaubsweise nach Paris zu fahren und kehrte nicht mehr zurück. Frankophile Basdorfer gründeten den Verein, um dem pfiffigen Liedermacher ein Denkmal zu setzen. Dazu wird jedes Jahr das "Festival Brassens" abgehalten, das nun schon zum 16. Mal stattfand.
Die organisatorische Leistung, die dahinter steckt, verdient Bewunderung: An acht Tagen fanden diesmal an vielen verschiedenen Stellen 17 Konzerte statt, bei denen insgesamt 24 Künstler auf hohem Niveau aus Deutschland, Frankreich und Polen mitwirkten. Jedes Mal traten mehrere Akteure auf, oftmals auf verschiedenen Konzerten. Bei allem Kräfteaufwand war das für die Beteiligten ein Anlass zu großer Freude, denn die Organisatoren und Musiker kannten sich fast alle und empfanden das Wiedersehen als eine Art familiäres Fest.
Dieses Gefühl übertrug sich nahtlos auf das Publikum: Manche, darunter ein langjähriger Freund von Brassens, waren von weither gekommen. Kaum jemand wird nur eines der Konzerte erlebt haben, und man ließ sich von der fröhlichen Vertrautheit der Akteure anstecken. Schon beim zweiten Mal kannte man einen Teil der Musiker, die so manches Chanson unterschiedlicher Komponisten, mal auf Deutsch, mal auf Französisch zum Vortrag brachten.
Baracken der Zwangsarbeiter
Diese Wiederholungen erleichterten den Zugang ebenso wie die konsequent in Deutsch und Französisch vorgetragenen Ansagen. Corinne Douarre vom Verein Brassens in Basdorf war nicht nur als Sängerin dabei, sondern leistete als unermüdliche Moderatorin und Übersetzerin einen Beitrag zum Gelingen. Das Publikum nahm den zwanglos heiteren Umgang der Musiker bereitwillig auf.
Ein besonders emotionaler Moment war die Begehung des Geländes, auf dem Georges Brassens während seiner Zeit als NS-Zwangsarbeiter einquartiert war. Die maroden Baracken stehen unter Denkmalschutz. Im Rahmen des Freiluftkonzerts trug Agata Paulina Clasen vom Duo "Schwester" ein Lied über Zwangsarbeit in ihrem familiären Umfeld vor. Die Trauer über erlittenes Unrecht und die Freude über bessere Zustände in unseren Tagen mischten sich zu einer sehr dichten Atmosphäre, der man sich nicht entziehen konnte. Musik, Trauerarbeit und sehr viel Freude – das Festival brachte von allem eine hervorragende Mischung und wird im Herzen der Beteiligten weiterleben.