Für die Demonstranten ist Bürgermeister Hubert Handke für die in ihren Augen ungerechtfertigten Alt- und Neuanschließerbeiträge verantwortlich. Der Verwaltungschef müsse für seine verfehlte Abwasserpolitik die Quittung bekommen, fordern die Initiatoren der Bürgerinitiative WAV.
Als Beispiel dafür, wie sich seiner Meinung nach die Haltung von Stadtverordneten wandeln könne, zitierte Andreas Neue, Sprecher der Bürgerinitiative, aus einer gemeinsamen Pressemitteilung von Klaus Labod (fraktionslos) und Carsten Schmidt (Linke) im September 2012. "Wir Stadtverordnete mussten in der Vergangenheit bei einer Vielzahl von Beschlüssen der Stadtverordnetenversammlung feststellen, dass diese allein Klientel- und Privatinteressen folgen. ...Klientelpolitik, Hinterzimmermentalität und Intransparenz überwiegen zunehmend", heißt es darin. Als Beispiel für intransparente Entscheidungen nannten sie unter anderem die Entscheidung zum Erwerb des Grundstücks Klementstraße 10.
Die Demonstranten amüsierte aber vor allem ein Satz aus der damaligen Erklärung der beiden Stadtverordneten. "Wir wünschen uns in der Zukunft einen sachlichen und weitgehend offenen Dialog mit der Bürgerschaft. Nur so kann kommunale Demokratie funktionieren, wie sie ursprünglich erdacht und im Grundgesetz verankert ist."
Andreas Neue sah in der Erklärung der Stadtverordneten und ihrer heutigen Haltung gegenüber der Altanschließerproblematik den Beweis dafür, wie Stadtverordnete manipuliert würden. "Ab heute läuft die Kündigung des Hauptverantwortlichen", kündigte er an.
"Zeigen Sie sich solidarisch mit uns bei der Abwahl des Bürgermeisters", forderte auch Bernd Schuhmann von der Bürgerinitiative.
Auch die Fraktion der Unabhängigen beteiligt sich an den Abwahl-Plänen. "Der Bürgermeister hat sich kompromisslos gezeigt", fand Thomas Strese (Unabhängige). Die kritischen Geister im Rathaus seien verstummt.
Hunderte trugen sich während der Demonstration bereits in die Listen aus und nahmen Blanko-Listen mit, um sie unter Nachbarn und Freunden zu verteilen. Unterschreiben dürfe, wer mindestens 16 Jahre alt ist und seinen Wohnsitz in Bernau hat, erklärten die Sprecher der Initiative. Wo es weitere Listen gibt, ist auf der Internetseite der Bürgerinitiative unter (www.buergerinitiative-wav.de) nachzulesen. Dort kann man sich auch Listen ausdrucken lassen.
Holger Becker von Verein Deutscher Grundstücksnutzer (VDGN) erklärte den Sinn von Prozessgemeinschaften. "Eine Klage vor dem Verwaltungsgericht ist ein Risiko finanzieller Art." Für viele sei eine Einzelklage daher kaum zu leisten. "Bei einer Sammelklage wird es günstiger, je mehr Menschen sich beteiligen", erklärte er.
Becker appellierte erneut an alle, bei einem Widerspruch zwar zu zahlen, um keine Säumniszinsen zahlen zu müssen, dann aber Widerspruch einzulegen. Dieser müsse übrigens von allen unterschrieben werden, die für das Grundstück im Grundbuch eingetragen sind. In Rüdnitz soll es eine Info-Veranstaltung zur Sammelklage geben, in Bernau soll es ebenfalls eine weitere geben.
Zur nächsten Demonstration will die Bürgerinitiative Fragen der Betroffenen sammeln. Diese können am Dienstag mündlich vorgetragen werden oder schriftlich eingereicht werden. Die Fragen werden gesammelt, auf der Internetseite veröffentlicht und sollen von den entsprechenden Stellen beantwortet werden.