Da wird sicher so manchem Burger-Fan das Essen im Hals stecken geblieben sein. Was das „Team Wallraff“ in der Sendung am Donnerstagabend aufdeckte, war nichts für zarte Gemüter. Und es war der Grund dafür, dass die Filiale in der Bahnhofs-Passage in Bernau zwischenzeitlich geschlossen war – denn auch sie stand im Fokus des Berichts.
Bereits 2014 hatte das Fernsehteam über unhaltbare hygienische Zustände bei Burger King berichtet – daraufhin wurden 89 Filialen deutschlandweit geschlossen. Nun ermittelte das Team erneut verdeckt, indem die Reporter anonym in den Filialen arbeiteten. In Bernau waren sie bereits Anfang März dieses Jahres im Einsatz.

Abgelaufene Ware weiter verarbeitet

Was der RTL-Reporter mit versteckter Kamera dokumentierte, war erschreckend. Die hygienischen Zustände entpuppten sich als sehr weit entfernt von dem, was sich das Unternehmen, das hinter McDonald‘s deutschlandweit auf Platz zwei der FastFood-Ketten liegt, selbst auferlegt hat.
Zwar gibt es bei Burger King Regeln, wann Waren ausgetauscht werden müssen. Doch statt die abgelaufenen Lebensmittel zu entsorgen, tauschen die Mitarbeiter von Burger King in Bernau einfach die Etiketten mit dem Haltbarkeitsdatum aus. Die alte Ware blieb in den Behältern.
Auf Saucen-Behältnisse, deren Inhalt bereits mehrere Tage abgelaufen und an den Rändern angetrocknet war, wurde einfach ein neues Etikett geklebt. Am Ende wurden die Flaschen nicht geleert und gereinigt, sondern einfach neue Sauce über die noch in der Flasche befindliche alte gekippt. Auch Salat, Tomaten, Bacon und Backwaren, die sichtlich ihre Haltbarkeit überschritten hatten, aber dennoch verwendet wurden, sind im Film zu sehen.

Mit den Händen zuerst auf den Boden und dann an den Burger

Eine weitere Ekel-Szene aus der Bernauer Filiale: Einem Mitarbeiter fällt eine Rolle mit Wechselgeld herunter. Alle Kollegen helfen, das Geld vom Fußboden aufzuheben. Danach nehmen sich einige Mitarbeiter, ohne die Hände zu waschen, zum Eigenverzehr Pommes oder Chicken-Nuggets, tunken sie in die Saucen und essen sie selbst. Mit den immer noch ungewaschenen Händen bereits sie anschließend die Burger für die Kunden zu. Berichtet wird zudem, dass das Händewaschen auch nach Raucherpausen oder dem Leeren von Aschenbechern ausbleibt.
Eine Spülmaschine gibt es in der Bernauer Filiale nicht. Die Behälter mit den verkrusteten Saucenresten habe er mit lauwarmen Wasser ausspülen müssen, berichtet der Reporter. Wie Gastronomie-Experte im Film erklärt, ist das ein perfekter Nährboden für Bakterien und Keime, die nur in einer heißen Spülmaschine abgetötet werden können.

Fazit des Reporters: „Chaosladen“

Das Fazit des Reporters: „Was für ein Chaosladen.“ Lebensmittelsicherheit und Hygiene würden hier in keinster Weise eingehalten. Das Resümee vieler Besucher fällt noch drastischer aus. Einige Google-Bewertungen sind sehr deutlich. Dort ist die Rede von dreckiger Dienstbekleidung der Mitarbeiter, bemängelt werden unsaubere Toiletten, trockene Brötchen und alt schmeckendes Fleisch. Eine Userin schreibt: „Wenn man einmal dort gearbeitet hat, möchte man dort nichts mehr essen.“
Dabei ist der Ekel noch steigerungsfähig. In Burger-King-Filialen in Köln entdeckten die Undercover-Reporter Mäuse und Mäusekot in der Küche, die Kühlketten wurden nicht eingehalten. Als eine Reporterin in einer Tüte mit Brot ein offenbar von Mäusen angebissenes Stück entdeckt, wird nur dieses Brötchen weggeschmissen, die anderen noch in der Tüte befindlichen werden weiter verarbeitet.
Aufnahmen zeigen auch einen Fall aus dem Sommer. Hier hatten sich Heerscharen von Maden den Weg von der Biotonne in die Küche gebahnt. Zu sehen sind Mitarbeiter, die am Fleisch riechen und dabei sichtbar angeekelt sind, weil das Fleisch unangenehm riecht. Es wird aber dennoch auf den nächsten Burger gepackt.

Wo vegan draufsteht, ist nicht immer vegan drin

Auch die Ausbeutung von Mitarbeitern, die teilweise bis zu 14 Stunden am Stück arbeiten mussten, ist im Beitrag ein Thema. Genau wie der Umstand, dass für die Zubereitung veganer Burger auch normales Burgerfleisch verwendet wurde, wenn das vegane nicht mehr vorhanden war.
Auf seiner Internetseite äußert sich Burger King zu den Vorwürfen und räumt Fehler ein. Hier heißt es: „Wir bedauern diese Vorfälle sehr und nehmen sie sehr ernst. Die betroffenen Restaurants wurden vorübergehend geschlossen, damit sie genau überprüft werden können.“ Man habe, so das Unternehmen, ein außerordentliches Audit, also eine Überprüfung der Standards, für alle 750 Burger King Restaurants in Deutschland angeordnet, das spätestens im September 2022 abgeschlossen sein wird.“
Die gesamte Reportage vom Team Wallraff über die Zustände bei Burger King in Bernau ist bei RTL+ zu finden.
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