Man schrieb das Jahr 1619, als Gürgen Crone und Emeretia Flöricke in Bernau ermordet wurden. Der junge Bäcker und seine Frau waren mittellos in die Stadt gekommen, hatten eine Bäckerei aufgemacht und waren mit ihrem nach Zitronen und Pomeranzen schmeckenden Brot nicht nur bekannt geworden, sondern auch schnell zu bescheidenem Wohlstand gelangt. Zu schnell, wie ein Nachbar fand. Das könne doch nur mit dem Teufel zugehen. Er denunzierte das Paar, das daraufhin verhaftet und gefoltert wurde. Gürgen starb im Folterkeller, sein toter Körper wurde auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Emeretia, im sechsten Monat schwanger, durfte noch ihr Kind austragen. Dann wurde auch sie gefoltert und als Hexe bei lebendigem Leibe verbrannt.
25 Frauen und drei Männer wurden zwischen 1536 und 1658 in Bernau wegen angeblicher Hexerei gefoltert und bei lebendigem Leibe verbrannt. Das von der Künstlerin Annelie Grund geschaffene Hexendenkmal, das 2005 neben dem Henkerhaus an der Stadtmauer aufgestellt wurde, erinnert an die Opfer von Hexenwahn und -verfolgung. Eine Ausstellung, die zurzeit im Ratssaal zu sehen ist, befasst sich damit. Und am Sonntag wurde der Opfer in einem besonderen Gedenkgottesdienst in der St. Marienkirche gedacht. Generalsuperintendentin Ulrike Trautwein und Marion Gardei, Beauftragte für Erinnerungskultur der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-Schlesische Oberlausitz, sind gekommen. Die Generalsuperintendentin spricht von "Schuld im Namen des Glaubens". Mindestens 28 Menschen hätten im 16. und 17. Jahrhundert ihr Leben verloren. Deren Nachfahren würden noch in der Stadt leben, sagt sie. Es wäre falsch und ein fatales Signal, die Opfer einfach "wegzuschweigen".
In einem symbolischen Akt wurden die zu Unrecht verfolgten und ermordeten Bernauer am Sonntag in die Christengemeinschaft zurückgeholt. Im Anschluss legten Besucher des Gedenkgottesdienstes am zurzeit eingerüsteten Hexendenkmal für jeden Getöteten eine Rose nieder.
Im April werden sich die Stadtverordneten auf Initiative der Linken mit der Hexenverfolgung in Bernau befassen. Ziel ist ein Beschluss, mit dem die zu Unrecht verfolgten Frauen und Männer moralisch rehabilitiert werden.