In den Gewächshäusern am Sydower Fließ stehen nur noch vereinzelt blühende Pflanzen. Hauptaufgabe der Mitarbeitenden und Beschäftigten ist im Augenblick, die verwelkten Balkonpflanzen aus dem Frühjahr zu entsorgen. Jede einzelne muss aus dem Topf genommen werden. Auch die Erde wird gerettet. So sollen die Verluste, die der "grüne Bereich"  seit März hatte, geschmälert werden. Außerdem wird Platz für Neues geschaffen. "Wir haben noch so viel zu tun", weiß Betriebsleiterin Ines Küter. In der kommenden Woche müssen die ersten Alpenveilchen und Weihnachtssterne getopft werden. Vergangene Woche hatte sie die ersten sechs Beschäftigten, darunter Daniel Preuß, zur Rückkehr an den Arbeitsplatz eingeladen. In dieser Woche sind es 20 Frauen und Männer – von insgesamt 140 Beschäftigten im "Bereich Grün".
Mit der Corona-Krise kam das vorläufige Arbeits-Aus für alle Beschäftigten – insgesamt 903 Menschen mit Behinderungen, die an acht Standorten der Hoffnungstaler Werkstätten gGmbH am Arbeitsleben teilhaben. Sie sind tätig in Bio-Molkerei und -Gärtnerei, in der Gartenlandschaftspflege und den Barnimer Baumschulen Biesenthal, im Zierpflanzenbau, im Bereich Service und Dienstleistungen, in der Industriellen Fertigung und in der Event-Gastronomie, zählt Ludwig Pagel, Geschäftsführer der Hoffnungstaler Werkstättn gGmbH, auf. In einigen Bereichen wurde mit Mitarbeitern aus der Verwaltung weiter gemacht. Auch Pagel selbst hatte seinen zweitägigen Einsatz. "Ich habe wie ein Mann Pflanzen eingetopft und Bäume geschleppt. Da wächst noch einmal ein anderes Verständnis für die Tätigkeit der Beschäftigten", bemerkt er lächelnd.

Strikte Hygieneregeln

Dennoch: Die gGmbH hat seit April "Umsatzeinbußen zwischen 60 und 80 Prozent" gemacht, schätzt der 45-jährige Geschäftsführer ein. Lediglich die Läden konnten ihren Umsatz steigern – das Pflanzencenter sogar bis zu 30 Prozent, erzählt Ines Küter. "Ende April, gut 14 Tage früher als in Vorjahren, waren 23 000 Pelargonien verkauft. Auch Tomatenpflanzen gab’s nicht mehr."
Nun fahren die Hoffnungstaler Werkstätten langsam wieder hoch – unter strikter Einhaltung der Hygieneverordnung. Das dazugehörige Konzept musste ein Facharzt bestätigen, ehe es in Anwendung gebracht werden konnte. Ludwig Pagel ahnt, dass bei manchen Beschäftigten die Unsicherheit groß ist, sie sich erst einmal wieder an Tagesstrukturen gewöhnen, vielleicht auch "zur Arbeit motiviert werden müssen", wie Ines Küter ergänzt. Doch beide sind voller Vertrauen, dass die Behinderten die Hygienebestimmungen einhalten werden. "Man kann ihnen zutrauen, sich an Regeln zu halten, sonst würden sie hier nicht arbeiten", sagt Ludwig Pagel.