Intuition ist ein großes Wort, Jeannette Michael umschifft es. Den Schwangeren Vertrauen in sich zu vermitteln, sie darin zu bestärken, auf die Signale ihres Körpers zu hören – die 46-Jährige nennt es "die ursprüngliche Arbeit der Hebamme". In Krisenzeiten wie diesen sieht sie darin eine ihrer zentralen Aufgaben. Denn: "Wie lange kann ich unbedenklich in die Haushalte rein?" Diese Frage treibt sie um.
Ansammlungen von Menschen haben Schwangere, wie jeder andere auch, zu meiden. "Damit fallen Kurse flach", sagt die Panketalerin. Heute hätten zwei starten sollen: Babymassage und Rückbildung. Beide Kurse sind nun abgesagt. Jeannette Michael macht sich Gedanken, wie sie trotzdem mit den Müttern arbeiten kann. "Eine Notlösung wäre es, zu skypen", sagt sie. Skype ermöglicht Videokonferenzen via Internet. "Trotzdem ist es wichtig, so lange es geht, den persönlichen Kontakt aufrechtzuerhalten", findet die 46-Jährige.
Neue Formate kann sich auch Yvonn Schubert vorstellen. Die Hebamme aus Sydower Fließ bietet Kurse im Geburtshaus Eberswalde an und ist zudem am GLG Werner Forßmann Klinikum Eberswalde tätig. Auch ihre Kurse sind nun ausgesetzt. "Ich habe überlegt, eine Babymassage aufzunehmen und das Video an die Frauen in meinem Kurs zu schicken", erzählt sie. Ähnliches sei für die Rückbildung möglich. Ob die Krankenkassen für diese Leistungen zahlen, weiß sie nicht.

Atemtechniken aus dem Netz

Babymassage, Rückbildung – für Schwangere ist das Zukunftsmusik. Deutlich relevanter dürften für sie Geburtsvorbereitungskurse sein. In diesen Gruppenkursen lernen Frauen – oft mit dem Partner – unter anderem die Phasen der Geburt kennen. Sie werden mit unterschiedlichen Arten von Wehen vertraut gemacht und bekommen Atemtechniken an die Hand sowie Informationen über das Stillen und die Zeit im Wochenbett, die ersten Wochen nach der Entbindung. Klar ist: Frauen bringen, auch ohne so einen Kurs zu besuchen, Kinder auf die Welt. "Ich persönlich finde sie sehr wichtig", sagt Yvonn Schubert.
Nun fallen aber auch diese Kurse reihenweise aus. An der Elternschule "Haus Kugelrund" der Helios-Klinik Berlin-Buch werden einzelne Geburtsvorbereitungskurse über Skype stattfinden. Wichtige Inhalte werden aber auch in die Schwangerenvorsorge und in die Betreuung im Wochenbett einfließen müssen. Denn die Geburtsvorbereitungskurse mit jeder Schwangeren einzeln durchzuführen, sei zeitlich nicht möglich, meint Jana Jentsch.
Monatlich betreut die Hebamme aus Wandlitz zehn bis 15 Frauen. Sie setzt derzeit verstärkt auf telefonische Beratung. "Aber wenn das Kind drei, vier Tage alt ist, dann muss man hin", sagt sie. Die 52-Jährige mit Praxis in Panketal hält sich seit etwa zwei Wochen an verschärfte Hygienevorschriften des Berliner Hebammenverbandes. Sie trägt Mundschutz und Handschuhe und greift immer wieder zum Desinfektionsmittel. "Man darf nicht vergessen: Wir gehen oft von Frau zu Frau", erklärt sie.

Veränderte Besucherregelungen

Bei all der Ungewissheit, die eine Schwangerschaft ohnehin mit sich bringt, sehen Frauen sich zudem mit besonderen Vorkehrungen in den Krankenhäusern konfrontiert. So finden derzeit weder im Immanuel Klinikum Bernau noch im Helios Klinikum Berlin-Buch oder im GLG Werner Forßmann Klinikum Eberswalde Informationsveranstaltungen und Kreißsaalführungen für werdende Eltern statt. Das Kreißsaalteam aus Berlin-Buch plant derweil, einen Livechat auf Facebook und Instagram anzubieten.
Mit Stand Sonntag gilt im Helios Klinikum, dass Schwangere zur Geburt eine Person in den Kreißsaal mitnehmen dürfen. Die Begleitperson dürfe keine Erkältungssymptome aufweisen und müsse die Klinik nach der Geburt wieder verlassen, teilt Julia Talman von der Unternehmenskommunikation der Klinik mit. Anschließend dürfen Mutter und Kind einmal am Tag für eine Stunde von einer Person über 16 Jahren besucht werden. Auch ins Immanuel Klinikum Bernau dürfen Schwangere zur Entbindung von einem gesunden Angehörigen begleitet werden. Bei vorhandener Kapazität können Eltern und Kind weiterhin in einem Familienzimmer untergebracht werden. "Die Familie sollte gut vorbereitet ins Krankenhaus kommen, da es nicht möglich ist, dass die Begleitperson zwischendurch das Krankenhaus verlässt", informiert Jenny Jörgensen, zuständig für die Presse bei der Immanuel Albertinen Diakonie. Sollte eine Unterbringung im Familienzimmer nicht möglich oder gewünscht sein, soll die Begleitperson die Station nach Verlegung der Gebärenden aus dem Kreißsaal zeitnah verlassen. Zwischenzeitliche Besuche bis zur Entlassung von Mutter und Kind müssen auf ein Minimum reduziert werden. Im Werner Forßmann Klinikum Eberswalde werden Väter inzwischen aus den Kreißsälen ausgeschlossen. "Auf Anweisung der Gesundheitsbehörden sind Besuche von maximal täglich einer Stunde durch den Vater möglich", sagt Dr. Thomas Michel, Chefarzt der Frauenklinik.
Um die strikten Vorgaben zu umgehen, können Frauen ambulant entbinden, und das Krankenhaus wenige Stunden nach der Geburt verlassen. Yvonn Schubert hält Hausgeburten für die sicherste Variante, um sich vor Covid-19 zu schützen. Aus pragmatischen Gründen: Anwesend sind meist neben der Gebärenden nur die Hebamme und der Vater des Kindes. Wer jedoch mit dem Virus infiziert ist oder vermutet, infiziert zu sein, dem empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe bei Wehen eine Klinik aufzusuchen.