An diesem Wochenende darf noch einmal gespielt werden – dann geht es für den Amateur-Fußball in den Lockdown. Ist es sinnvoll, den Sport runter zu fahren? Und ist es nachvollziehbar, dieses erst nach diesem Wochenende zu tun? Wir haben uns beim Vorsitzenden des Fußballkreises Oberhavel/Barnim und bei Trainern der Landes-Teams umgehört, was sie zu den neuen Maßnahmen der Bundesregierung im Kampf gegen die Corona-Pandemie sagen.
„In den zurückliegenden 14 Tagen hat es sich immer mehr verdichtet, dass es für uns erst einmal nicht weitergehen wird“, sagt Michael Reichert, Vorsitzender des Fußballkreises Oberhavel/Barnim. Er wird mit seinem Funktionärsteam nun die „Was-wäre-wenn-Varianten“ durchspielen. „Noch sollten wir versuchen, keine Hektik aufkommen zu lassen. Wenn der Kreisfußball jetzt drei, vier Wochen aussetzt, ist das noch kein Drama. Theoretisch hätten wir nach aktuellem Stand den Dezember, um unsere Staffeln mit 16 Mannschaften weiter spielen und gegebenenfalls erste Nachholspiele in den anderen Spielklassen austragen zu lassen.“ Für die größeren Ligen, vor allem die aus dem Landesbereich, sei es hingegen „schon jetzt ein heftiges Problem, welches kaum in den Griff zu bekommen ist“.
Der Vorsitzende bezweifelt, dass die reine Sportausübung der ganz große Hotspot für die Ausbreitung des Coronavirus ist. „Das beläuft sich wohl eher auf das Davor und das Danach. Unsere Vereine haben sich bei der Einhaltung der Hygienekonzepte sehr gut verhalten.“

Freude auf das Derby zwischen Klosterfelde und Eberswalde getrübt

Im Landes-Fußball ist die Freude auf den anstehenden Spieltag getrübt. Union Klosterfelde gegen Preussen Eberswalde – ein Barnim-Derby in der Brandenburgliga, das normalerweise mit Spannung erwartet wird und viele Fans auf den Sportplatz an der Klosterfelder Mühlenstraße lockt. Kann man sich angesichts des drohenden Lockdowns darauf überhaupt noch freuen? „Es ist ja quasi wie ein Finale“, sagt Jan Hübner, Teammanager von Union Klosterfelde. „Man weiß ja nicht, ob es überhaupt noch einmal weiter geht, deshalb wollen wir natürlich das Spiel unbedingt gewinnen.“
Auch Hübner sieht das Sport-Verbot ab Montag kritisch. „Sport ist wichtig. Er stärkt unser Herz-Kreislaufsystem und unser jetzt besonders wichtiges Immunsystem. Zumindest das Training hätte man erlauben sollen“, findet Hübner, der vor allem das Sportverbot für Kinder und Jugendliche kritisiert. „In die Schule dürfen sie gehen, aber keinen Sport treiben. Das ist unlogisch.“
„Ich glaube, dass dieses Jahr nicht mehr weiter gespielt wird“, sagt der Co-Trainer des Klosterfelder Gegners Preussen Eberswalde, Steffen Sasse. „Und wenn wir jetzt vier Wochen lang auch nicht trainieren dürfen, können wir ja auch nicht einfach sofort wieder starten. Von daher ist das meiner Meinung nach unrealistisch.“ Dass dann die Saison zu Ende gespielt werden könne, hält er für schwierig. „Wenn wir frühstens im Februar oder März wieder anfangen können und dann noch die Spiele aus der Hinrunde nachholen müssen, wird es schwer.“ Den Mittwoch als Spieltag dazu zu nehmen, sei kaum umsetzbar. „Wir sind ja keine Profis. Da kann dann passieren, dass man alle Leute nicht immer zusammen bekommt.“

Trainer des FSV Bernau kritisiert Fehlen einer klaren Linie

Sasse hofft, dass es – sollte die Saison abgebrochen werden – diesmal eine andere Lösung gibt als im Frühjahr. „Dass die beiden ersten Teams aufsteigen und keiner absteigt, fand ich nicht gut. Dann sollte man die Saison lieber einfrieren und ganz neu starten.“
Auch der FSV Bernau verabschiedet sich mit einem Heimspiel in die neue Corona-Zwangspause. Um 14 Uhr empfängt man am Sonnabend in Rehberge den SV Zehdenick.
Trainer Matthias Schönknecht hat zwar Verständnis für den neuerlichen Lockdown, er kritisiert aber: „Für mich ist da keine klare Linie zu erkennen. Das nervt einfach.“ So auch die Regel, an diesem Wochenende noch zu spielen. „Da macht man sich schon so seine Gedanken. Am Samstag können wir uns nicht anstecken, am Montag aber schon? Das ist schon merkwürdig.“ Das Sportverbot allgemein hinterfragt auch er kritisch. „Wenn man den Leuten teilweise die Arbeit nimmt und dann auch noch den Sport – wo sollen die sich abreagieren? Es haben auch nicht alle einen Hause mit Garten. Daneben fehlen die sozialen Kontakte.“

Berliner Lösung auch für Brandenburg denkbar?

Ob die Saison beendet werden kann, da hat auch er seine Zweifel. „Im Kreis ist das vielleicht noch machbar. Aber in der Brandenburgliga mit den Fahrtstrecken, die wir da teilweise haben? Wie sollen denn die Lübbener am Mittwochabend pünktlich zum Beispiel in Klosterfelde erscheinen?“ Vielleicht sei da die Berliner Lösung besser. „Der Berliner Verband will ja nur die Hinrunde werten.  – also das am Ende jeder gegen jeden einmal gespielt hat.“
„Es passt einfach alles nicht zusammen“, kritisiert der Vorsitzende von Einheit Bernau, Olaf Skotnik. Sein Team reist am Samstag zum 1. FC Frankfurt. „Die Lage ist angeblich so hochdramatisch, dass wir den Sport runter fahren müssen, aber das dann erst am Montag? Das ist doch nicht nachzuvollziehen. Zumal Untersuchungen gezeigt haben, dass es für Spieler untereinander fast unmöglich ist, sich auf dem Spielfeld anzustecken.“ Mit einem Abbruch der Saison will sich Skotnik noch nicht beschäftigen. „Wir sollten die nächsten vier Wochen abwarten. Wir können ja auch nicht von Januar bis Sommer Däumchen drehen.“
Mehr zu Corona und den Folgen in Brandenburg und Berlin gibt es auf unserer Themenseite.

So handhaben andere Landesverbände die neuen Lockdown-Regeln


Spielbetrieb unterbrochen:
In den Landesverbänden Bremen, Hamburg, Rheinland, Saarland, Schleswig-Holstein, Südwest, Westfalen, Südbaden, Baden und Württemberg ist der Spielbetrieb entweder bereits komplett oder teilweise unterbrochen. In Bremen, Hamburg und Schleswig-Holstein findet an diesem Wochenende lediglich der Spieltag der Regionalliga Nord der Herren und Futsal Regionalliga Nord noch statt. Der Rest wird bereits an diesem Wochenende ausgesetzt. In Rheinland, Saarland, Südwest, Westfalen, Südbaden, Baden und Württemberg ist der komplette Pflichtspielbetrieb ab dem 29. Oktober unterbrochen. Dies betrifft sämtliche Spielklassen und Pokalwettbewerbe der Herren, Frauen, Jugend und Ü-Fußballs.

Spielbetrieb teilweise unterbrochen:
Niederrhein: Der Spielbetrieb ist nur im Stadtgebiet Duisburg ab sofort unterbrochen, läuft ansonsten unter strengen Hygieneregeln.
Niedersachsen: Regionalliga Herren und Futsal Regionalliga Nord wird am Wochenende noch gespielt, ansonsten ist lediglich im Emsland der Spielbetrieb von Kreisliga bis zur 4. Kreisklasse ausgesetzt. Der Re-Start soll erst nach der Winterpause erfolgen.

Spielbetrieb läuft mit Hygieneauflagen:
In Bayern, Berlin, Brandenburg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Mittelrhein, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen läuft der Spielbetrieb an diesem Wochenende noch unter strengen Hygieneregeln, ab Montag ist Schluss. In Einzelfällen kann es zu Spielabsagen kommen. In Bayern wurde für alle Vereine, die in einer Region mit einem Inzidenzwert ab 50 beheimatet sind oder die in solche Gebiete reisen, die Möglichkeit für Spielverlegungen geschaffen. (Quelle: Fußball.de)