Am 5. Juni 1990 war er für die SPD Landrat in Bernau geworden. "Es waren spannende Monate und letztlich erfolgreiche Jahre", erinnert er sich. Der Koalitionsvertrag zwischen SPD und CDU war damals tatsächlich ein Bierdeckel, auf dem die beiden wichtigsten Investitionsvorhaben vermerkt waren: ein Krankenhaus und ein Gymnasium für Bernau. Gegen alle Widerstände von Land und Bund setzte Friese die Neubauten durch. "Trotz der Hindernisse, die uns damals von allen Seiten in den Weg gelegt worden sind: Es waren meine schönsten Jahre. Damals konnte man noch etwas erreichen", erinnert er sich – und ist erstaunt, wie aufmerksam die Gymnasiasten ihm zuhören. "Mit so viel Interesse habe ich nicht gerechnet", freut sich der Landrat a.D.
In den vier Projekttagen, die anstrengend, aber auch ziemlich kreativ waren, haben die 15 Schüler des Barnim-Gymnasiums viel gelernt. Es ging um die Vorbereitung von Interviews, geschickt gestellte Fragen, die Atmosphäre beim Gespräch, um Schnitttechniken und auch um Musik. "Anfangs war es schon etwas schwer, aber dann hat es richtig Spaß gemacht", fand Maik. Man habe viele Möglichkeiten gehabt, sich mit dem Thema zu beschäftigen, ergänzte Moritz. Und Geschichtslehrerin Carola Woitas freute sich vor allem darüber, wie ihre Schüler "bei der Sache" waren.
Insgesamt hatten die Elftklässler vier Arbeiten erstellt. Neben dem früheren Landrat Friese, kam dabei auch Simone Krauskopf zu Wort. Im Video "Leben in der DDR" berichtete sie von ihren beruflichen Stationen  und der Party, auf der sie sich in einen westdeutschen Mann verliebte. Nach der Heirat 1988 wurde der Antrag auf Familienzusammenführung gestellt, neun Monate später durfte die junge Frau ausreisen. "Zwei Tage nach dem Mauerfall habe ich mich auf der Bornholmer Straße mit meinen Eltern getroffen", sagt Simone Krauskopf in dem Video.
Auch "Opa Peter", er erlebte zugleich den Bau des "antifaschistischen Schutzwalls" und ihren Fall, erzählte von seinem Leben im Sozialismus. Nicht alles sei schlecht gewesen, meinte der 80-Jährige. Man habe beispielsweise viel gelernt, auch die Schulbücher seien kostenlos gewesen. Zu den Demonstrationen vor dem Zusammenbruch der DDR wäre "Opa Peter", der auch als Schöffe tätig war, zwar gerne gegangen, als leitender Angestellter traute er sich aber dann doch nicht.
Süße Erinnerung zum Abschluss
Josephine und Vanessa  erzählten die Geschichte von Josephines Vater. 1975 geboren, lebte er einige Zeit in Magdeburg, bevor die Familie nach Berlin zog. Später wurde er Betriebsschlosser und irgendwann im Jahr 1989 ging es mit dem Auto auf Urlaubsreise nach Tschechien. Erst ganz langsam, so heißt es in der Animation, verstand der Vater, dass sie eigentlich auf der Flucht waren. Schließlich landeten alle im bayrischen Schöningen, "in einem schönen Vier-Bett-Zimmer".
Katharina und Miriam widmeten sich in ihrem Projekt vor allem der politischen Situation in den Wendejahren und gingen am Beispiel eines Onkels der Frage nach, wie sich diese auf den einzelnen Menschen auswirkte .
Zum Abschluss der Präsentation zauberte Lehrerin Carola Woitas noch eine süße Erinnerung an die DDR aus ihrer Tasche – für jeden Schüler gab es eine "Halloren-Kugel".

Das Projekt "momentmal"

Unter dem Leitsatz "Die Zeit von 1989/90 spielt in meiner Familie/meiner Region eine Rolle, weil..." hat der Beauftragte des Landes Brandenburg zur Aufarbeitung der Folgen der kommunistischen Diktatur  die Jugendlichen dazu aufgerufen, die Geschichte(n) von damals bei sich vor Ort aufzuspüren. Dabei sollen Erinnerungen von Zeitzeugen  aufgenommen und in einem mediengestützten Format, das kann ein Videoclip, ein Hörspiel, ein Podcast oder ein digitales Tagebuch sein, durch die Jugendlichen weitererzählt werden. Das Projekt ist eine Kooperation des Landesbeauftragten mit der Medienwerkstatt Potsdam. au