Für die Bundes- und Landesstraßen beispielsweise nicht, denn die räumt die Straßenmeisterei. Einen Teil der insgesamt 170 Straßen in Trägerschaft der Stadt räumt eine Fremdfirma. Und für die Gehwege vor privaten Grundstücken sind die Hausbesitzer selber verantwortlich. „Für die Leute ist aber immer die Stadt schuld. Egal, um was es geht“, berichtet er. „Oft meckern die Leute auch, dass wir, wenn wir den Weg vor einem städtischen Grundstück schieben, nicht einfach das Schild unten lassen und das nächste auch noch räumen. Aber dann sind wir irgendwann nur noch damit beschäftigt“, erklärt Bauhof-Meister Edwin Heldt.
350 Tonnen Sand haben die Mitarbeiter bereits verbraucht. „Früher sind wir mit der doppelten Menge durch den ganzen Winter gekommen. Der vergangene Winter war schon hart, da haben wir die 1000-Tonnen-Marke geknackt. In diesem Jahr werden wir, wenn das so weiter geht, das noch überschreiten“, ist Heldt überzeugt.
Danny Ebel füllt derweil im Hof seinen Multicar mit Sand. Seit 2.45 Uhr ist er auf den Beinen, hat schon unzählige „Karten“ abgefahren. Auf diesen sind die verschiedenen Routen notiert, die die städtischen Räumfahrzeuge nehmen.
Dringlichkeitsstufe 1 bekommen viel befahrene Straßen und Schulwege, die als erstes geräumt werden müssen. „Früh morgens hat man noch Platz und kommt gut voran. Ab 5 Uhr beginnt der Berufsverkehr, da müssen die wichtigen Straßen geräumt sein.“ Der 27-jährige Biesenthaler startet der Multicar und fährt los. Die Schaufel vorne schiebt den Schnee beiseite, hinten wird der Sand halbkreisförmig aus dem Trichter versprüht.
Auf seinen Touren muss sich Danny Ebel viel anhören, bekommt oft den geballten Frust schneegeplagter Menschen ab. Von erhobenem Stinkefinger über missbilligende Blicke bis zu Passanten, die sogar die Tür seines Fahrzeuges öffnen und ihn beschimpfen, hat er schon alles erlebt. Er versuche immer, freundlich zu bleiben, sagt der junge Mann, der seit drei Jahren für den Bauhof arbeitet. „Im Sommer sind wir die Faulen, im Winter räumen wir nicht anständig. Das ist halt so. Diskutieren bringt nicht viel.“ Zum Teil könne er die Menschen verstehen. „Wenn wir hier räumen, unseren Sand streuen und es schneit, dann sieht man gar nicht, dass wir da schon gefahren sind.“ Viele würden sich auch beschweren, der Bauhof sei mit viel zu kleinen Fahrzeugen unterwegs. „Aber mit größeren würden wir in den kleinen Straßen der Innenstadt gar nicht durchkommen“, weiß der 27-Jährige. Wie viele Mitarbeiter im Bauhof ärgert ihn jedoch, dass nur Sand und kein Salz zum Streuen zur Verfügung steht. Er nennt als Beispiel die Breitscheidstraße. „Da haben wir heute schon sechsmal gestreut. Trotzdem ist dort eben ein Unfall passiert, weil die Straße spiegelglatt ist. Der Schnee ist so festgefahren, da hilft unser Sand nicht viel“, erklärt er.
Jede Kommune kann selbst festlegen, was sie auf ihre Straßen streut. Aus Umweltschutzgründen hatten die Bernauer Stadtverordneten beschlossen, gänzlich auf Salz zu verzichten. Das verwendet nur die Straßenmeisterei. „Es muss ja auch nicht überall Salz gestreut werden“, sagt Danny Ebel, „aber wir wissen ganz genau, wo die gefährlichen Stellen sind und da wäre es schon angebracht.“
Die Schicht von Danny Ebel ist um 12.45 Uhr beendet, dann übernimmt die Spätschicht. Der 27-Jährige macht seinen Job trotz allem gerne. „Nur wenn man weiß, dass die Mitarbeiter den ganzen Tag ackern, um alles in den Griff zu bekommen und dann rufen die Leute an und sagen: ,Ihr macht ja gar nichts‘, das ist schon frustrierend“, findet sein Chef.
16 Arbeiter in zwei Schichten. Fünf Multicars und drei Kleintraktoren. 350 Tonnen Sand in nur drei Wochen. Einsatzzeiten von 4 bis 22 Uhr, am Wochenende von 6 bis 20 Uhr. Der Bernauer Bauhof ist derzeit in voller Stärke im Einsatz, um Schnee und Glätte auf 60 Kilometern städtischen Straßen, Rad- und Gehwegen sowie Parkplätzen zu beseitigen. Daneben bekommen es die Mitarbeiter immer wieder mit nörgelnden Passanten, unvorsichtigen Autofahrern und einer Entscheidung der Stadt zu tun, die ihnen das Leben schwer macht: Auf „ihren“ Straßen dürfen sie kein Salz streuen.