"Die ist aber nicht aus Guinea, sondern von Äquatorial-Guinea!". Mit Kennerblick hat Holger Michel dies sofort beim Rundgang durch die neue Ausstellung des Artistenmuseums entdeckt. "Artistik und Zirkuskunst auf Briefmarken und Medaillen" lautet der Titel der Ausstellung.
Eröffnet wurde die Schau am Sonnabend durch die Berliner Staatssekretärin für Finanzen Margarete Sudhof. Und die Ausstellung lockte viele an. Familie Michel war aus Wandlitz hergeradelt, um sich endlich einmal das Museum anzuschauen, vor allem aber, um die Sonderstempel und Schmuckumschläge, die anlässlich der Ausstellung herausgegeben worden waren, zu erwerben.
Während Museumschef Roland Weise der Staatssekretärin und anderen Besuchern die neue Ausstellung präsentierte, fanden sich bereits eingefleischte Philatelisten. Fachpublizist Dietmar Winkler und Holger Michel waren in ihrem Gespräch über Briefmarken, Sonderbriefe und Stempel sofort auf einer Wellenlänge. Man fachsimpelte von sogenannten Sperrwerten, die man selbst als Philatelist in der DDR nur mit Sammler-Ausweis bei der Post bekam. Oder von Marken-Sätzen, Zusammendrucken, Fehldrucken, postfrischen oder gestempelten Marken und Ersttagsbriefen.
Fachleute erkennen sich na-türlich sofort. Insofern ist die Ausstellung etwas "ganz Spezielles" für einen Sammler. Denn Artistenmotive auf Briefmarken gibt es erst seit den 1960er-Jahren.
Während der Wandlitzer Holger Michel seit seiner Kindheit Briefmarken sammelt, ist Dietmar Winkler, der gemeinsam mit Ehefrau Gisela eine Tafel der Ausstellung angefertigt hatte, als ehemaliger Pressechef beim Staatszirkus der DDR mit für die Gestaltung von Motiven auf den kleinen bunten Marken zuständig gewesen. Sie wurden aufgrund von bestimmten Anlässen oder Gastspielen herausgegeben.
"Das Kuriose an unseren Sonderstempeln und Schmuckumschlägen von Klosterfelde ist", erklärte Roland Weise den Besuchern schmunzelnd, "dass Klosterfelde ja seit fünf Jahren gar kein Postamt mehr hat."
Auf den Schautafeln an den Wänden des Museums finden sich Zirkusmotive der ganzen Welt wieder. Vertreten sind unter anderem die Schweiz, Serbien, Südarabien, Schweden, Sierra Leone, Spanien, Mikronesien, das Fürstentum Monaco oder auch China und die Mongolei. Auf einer Tafel sind ausschließlich die Motive zweier DDR-Serien aus den Jahren 1978 und 1985 zu sehen. Sie zeigen die Eisbären-Dompteurin Ursula Böttcher, Raubtiere, Elefanten und Akrobaten.
"Das ist schon eine enorme Arbeit, so etwas zusammenzustellen", wertet Holger Michel die Ausstellung aus, die Museumschef Weise auf beeindruckende Art dokumentiert hat. Selbst musste sich der 68-jährige Michel in der eigenen Sammelleidenschaft "begrenzen", wie er es nennt. "Jeder hat ja seine Spezifik, ich favorisierte immer Russland. Das Schöne beim Briefmarken-Sammeln ist, dass man sich auch mit der Historie beschäftigt und so viel Interessantes erfahren kann.
Die Ausstellung im Artisten-Museum Klosterfelde ist noch bis zum 23. Oktober zu besichtigen.