1250 Hektar Acker- und 120 Hektar Grünland befinden sich im Barnim im Besitz evangelischer Gemeinden. Damit gehört die Kirche zu den Großen unter den Landbesitzern. In der Regel werden die Äcker und Wiesen zur Bewirtschaftung verpachtet. Auf 135 solcher Pachtverträge kommen die Kirchengemeinden zurzeit. Nach welchen Kriterien diese allerdings abgeschlossen werden, liegt in der Verantwortung der ehrenamtlichen Gemeindekirchenräte und die fühlen sich nicht selten damit überfordert. Darum wissend, hat die Evangelische Landeskirche Berlin-Brandenburg-Schlesische Oberlausitz (EKBO) eine Broschüre mit Hinweisen und Empfehlungen zur Verpachtung landwirtschaftlicher Nutzflächen für die Gemeindekirchenräte herausgegeben. Darin heißt es beispielsweise, dass bei der Vergabe landwirtschaftlicher Flächen die besondere Situation ökologisch arbeitender Betriebe und Landwirte zu berücksichtigen sei. Bis 2025 sollen 25 Prozent aller neu verpachteten Flächen an sie gehen, bis 2050 sogar 50 Prozent." Dies soll geschehen, da ökologisch arbeitende Betriebe gentechnikfrei wirtschaften sowie einen Beitrag zum Klimaschutz und zur Bekämpfung des Welthungers leisten. Außerdem setzen sie sich für artgerechte Tierhaltung und für die Vermeidung von Agrarchemieeinträgen in die Böden ein", heißt es in der Handreichung der EKBO.
"Woran wir glauben, können wir nach außen symbolisieren - auch durch unsere Pachtverträge", ist Groß Schönebecks neue Pfarrerin Sabine Müller überzeugt. "Wer den Boden hat, hat die Macht - und die Existenz derer, die ihn bewirtschaften, in der Hand", sagt Biolandwirt Carlo Horn aus dem Oderbruch, der in seinem Gastreferat unter anderem zu den Gefahren und Risiken der gegenwärtigen Landwirtschaft spricht. Hans Georg Baaske, Leiter des Umweltbüros der EKBO, fordert eine "ehrfürchtige Haltung zum Eigenwert der menschlichen Schöpfung, sonst sind auch wir Christen schuldig an der katastrophalen Ausbeutung von Land, Tier und Mensch", warnt er.
Der Mitautor der Broschüre, weiß, dass die Gemeindekirchenräte bei der Vergabe von Ackerland reichlich in Konflikt kommen können. Auf der einen Seite werden die erzielten Miet- und Pachteinnahmen für die kirchliche Arbeit benötigt, damit die Gemeinde ihr Auskommen hat. Auf der anderen Seite geht es um die Bewahrung der Schöpfung und damit um eine nachhaltige, schonende Bewirtschaftung. Damit verbietet sich die Zuschlagserteilung an den Meistbietenden fast schon von allein.
Hans-Georg Baaske gibt den Teilnehmern der Synode Tipps. "Sie müssen wissen, wo die Pachtflächen sind und wie sie beschaffen sind. Sehen Sie sich an, wie sie bewirtschaftet werden. Und berücksichtigen Sie soziale und ökonomische Kriterien bei der Vergabe", rät er. Das Interesse an Kirchenpachtland sei deutlich größer und vielschichtiger geworden, weiß der Leiter des EKBO-Umweltbüros.
In vier Gruppen diskutieren die Synodalen anschließend weiter. Hans-Peter Ende von der Stadtkirchengemeinde Eberswalde fragt die Teilnehmer in Gruppe 3, wie viel Ackerland ihre Gemeinden besitzen? Im Pfarrsprengel Biesenthal variiert die Größe zwischen 20 und 80 Hektar, sagt Pfarrer Christoph Brust. Sein Amtskollege Thomas Berg aus Lunow nennt die Zahl 250 Hektar. Heckelberg, Leuenberg und Breydin bringen es zusammen auf etwa 100 Hektar Kirchenland.
In der Regel haben die Kirchengemeinden ihr Land für eine Dauer von zwölf Jahren verpachtet. Eine solche Laufzeit mache Sinn, sagt Rainer Dieckmann von der Schorfheider Agrar-GmbH (SAG)in Groß Schönebeck. "Man muss ja auch planen können". Seit Betrieb hat insgesamt 57 Hektar Kirchenland gepachtet - und bislang gute Erfahrungen damit gemacht, obwohl die SAG auf konventionelle Landwirtschaft setzt. Margot Ziebarth aus Zerpenschleuse lobt: "Ich möchte keinen anderen Betrieb im Ort haben". Selbst Bio-Landwirt Ludwig Seeger aus Börnicke sagt: "Entscheidend ist, sich den Betrieb und die Betriebsstruktur anzusehen. Es geht nicht um Bio oder konventionell, sondern um die Frage, wie geht der Landwirt mit der Schöpfung um".