Es herrscht frühzeitig Gedränge im Keller des Immanuel Klinikums Bernau, dabei zeigt die Uhr gerade 9.30 Uhr an. Nicht wenige Bernauer Familien dürften um diese Zeit noch bequem beim verlängerten Frühstück sitzen, frische Brötchen mit Marmelade garnieren, Zucker in den Kaffee rühren oder beherzt zum Kuchen greifen. Manchem der 120 Besucher des Diabetikertages würde dies sicher auch gefallen, aber aus Rücksicht auf die Erkrankung setzen sie zwangläufig auf Vollkorn statt Weizenmehl, auf Obst und Gemüse statt zuckerreichem Kuchen. "Die Ernährungsberatung gehört unweigerlich zur Diabetesbehandlung dazu", weiß Nicole Jonas, eine der beiden Diabetesberaterinnen am Bernauer Klinikum.
Schnell zeigt sich im Gespräch mit der Fachfrau, die Ernährungsumstellung auf Vollkorn und ballaststoffreiche Nahrung ist nur ein Teil der Behandlung, die Diabetiker nicht auf die leichte Schulter nehmen sollten. "Drei wichtige Handlungsfelder empfehlen wir den Patienten. Oft muss das Gewicht reduziert werden, dann sind stärkere körperliche Aktivitäten nötig und die Ernährung sollte umgestellt werden", fasst Nicole Jonas ihre Ratschläge zusammen.
Monatlich führen die beiden Diabetes-Beraterinnen etwa 200 Gespräche auf den Stationen des Krankenhauses. "Im Bereich der Kardiologie und Herzchirurgie dürfte jeder vierte Patient an Diabetes leiden", schätzt Birgit Pilz, Pflegedienstleiterin im Immanuel Klinikum, ein. Diabetes gehört zu den Stoffwechselkrankheiten und daher kann es beispielsweise nach großen Operationen zu Problemen bei der Wundheilung führen. "Schon vor Jahren haben wir uns entschieden, extra zum Thema Diabetes zwei Fachberater einzustellen", begründet die Pflegedienstleiterin.
Sara Grosser und Nadine Kümmerling von der Bernauer Adler-Apotheke sind neben anderen Fachanbietern der kleinen Ausstellung indes damit befasst, den so genannten Body Mass Index (BMI) zu berechnen. Aus dem Lebensalter, der Größe, dem Gewicht und dem Geschlecht errechnet sich der BMI, der aussagt, wo genau das Gewicht zwischen Untergewicht und massiver Adipositas rangiert. "Viele Patienten sind mindestens leicht übergewichtig", gibt Nadine Kümmerling zu bedenken. Widerspruch erntet sie dafür von Christa Tiska aus Bernau. Die 74-Jährige leidet seit 1984 an Diabetes. "Bei unserer Familie haben immer die ältesten Schwestern den Diabetes geerbt. Meine Mutter, dann ich, das ist leider so." Dabei lebt die aktive Seniorin seit Jahrzehnten gesund, sie liebt das Wandern und Radfahren, bewegt sich auch sonst viel und ernährt sich sehr bewusst. "Es ist falsch, immer nur zu sagen, die Leute sind zu dick, essen falsch oder bewegen sich zu wenig", stellt Christa Tiska aufgrund ihrer Erfahrungen fest. Pflegedienstleiterin Birgit Pilz warnt sogar vor Vorurteilen. "Diabetes zieht sich durch alle Lebenslagen. Es wäre falsch, die Krankheit nur auf ältere Semester zu reduzieren", sagt sie.
Uta Weiß, zweite Vorsitzende im Deutschen Diabetiker Bund, Landesverband Brandenburg, hat zum Diabetikertag neue Zahlen mitgebracht. Demnach erkranken jährlich 270 000 Bürger neu an Diabetes. Deutschlandweit wird die Zahl der Diabetiker auf acht Millionen Menschen geschätzt. Zudem lobte Uta Weiß den Bernauer Kulturdezernenten Eckhard Illge. Nachdem die Miete für die Selbsthilfegruppe Diabetes im Treff 23 zum Jahresanfang fast verdoppelt wurde, hatte Illge mit seinem Fonds ausgeholfen und für dieses Jahr die Treffen sichergestellt.