Weder in diesem noch im kommenden Jahr wird im Landkreis Barnim Geld für den Neubau einer Asylunterkunft investiert. Dies bestätigte die für Jugend, Gesundheit und Soziales zuständige kommissarische Dezernentin Yvonne Dankert der MOZ. Demnach gibt es folglich auch keine Absichten, ein Asylbewerberheim in Bernau Waldfrieden zu errichten. Entsprechende Gerüchte hatten in der Hussitenstadt die Runde gemacht. „Wir haben ganz klar ein Unterbringungsproblem, das sich weiter verschärfen wird. Aber aktuell setzen wir eher auf die Verständigung mit den Gemeinden, Wohnungen für Asylbewerber mit Bleibeperspektive zur Verfügung zu stellen“, reagiert Dankert.

Bernau soll 20 Wohnungen stellen

Demnach sei der Landkreis konkret mit Bernau seit eineinhalb Jahren in Verhandlungen, bis 2022 mindestens 20 weitere Wohnungen zur Verfügung zu stellen. „Beim Amt Britz-Chorin-Oderberg liebäugeln wir mit fünf bis sieben Wohnungen“, bestätigt Kerstin Falke, die das Grundsicherungsamt leitet. Panketal und Ahrensfelde, dies sei mittlerweile deutlich geworden, hätten wegen der absoluten Berlinnähe und des Siedlungsdrucks langfristig keine Möglichkeiten, bezahlbare Wohnungen zur Verfügung zu stellen. Für Wandlitz hätte der Kreis sich den Zugriff auf ein oder zwei kommunale Wohnungen in den Basdorfer Gärten erhofft, allerdings sei der Wunsch nicht berücksichtigt worden. In Eberswalde gebe es bereits ein großes Angebot an Wohnungen, damit stehe die Kreisstadt insgesamt bestens da. Schlechte Aussichten gebe es eher für die ländlichen Regionen Joachimsthal und Schorfheide, zumal bei den Asylbewerbern der Wunsch bestehe, möglichst in Städten oder in deren Nähe zu wohnen. „Ziel unserer Bemühungen ist es, Integration zu ermöglichen. Deshalb favorisieren wir keine neuen Heime. Wir würden es eher gern sehen, wenn durch Kita und Schule geknüpfte Sozialverbindungen mit dem neuen Wohnort fortgesetzt werden könnten“, so Yvonne Dankert. Schätzungsweise zwischen vier bis fünf Millionen Euro würde der Neubau eines Heimes kosten.

Überall an der Schmerzgrenze

Wie die Dezernentin sagt, würden die Kapazitäten zur Unterbringung von Asylbewerbern derzeit gerade noch ausreichen. Von den 1596 Plätzen befinden sich 715 Plätze in Übergangsheimen, 625 Plätze in einem Wohnverbund und weitere 256 Plätze in Wohnungen. 1001 Menschen fallen demnach unter das Asylbewerber-Leistungsgesetz, weitere 300 beziehen Leistungen nach den Bestimmungen des Sozialgesetzbuches II, also auf Hartz IV- und Grundsicherungsniveau.

Sechs Asylbewerber abgeschoben

Bis zum Ende September nahm der Landkreis 227 Asylbewerber plus weitere 19, sogenannte Kontingentflüchtlinge auf. Das seien Asylbewerber und Spätaussiedler, die sofort in den Hartz IV-Bezug fallen. 87 freie Unterbringungsplätze gebe es derzeit. „Wir sind überall an der Schmerzgrenze“, bestätigt daher Kerstin Falke, zumal sie steigende Sollzahlen befürchtet. Wegen der Corona-Krise lag die vom Land vorgegebene Aufnahmezahl in diesem Jahr bei 386 Asylbewerbern. Ab 2021 stehen möglicherweise 450 Asylbewerber in Rede. „Natürlich bereiten wir uns auf einen Notfall vor, und würden dann auch eine Lösung  finden. Aber immer im Gespräch mit den Kommunen und natürlich auch mit den Anwohnern, bevor es konkret wird“, macht Kerstin Falke klar.
Sechs Barnimer Asylbewerber wurden seit Januar abgeschoben, zehn weitere gingen freiwillig. Die Bilanz im Monat August stellt sich folgendermaßen dar: Von 1146 Asylbewerbern hielten sich 487 mit Duldung hier auf, weitere 596 wären ausreisepflichtig. Sichere Herkunftsländer sind derzeit nur Syrien und Eritrea. Das Land zahlt jährlich elf Millionen Euro für die Leistungen.