"Gerade in der heutigen Zeit gehört Toleranz dazu", sagt Claus-Wilhelm Kay. "Man kann viele Dinge mit Vernunft klären und muss nicht in Streit geraten." Der 69-Jährige aus Strausberg begleitet Charlotte Henze, die mit 88 Jahren die älteste Teilnehmerin der Tour ist. Fast jedes Jahr sind die beiden mit dabei.
513238
Dass Bernau als Ausrichter für die Jubiläumstour nach Oranienburg angefragt worden war, darüber freut sich Bürgermeister André Stahl (Linke). "Bernau ist weltoffen und das dokumentieren wir auch gern nach außen." Wenige Meter entfernt steigt der Stadtverordnete Daniel Sauer (CDU) auf sein Rad. Er nutzt die Chance, die der Start in Bernau bietet: "Ich wollte schon immer einmal mitfahren und heute mache ich es wahr. Die Botschaft steht im Mittelpunkt."
"Man kann nicht nur reden, man muss auch etwas tun." Das ist für Klaus Schöntaube aus Wollenberg bei Bad Freienwalde entscheidend. Der 71-Jährige gehört zu den regelmäßigen Teilnehmern der Tour de Tolérance. Dass sich Engagement und Spaß nicht ausschließen, bewies er, in dem er mit seinem umgebauten Fahrrad-Trike an den Start ging, einem Unikat. 40 bis 50 Stundenkilometer kann er damit erreichen, sagt er und fügt hinzu: "Bei Rückenwind und auf dem Deich." Auch sonst ist er auf dem Rad aktiv. Am kommenden Sonnabend beispielsweise bei einer Demonstration für einen Radweg von Bad Freienwalde nach Falkenberg.
In diesem Jahr folgt die erste Station schon nach vergleichsweise wenigen Kilometern. Ein kurzer Halt am Übergangswohnheim in der ehemaligen Waldarbeiterschule in Waldfrieden steht an. Von Bewohnern und der Heimleitung wurde eine kleine Erfrischung und Obst gereicht. Dass der Aufenthalt etwas länger dauert als geplant, störte niemanden. Im Gegenteil, gibt es doch Gelegenheit, sich über die Einrichtung zu informieren, Fragen zu stellen. "Man kann sich überzeugen, dass die Bewohner hier ganz normal leben", sagt Kreisdezernentin Silvia Ulonska. Und die Flüchtlinge haben sich sehr gefreut, die Erfrischung vorzubereiten: "Für sie ist dies eine Ehre."
Seit Jahren fahren Sabine und Uwe Zimmermann aus Panketal mit. Sie würden sich jedoch wünschen, dass das Tempo gedrosselt wird. "Das wäre familienfreundlicher, dann könnten auch Kinder mitfahren", sagen sie und erinnern an Fahrten mit bis zu tausend und mehr Teilnehmern. Ines und Robby Fechner aus Panketal haben sich spontan entschieden, an der Tour teilzunehmen. Sie ist das erste Mal dabei. "Wenn die Strecke zu lang wird, kann man ja auch aussteigen."
Großes Lob ernteten die Polizei und das Organisationsteam um Bodo Böhlemann, der von der ersten Tour an diese Aufgabe übernommen hat, so wie auch die Barnimer Sparkasse die Tour von Anbeginn an unterstützt. Unter den Ordnern sind viele Polizeischüler und Mitglieder der Gewerkschaft der Polizei, die für ihre Aufgabe ihre Freizeit einsetzen.
Das erste Mal mit dabei sind Doris und Nadine Brauner aus Elisenau. "Die Gemeinschaft ist ganz toll und man kann nette Leute kennenlernen", stellen sie fest. Einer der auffälligsten Teilnehmer ist Andreas Schmack aus Panketal: Als Einrad-Fahrer überragt er alle anderen. Seine Kinder animierten ihn vor Jahren zum Einradfahren. Und das hat auch seinen Vorteil: "Am Berg bin ich schneller", sagt er.