Es ist der der Alptraum aller Eltern. Am Ende des Einkaufs im Supermarkt wirft sich das Kind auf den Boden und trommelt mit den Fäusten. Was man tun kann, wenn Kinder „trotzen“, erfuhren interessierte Mütter und Väter kürzlich auf dem Seminar „Kleine Kinder sind wie Neandertaler.“ Der Elterntrainer und Spieltherapeut Birger Holz führte durch den Abend, der vom Netzwerk Gesunde Kinder Barnim Süd veranstaltet wurde.
„Die Trotzphase heißt eigentlich Autonomiephase“, erklärte Holz den Teilnehmern. Sie beginnt mit etwa 18 Monaten und kann bis zum fünften Lebensjahr andauern. In dieser Zeit entdeckt das Kind sich selbst. Ein einfaches Mittel zum testen: Wenn das Kind einen Klacks Creme auf der Nasenspitze vor dem Spiegel entdeckt und wegwischen kann, befindet es sich in der Autonomiephase. Das Gehirn entwickelt sich und ist auf Lernen eingestellt. „Während der Phase sollte man das Kind behandeln wie einen kleinen Neandertaler“, empfiehlt Holz. Im Prinzip ist damit gemeint, das Kind als stark lernendes Wesen zu begreifen und ihm für diesen Prozess genügend Zeit einzuräumen. Dazu zähle auch, darauf weist der Elterntrainer besonders hin, Begriffe mehrmals zu wiederholen. Das Gehirn des Kindes benötigt durchaus etwa 30 Anläufe, um eine Beobachtung zu verarbeiten. Der Aufwand lohne sich dem Kind zu Liebe, auch wenn es Kraft und Nerven kostet.
Wichtig zu wissen sei auch, dass Kinder den Stress von Eltern spüren. Gleichzeitig fühlen sie sich von einem langgezogenen „Neeein“ aus dem Elternmund eher angeregt, als gebremst. Wirksamer sei es, dass Kind beim Namen anzureden und ihm zu sagen, dass man etwas nicht möchte. Konditionieren ließen sich Kinder aber nicht, warnte Holz. Wenn ein Kind aus Sicht der Eltern falsch handelt, etwa weil die Situation gefährlich werden könnte, sollte man binnen zweieinhalb Minuten reagieren. So lange merkt sich das Kind eine Handlung.
Auf lange Sicht ungeeignet sind Holz zu Folge Belohnungen. Denn so würde das Kind lernen, nur auf Anreiz und nicht aus eigenem Antrieb heraus zu handeln. Wenn möglich sollten Eltern darauf achten,  eine Beziehung aufzubauen, statt rein auf Erziehung zu setzen. Denn letztlich würden Kinder das Verhalten ihrer Eltern weitestgehend kopieren.