Junge Eltern haben es nicht immer leicht. Diese Erfahrung macht derzeit auch die 28-jährige Sandra aus Werneuchen, die ihren kompletten Namen nicht in der Zeitung lesen will.  Fast neun Monate ist ihr kleiner Racker jetzt alt, im März wird er ein Jahr alt. Ziel der jungen Mutter und ihres Mannes ist es, dass der Kleine dann in die Kita geht – und sie ihren Beruf wieder aufnehmen kann. "Wir haben vor Kurzen gebaut und sind auf das Geld angewiesen", sagt sie. Doch die jungen Eltern haben ein Problem: den Kitaplatz. Sie stehen zwar auf einigen Listen, wissen aber nicht, ob es was wird. Zumal es schwierig ist, im März einen Platz zu bekommen, denn eigentlich startet das neue Kita-Jahr erst im August. Was also tun?
Auch das Jugendamt berät
Sorgen wie diese hört Susanne Gast oft. Sie ist Beauftragte für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt des Jobcenters Barnim und ist vor Kurzem einer Einladung des Kinder- und Familienzentrums "Regenbogen" der Bernauer Awo gefolgt, um junge Mütter zu beraten. Im Mittelpunkt stand das Thema: "Was tun nach der Elternzeit?"
"Unser Ziel ist es, dass niemand nach der Elternzeit kündigt oder gekündigt wird", betont Susanne Gast. Sollte ein Wiedereinstieg im aktuellen Job nicht möglich oder gewünscht sein, dann helfe man auch bei der Umorientierung.
Im Falle von Sandra, der Mama aus Werneuchen, hatte Susanne Gast direkt einen Tipp parat: "Einmal im Jugendamt nachfragen. Es gibt Modelle, um die Elternzeit zu verlängern." Eine andere Option sei, sollte kein Kita-Platz frei werden, auf eine Tagesmutter auszuweichen. Eine Liste aller Kinderbetreuerinnen gibt es auf der Internetseite des Landkreises. Außerdem empfiehlt Susanne Gast, sich ruhig bei drei oder vier Kitas anzumelden. Hauptsache, man stehe auf der Warteliste. "Das ist wichtig."
Paulina McInturff, die Koordinatorin des Eltern-Kind-Zentrums der Awo, berichtet, dass das Thema Kita-Platz häufig aufkommen würde. "Eigentlich wollen sich die Eltern aufs Kind konzentrieren, können das aber nicht immer – das ist schade." Selbst, wer einen Platz sicher habe, kämpfe zum Teil mit Tücken, zum Beispiel, wenn es um Schließzeiten oder zu kurze Öffnungszeiten gehe. "Bei vielen arbeiten auch die Großeltern noch, dann sind sie besonders aufgeschmissen." Ein Ausweg bietet sich meist nur denjenigen, die einen Bürojob haben. Dann besteht die Chance, aufs "Home-Office" auszuweichen. Und das sollte man auch wahrnehmen, rät Susanne Gast vom Jobcenter. "Das Thema Telearbeit sollte jeder im Hinterkopf haben und gegenüber seinem Arbeitgeber kommunizieren." Das gelte besonders für Pendler. "So bleibt mehr Zeit für die Familie."
Eine andere Mutter, die ebenfalls zu der Gesprächsrunde gekommen ist, will sich gern umorientieren. Sie hat vor einem halben Jahr ihr drittes Kind bekommen und bislang in einer sozialen Einrichtung in leitender Position gearbeitet. "Ich habe Angst, dass mich der Job zu sehr in Anspruch nimmt", erzählt sie. Und da ihr Arbeitgeber von der Idee, nach dem Ende der Elternzeit mit der Stundenzahl auf 30 pro Woche herunter zu gehen, nicht begeistert war, liebäugelt sie nun mit einem Berufswechsel – in Richtung Erzieherin. Ein Wunsch, den Susanne Gast vom Jobcenter häufiger hört. "Viele wollen in den Erzieherbereich, da gibt es verschiedene Modelle." Eine Möglichkeit sei, direkt in einer Kita einzusteigen und sich berufsbegleitend ausbilden zu lassen. Das würden viele so machen.