So erzählte Ortschronistin Gertrud Poppe von den frühen Jahren des Biesenthaler Bahnhofs, der 1843 als Haltepunkt auf der Strecke Berlin-Stettin eingerichtet wurde. Wieso der Bahnhof so weit vom Stadtzentrum entfernt liegt, weiß Poppe genau: "Die Bahn drängte auf gerade Strecken." So könne man noch heute von Biesenthal nach Danewitz, von Danewitz nach Rüdnitz und von Rüdnitz nach Bernau sehen.
2005 stand der Bahnhof zum Verkauf, erzählte Heribert Rustige weiter. Zusammen mit einigen Freunden entstand auf einer Geburtstagsfeier die Idee, den Bahnhof zu kaufen und Kultur hinein zu bringen. Aus der Bierlaune wurde schließlich ernst. Ein Verein wurde gegründet und der Bahnhof wurde Anfang November 2005 gekauft.
In den vergangenen zehn Jahren wuchs nicht nur der Verein von zehn auf 68 Mitglieder. Auch die Veranstaltungen wurden immer häufiger und besser. Parallel mauserte sich das Gebäude mithilfe des Vereins und zahlreicher Spenden- und Fördergelder zu einem repräsentativen Haus. Neue Projekte stehen schon in der Warteschleife, berichtete Rustige: Der Innenausbau mit Behinderten-WC, dem Saalfußboden und einer Bühne ist in Planung.
Nach einem Geburtstagsständchen im Wunderkerzenschein ging es zum kulinarischen Teil des Abends über. Das reichhaltige Büfett bot neben Kürbissuppe und Salat auch Gelegenheit für fröhliche Gespräche. An den Wänden konnte man auf den zehn Zeittafeln von Gertrud Poppe die 700-jährige Geschichte Biesenthals nachlesen. Es wurden Fotos und Filme von Akrobatik-Workshops und anderen früheren Veranstaltungen des Kulturbahnhofs gezeigt. Das rege Treiben spitzte sich schließlich zu, als die Band Dr. Bajan mit ihrer kaum beschreibbaren Musik startete. Russischer Kasatschok, Rock, Ska, Klezmer und Jazz sind nur einige Nuancen, die man raushören konnte. Die Band lud die Geburtstagsgäste zum Tanzen ein - und die ließen sich nicht lange bitten.