Für mindestens eine und bis zu drei Wochen kommen junge Menschen zusammen und blicken hinter die Kulissen der magischen Zirkuswelt. Am Ende jeder Woche stehen sie gemeinsam als Artisten im Scheinwerferlicht in der Manege.
Lange blieb ungewiss, ob und wie das diesjährige Zirkuscamp stattfinden kann. Vier verschiedene Hygienekonzepte habe man den Behörden vorgelegt, erzählt Campleiter Dustin Jonas. Der 31-Jährige ist von Anfang an als Kopf dabei. "Manchmal ärgere ich mich, dass ich das Teilnehmerfeeling nicht kenne", erzählt er lachend. Zirkus? Das ist nicht meins, habe er anfangs gedacht. Schnell wichen seine Zweifel der Erkenntnis: "Der Zirkus ist nicht das Entscheidende. Es geht um die sozialen Kontakte."
Jouna (14) aus Schönow und Anabell (11) aus Wandlitz können dem nur zustimmen. Seit 2017 sind die beiden beim Lumina-Zirkuscamp dabei. Kennengelernt haben sich die Mädchen erst in diesem Jahr, doch sie sind sich sicher: Wir bleiben in Kontakt.
Für alle ab 7 Jahre
Teilnehmen können an dem Sommercamp Kinder und Jugendliche zwischen sieben und 15 Jahren. Wer älter ist, kann sich als Teammitglied bewerben. So wie Justus aus Wandlitz, der Sohn von Cilly Festner. Er kam mit neun Jahren als Teilnehmer und ist seit dem vergangenen Jahr Teammitglied. "Es ist eine tolle Freizeitbeschäftigung", findet Cilly Festner.
Etwa 70 Kinder sind jede Woche beim Zirkuscamp dabei, zudem mehr als 50 Teammitglieder über die drei Wochen verteilt. Der Ablauf ist immer gleich: Am Sonntag reisen alle an und lernen sich kennen. Ab Montag wird für den großen Auftritt geübt, am Freitagabend stehen die jungen Artisten im Scheinwerferlicht, der zweite Auftritt folgt am nächsten Tag.
Am Sonnabend ist das Zirkuszelt voll. Auf Bänken und Stühlen sitzen rund um die Manege Mütter, Väter, Geschwister und Freunde mit Mund-Nasen-Schutz. Der Stolz und die Wiedersehensfreude treibt einigen Tränen in die Augen. Es ist ein buntes Potpourri, das ihnen geboten wird, aus Luft- und Bodenakrobatik, aus Feuershows, Jonglage- und Balanceeinlagen. Doch auch Clowns, Fakire und Drahtseiltänzer gehören zum Programm.
Pyramiden und Einrad
Mit Glitzer im Haar errichten die jungen Menschen Pyramiden, schlagen Flickflacks und fahren Einrad. Die Anspannung ist ihnen anzusehen, aber auch die Freude. Der Applaus ist ihnen sicher. "Das ist ein tolles Gefühl, wenn alle klatschen", verrät Jouna zwischendurch. Sie jongliert in diesem Jahr mit LED-Pois in der Manege. In den Vorjahren war das Trapez ihre erste Wahl. "Ich wollte was Neues ausprobieren und mich verbessern", erklärt sie.
In der Pause übernimmt Familie Ortmann vom Zirkus Samadhi die gastronomische Bewirtung der Gäste. Schon seit Jahren habe man eine Kooperation, erzählt Jonas. Zirkus – das ist eben eine große Familie.