Am Bahnsteig mit dem Fahrrad zurückzubleiben, weil es nicht mehr in dem Zug unterzubringen ist, kann jedem Freizeitradler den sonnigsten Tag verderben. Auch im Berufsverkehr findet nicht jeder Radfahrer für sein Vehikel in den S-Bahnen den dafür vorgesehenen freien Platz in den Mehrzweckabteilen.
"Auf der S2 von Bernau in Richtung Berlin hat man als Radfahrer bereits ab Zepernick kaum eine Chance mehr auf einen freien Platz im Fahrradabteil", weiß der Zepernicker Jochen Bona vom Fahrgastverband. Man könne die Züge entlasten, wenn die S-Bahnlinie 2 - statt nur bis Buch - eine Station weiter bis nach Röntgental fahren würde und von dort wieder zurück nach Berlin, so Bona. Die Bahnen aus Bernau wären entlastet. "Mit einer Investition von etwa einer Million Euro könnte man Brücken und Gleisabschnitte auf der Strecke zweigleisig ausbauen", rät er.
Aber auch der Regionalverkehr zwischen Gesundbrunnen und Eberswalde reiche häufig nicht aus. Stattdessen wurde eine Verbindung mit dem RE60 von Eberswalde über Berlin-Lichtenberg eingerichtet. Jochen Bona fände auch hier eine Streckenführung durch den Kern von Berlin geeigneter. Für die begonnene Radfahrsaison erwartet er demnach Engpässe beim Regional- und S-Bahnverkehr.
Holger Auferkamp von der Deutschen Bahn Logistic AG für die Regionen Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern, weiß ebenfalls um den verstärkten Bedarf an Fahrradplätzen während der Sommermonate. "Die Bahn stellt sich darauf ein, aber es ist auch gegenseitige Rücksicht gefragt", meint er. Fahrgäste, die sich einen Sitzplatz in den Kombi-Abteilen der Züge gesucht haben, sollten darauf achten, Plätze für Radfahrer, aber auch Rollstuhlfahrer und Kinderwagen, frei zu halten, so Auferkamp.
Für die Bestellung der Züge sind der Verkehrsbund Berlin-Brandenburg (VBB), das Land und die Landkreise zuständig. Die Bahn als Dienstleister stelle die Züge zur Verfügung, die anfordert werden. Gleiches gilt für die Züge der Ostdeutschen Eisenbahn GmbH und der Niederbarnimer Eisenbahn.
Jörg Siewert, Fachreferent des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs, sieht noch ein anderes Problem. "Es wird in der Saisonzeit Sonderwagen geben, allerdings werden die Kapazitäten innerhalb der Mehrzweckabteile nicht erhöht", beklagt er. Es gebe zwar Sonderwagen, trotzdem empfiehlt er dem Fahrgast mit Rad, wenn möglich, auf weniger frequentierte Zugstrecken umzusteigen.
Er appelliere an die Politiker, die die Bestellung der Züge zusammen mit dem VBB organisieren. "Wir sind mit dem VBB im Gespräch . Es gibt verschiedene Überlegungen zur Optimierung", so Jörg Siewert.
Elke Krokowski vom VBB kann Grund zur Hoffnung geben: "Bei starkem Ausflugsverkehr werden die Kapazitäten auf den Linien RE3 und RE5 im nächsten Fahrplanjahr ab April mit 5-Doppelstock-Wagen-Zügen erhöht", informiert sie.