Es wird richtig laut werden in der Kabine, das weiß Nico Reimann jetzt schon. Und zwar noch vor dem Anpfiff zum Spiel, das viele schon sehr gespannt erwarten: Die TSG Einheit Bernau empfängt den Stadt-Konkurrenten FSV Bernau zum Duell in der Brandenburgliga. Ein Derby mit Tradition – und mit vielen Emotionen (Anstoß, Sonnabend 15 Uhr).
Einheit Keeper Reimann kennt beide Vereine sehr gut. Der 26-Jährige kam 2013 zum FSV Bernau, wurde Stammkeeper des Teams, das damals noch in der Landesliga spielte. 2014 wechselte er zum Konkurrenten Einheit Bernau. Vor dem Hintergrund sei das Match am Sonnabend ein ganz Besonderes für ihn, gibt er zu.
„Ich gehe total motiviert in das Spiel. Wir wollen das unbedingt ziehen und sind uns bewusst, dass es ein Derby ist.“ Aus dem aktuellen FSV-Kader kennt er nur noch Milos Savkovic. „Aber auch nur durch unseren vorherigen Verein Tasmania Berlin.“ Eine besondere Note habe das Spiel dennoch. „Ich brenne darauf“, verrät er.

Die Zeit als Nummer Zwei ist endlich vorbei

Nico Reimann stand in den vergangenen sechs Jahren bei Einheit in der zweiten Reihe. An Stamm-Keeper Niklaas Seifarth schaffte es der Berliner nie vorbei, kam immer nur zu sporadischen Einsätzen, wenn die Nummer Eins verletzt war. „Ich rechne das Nico total hoch an, dass er trotzdem immer zu 100 Prozent dabei ist und alles gibt“, sagte Seifarth einmal über seinen Kollegen.
„Klar war das nicht immer einfach, denn natürlich will man als Sportler immer spielen. Aber das Sportliche entscheidet. Er war mir halt immer einen Tick voraus, aber dafür konnte ich auch viel von ihm lernen. Es ist ein Geben und Nehmen. Und wir sind über die Jahre gute Freunde geworden“, sagt Reimann über seine lange Zeit als Nummer Zwei.
Seit dieser Saison kann er aber beweisen, dass er inzwischen längst gut genug ist für einen Stammplatz zwischen den Pfosten. Niklaas Seifarth wechselte zu Eintracht Mahlsdorf, jetzt ist Reimanns Zeit gekommen, der auch zugibt: „Ich habe vor der Saison gesagt: Jetzt muss es etwas werden. Sonst wäre ich auch gegangen.“

Elfer-Killer gegen den MSV Neuruppin

Jetzt sind die Rollen vertauscht. Mit Julius Gehrke, dem Sohn des Ex-Klosterfelde-Trainers Christian Gehrke, hat Reimann nun eine Nummer zwei an seiner Seite, die er unterstützen kann. „Das ist ein ganz wissbegieriger Junge, der immer da ist beim Training und viel lernen will. Den bauen wir jetzt ganz behutsam auf.“
Selbstbewusstsein konnte sich Reimann am vergangenen Wochenende im Spiel in Neuruppin holen, in dem er unter anderem einen Elfmeter hielt. „Da hatte ich ein bisschen Glück, weil ich die Ecke geahnt hatte“, gibt er sich bescheiden. „Und darüber kann man sich natürlich trotzdem nicht freuen, wenn man am Ende verliert.“ Mit 2:5 musste sich das Team von Einheit-Trainer Nico Thomaschewski beim favorisierten MSV geschlagen geben. Dennoch gibt Reimann zu: „Einen Elfmeter zu halten ist natürlich ein gutes Gefühl.“
Auch wenn der 26-Jährige in Berlin wohnt – nach fast zehn Jahren Fußball im Barnim kennt er inzwischen fast alle Akteure beider Vereine. „Es ist eine gewisse Verbundenheit da. Und ich habe schon ein richtiges Derby-Feeling.“ Das hätten die anderen Alteingesessenen Einheit-Spieler übrigens auch. „Leute wie Maximilian Walter oder Julian Graf wissen schon um die Besonderheit des Spiels und das werden wir den jungen Spielern vor dem Derby auch nochmal beibringen.“

Vor dem Spiel wird es laut in der Kabine

Der Start des FSV Bernau in die Saison habe ihn schon überrascht, gibt der Keeper zu. „Da muss man dem FSV wirklich gratulieren. Ich hätte jetzt auch nicht unbedingt mit diesem Start gerechnet. Gerade in Lübben das Spiel noch zu drehen – da kann man nur den Hut vor ziehen“, zollt er den Nachbarn Respekt. „Es scheint eine Wundertüte zu sein. In der Liga kann Jeder Jeden schlagen. Aber“, betont er lachend, „diesen Samstag wird es auf jeden Fall nicht für den FSV Bernau reichen.“
Schon vor dem Spiel werde die Musik beim Gastgeber Einheit da schon einmal etwas lauter aufgedreht. „Wir sind ja ein etwas extrovertierter Verein“, verrät Reimann grinsend. „Bei uns wird es ganz gerne mal laut.“ Vor Anpfiff pushen sich die Spieler gegenseitig. Untermalt übrigens von der passenden Musik. Niklaas Seifarth war bislang bei Einheit für die Musikauswahl zuständig. Inzwischen habe Maximilian Walter den Job des DJs übernommen. „Bei uns läuft ganz schön viel Elektro“, verrät der Keeper.
Sein Tipp für das Spiel: „Da ich ja Torhüter bin, will ich natürlich kein Gegentor. Ich tippe auf ein 2:0 für uns.“