„Ich hatte irgendwann einfach keine Lust mehr auf Fußball.“ Ein ungewöhnlicher Satz für jemand, der es bereits in die zweithöchste deutsche Liga geschafft hatte. Zugleich ein mutiger Satz, denn jeder Fußballer weiß - man hat meist nur eine Chance auf dem Weg ganz nach oben. Aber Thiemo-Jerome Kialka begreift seinen Sport nicht als einzigen Lebensinhalt. Nur Kicken? Unvorstellbar. Für ihn gibt so viel mehr als den Fußballplatz. Jetzt soll der 1,78 Meter große Angreifer Landesklasse-Vertreter Einheit Zepernick zu mehr Toren verhelfen. Ein Abstieg ist das für ihn nicht.

Hamburger legte steile Karriere hin

Der gebürtige Hamburger Kialka hat eine steile Fußball-Karriere hinter sich. Er absolvierte seine Ausbildung beim 1. FC Köln. Mit dem SSV Jahn Regensburg stieg er in die 2. Bundesliga auf. Der Traum, Profi-Fußballer zu werden, hatte sich tatsächlich erfüllt. Doch 2015 war Schluss.
Thiemo-Jerome Kialka kam mit dem immensen Druck im Fußball-Geschäft nicht mehr klar. „Ich habe irgendwann die Motivation im Profi-Fußball verloren, weil es kein Spaß mehr für mich war, sondern nur noch Job.“ Mitte 2015, als sein Vertrag bei Fortuna Köln ausgelaufen war, stand er daher vor der Frage: Weiter mit Fußball oder schlage ich eine andere Richtung ein?

„Icke“ Häßler holt ihn nach Berlin

„Es haben sich damals ein, zwei Türen geöffnet, die für mich interessant waren“, berichtet Kialka, der sich daraufhin entschied, dem Fußball den Rücken zu kehren. Er arbeitet jetzt im Außendienst für einen Softdrink-Hersteller, ist daneben selbstständig tätig als Veranstalter und in Sachen Social Media. Heute sagt er: „Es war die richtige Entscheidung.“
Aus Kölner Zeiten kannte Kialka Thomas Häßler. Der ehemalige Nationalmannschafts-Spieler holte ihn vor drei Jahren zu Berlin United. Nach Veränderungen im Verein wollte Kialka dort aber nicht mehr weiter machen.
Zepernick-Trainer Lucio Geral kennt Kialka seit Jahren. „Wir haben uns in Köln kennengelernt, als Thiemo 3. Liga gespielt hat“, berichtet Geral, der erklärt, woran man seinen Neuzugang leicht erkennt: „Thiemo sieht aus wie ich. Wir werden oft verwechselt. Aber ich bin dicker“, grinst er.

Lucio Geral bescheinigt ihm einen „super Torriecher“

Über Lucio Geral und Zepernicks Verteidiger Patrick Töpfer, mit dem Kialka ebenfalls befreundet ist, kam der Ex-Profi nach Panketal. „Das Probetraining hat Spaß gemacht, deshalb habe ich mich entschieden, die Fußballschuhe nochmal auszupacken und hier mit zu kicken.“
Den Spaß am Fußball, den hat er inzwischen wieder gefunden. Der Angreifer stellte den „super Tor-Riecher“, den ihm sein Trainer Geral bescheinigt, gleich bei seinem zweiten Einsatz unter Beweis. Drei Treffer steuerte Kialka in der dritten Runde des Kreispokals zum 5:1-Erfolg seiner Mannschaft gegen den Oranienburger FC III bei. „Das ist zwar Amateur-Niveau hier, aber ein hohes. Der Druck ist ein anderer. Damit komme ich besser klar.“
Wenn Thiemo-Jerome Kialka von seinen Hobbys erzählt, ahnt man, warum da kein Platz für Profi-Fußball ist. „Ich reise wahnsinnig gerne“, berichtet er. „Vor fünf Jahren habe ich mir eine Welt-Karte gekauft, auf der man die Länder frei rubbeln kann, die man besucht hat.“ Die hat er schon ganz schön bearbeitet. 23 Länder sind bereits frei gelegt. „Mein Ziel ist es, auf 50 zu kommen. Das ist allerdings noch ein weiter Weg“, sagt er lachend.

„Touristen-Hotspots meide ich“

Land und Leute kennenlernen, in fremde Kulturen eintauchen, darauf kommt es dem Berliner an. Pauschal-Tourismus ist nicht sein Ding. „Ich versuche, möglichst viel mitzunehmen von den Einheimischen, fahre gerne vor Ort mit dem Bus oder spaziere durch die Gegend. Touristen-Hotspots meide ich.“
Lieblingsland bis jetzt? „Das habe ich noch nicht besucht. Das kommt erst nächstes Jahr. Bali und Island stehen ganz oben auf meiner Liste. Zuletzt war ich in Ghana, das war sehr interessant. Ägypten fand ich auch toll, vor allem zum Tauchen.“
Auch im Berliner Nachtleben ist Thiemo-Jerome Kialka zu finden. „Ich bin Hobby-DJ und Party-Veranstalter. Ich probiere gerne Bars aus, bin leidenschaftlicher Essen-Geher.“ Wer ihn hinterm DJ-Pult in Aktion erleben möchte, kann es im HipHop-Club 808 in Berlin versuchen, wo er an den Turntables steht, wenn nicht gerade Corona-Pause ist. Als leidenschaftlicher Ibiza-Fan steht er aber auch auf Elektro-Musik. Für den Sound in der Kabine der Zepernicker Fußballer ist er noch nicht zuständig. „Aber das wurde schon mal angesprochen. Mal sehen, ob ich es schaffe, den jetzigen DJ abzulösen“, grinst er.

Nicht zu Einheit gekommen, um Zweiter zu werden

Bei all dem Trubel in seinem Leben genießt der 31-Jährige aber auch gerne mal einen Samstag einfach nur auf der Couch mit einem guten Film. „Das ist dann Luxus.“
Wie lang Kialka bei Zepernick bleiben wird, lässt er noch offen. Zunächst soll er Kevin Maek ersetzen. Der ehemalige Drittliga-Spieler fällt voraussichtlich bis Ende des Jahres aus. „Ich mache mir da keinen Stress. Verabredet ist jetzt erst einmal, dass ich bis zum Winter spiele. Dann muss man sehen, wie es weiter geht. Es muss Spaß machen.“
Wie weit es seine Mannschaft in der Landesklasse bringen kann? „Das kann ich noch schlecht einschätzen, weil ich die anderen Teams nicht kenne. Aber sagen wir es mal so: Ich bin nicht hierher gekommen, um Zweiter zu werden.“

Vom FC Köln zu Einheit Zepernick


Mit fünf Jahren nahm ihn ein Freund mit zum Fußball-Training. Dort wurde das Talent von Thiemo-Jerome Kialka schnell erkannt. Mit 17 Jahren lud ihn der 1. FC Köln ein zum Probespiel. Dort schoss Kialka gleich drei Tore und war damit drin in der FC-Jugend, in der er bis zur A-Jugend (Bundesliga) spielte.
Seine ersten Auftritte bei den Herren absolvierte er in der Zweiten des 1. FC Köln (Regionalliga), danach wechselte er zum SSC Jahn Regensburg. Mit dem Verein schaffte er 2012 den Aufstieg in die 2. Bundesliga.

Kurz darauf ging es für Kialka zurück in die Domstadt, allerdings zu Fortuna Köln (Regionalliga und 3. Liga). Nach einer Pause beim SC West Köln spielte der gebürtige Hamburger noch einmal in der Regionalliga, diesmal bei den Nachbarn vom Bonner SC, bevor ihn sein Weg 2017 in die Hauptstadt zu Berlin United führte. Nach einem Jahr Pause geht er nun in Zepernick auf Torejagd.