Der Ruhige und der Wilde
Obwohl sie Zwillinge sind, seien sie beide charakterlich komplett verschieden, erzählen die beiden Brüder. "Ich bin eher der Ruhige, Höfliche. Steven ist der Temperamentvollere von uns", analysiert Marvin.
Beide Berliner achten auch äußerlich darauf, dass man sie gut unterscheiden kann, jeder seinen eigenen Stil hat. "Aber in weiten Teilen sind wir uns sehr ähnlich, haben die gleich Interessen und verstehen uns super." Auch als Kinder seien sie schon gut miteinander ausgekommen und beide versichern: Geprügelt haben wir uns noch nie!
Zwilling zu sein habe viele Vorteile. "In der Schule hat Marvin mal unter meinem Namen eine Klassenarbeit geschrieben, weil ich da unbedingt eine gute Note brauchte", erzählt Steven grinsend. Die Bindung, finden beide, sei auch viel stärker als bei normalen Geschwisterpaaren. "Wenn es dem anderen schlecht geht, merken wir das sofort. Marvin ist dann auch der Erste, der zu mir kommt und umgekehrt auch."
Einer stürmt, einer verteidigt
Wer die beiden im Spiel auseinanderhalten will, muss auf die Position schauen. Marvin ist reiner Stürmer, der zwei Minuten ältere Steven kann Mittelfeld oder auch mal im Sturm spielen, hat aber jahrelang Innenverteidiger gespielt.
"Steven zeichnet vor allem seine Spielintelligenz aus und wie er den Ball verteilen kann. Ich bin vor allem gut, was die Schnelligkeit und den Torabschluss angeht", erklärt Marvin. Dass man sich so gut kennt, könne auf dem Platz absolut von Vorteil sein. "In der Jugend hat Steven auf der zehn gespielt und ich im Sturm. Da hat man oft gemerkt, dass der wusste, wie ich laufe. So konnte er mir die Bälle perfekt zuspielen", berichtet Marvin. "Der große Vorteil bei meinem Bruder ist, dass man den immer schicken kann. Der erläuft den Ball, ist richtig schnell und er weiß, wo das Tor steht", gibt Steven ein Kompliment zurück.
Das Kicken haben die beiden beim Wartenberger SV gelernt. Schon mit vier Jahren traten sie dort zum ersten Mal gegen den Ball. Acht Jahre blieben sie bei Wartenberg, bevor ein Umug ins Rheinland anstand. Dort kickten die Brüder in einem Verein in Bonn und besuchten zwei Jahre lang die Sportschule des Bundesligisten Bayern Leverkusen.
Von Bayer Leverkusen zu Einheit
Zwei Jahre später ging es für die Familie zurück nach Berlin und für die Brüder zum alten Verein Wartenberger SV. Marvin war es dann, der zuerst zu Einheit Bernau wechselte. "Ein paar meiner Kumpels aus der Schule haben hier gespielt haben, da bin ich gewechselt."
Bruder Steven blieb den Wartenbergern zunächst treu, spielte in der Männermannschaft und holte sich im dritten Spiel für das Bezirksliga-Team gleich seinen ersten Kreuzbandriss.
Danach wechselte Steven auch wegen seines Bruders ebenfalls nach Bernau. Doch das Verletzungspech holte ihn ein. "Den zweiten Kreuzbandriss habe ich mir dann hier im Training bei einem Zweikampf geholt, als mir ein Mitspieler unglücklich in die Seite reingelaufen ist. Da hat es wieder Knack gemacht und dann war das Kreuzband durch.
Auch wenn die beiden charakterlich unterschiedlich sind – was Verletzungen angeht, so scheinen sie voll auf einer Wellenlinie zu liegen. Das verflixte rechte Knie, das machte nämlich auch Marvin zu schaffen.  Er half bei der zweiten Mannschaft aus, blieb unglücklich im Rasen hängen, verdrehte sich das Knie. Diagnose: Kreuzband, Innenband und Innenmeniskus waren lädiert.
Beide werden noch in diesem Monat operiert. Bis sie wieder auf den Platz gehen, wird es noch mindestens bis Mitte nächsten Jahres dauern.
Erstmal Zeit für Berufliches
Bis dahin können sich die beiden voll auf die berufliche Karriere konzentrieren. Marvin wollte eigentlich zur Bundeswehr, was er aufgrund seiner Verletzung erst einmal auf Eis legen musste. "Ich bin daher jetzt nach dem Abitur erst einmal auf der Suche nach einem dualen Studium." Steven bleibt dem Sport treu. Er absolviert ein duales Studium zum Fitness-Ökonom, arbeitet nebenbei in einem Fitnesscenter. "Ich will nach dem Studium als Personal-Trainer arbeiten und nebenbei meinen Trainerschein im Fußball machen und da auch im Juniorenbereich anfangen", erzählt Steven. So oft es geht, sind die beiden bei den Spielen ihrer Einheit aber jetzt schon dabei – wenn auch nur auf der Tribüne.

Fußball, Tennis und Skifahren oft betroffen


Der Kreuzbandriss ist eine der häufigsten und auch gefürchtetsten Verletzungen bei Fußballern, aber auch bei Tennisspielern oder Skifahrern. Wenn das Kreuzband im Bereich des Kniegelenks zu sehr überdehnt wird, kann es reißen. Das geschieht zum Beispiel bei schnellem Richtungswechsel oder wenn der Spieler im Rasen hängenbleibt, seltener durch Fremdeinwirkung. Betroffen ist in den meisten Fällen das vordere Kreuzband. Ein Kreuzbandriss kann konservativ oder operativ behandelt werden.