Es war eine Menge los, auf und neben dem Spielfeld beim Barnim-Derby in der Brandenburgliga zwischen Union Klosterfelde und den Gästen von Preussen Eberswalde. Genau gesagt: Durchschnittlich klingelte es in der ersten Spielhälfte alle 7,5 Minuten im Tor. Trotzdem gab es nur ein beherrschendes Thema auf dem Sportplatz an der Mühlenstraße am Freitagabend: den bevorstehenden Corona-Lockdown im Amateursport. Viele Zuschauer waren gekommen, um noch einmal live dabei zu sein.
Es war fast ein wenig Wehmut dabei. Bei den Fans, die es sichtlich genossen, noch gemeinsam mitfiebern zu können, bei den Spielern, die sich ab Montag mit individuellem Training fit halten müssen und bei den Trainern. Preussen Coach Torsten Maerz verabschiedete sich nach der Partie in der Kabine sogar komplett von der Mannschaft. „Ich gehe nicht davon aus, dass wir in diesem Jahr noch einmal spielen werden“, erklärte er. „Selbst wenn es ab Dezember weiter gehen sollte, brauchen wir ja Vorbereitung, bevor wir wieder in die Punktdspiele starten können.“ Ab Januar übernimmt wie geplant Matthias Kandula die Preussen Elf.
Den Abschied hatte sich der Übergangs-Coach aber wohl auch anders vorgestellt. Denn seine Elf, die so gut in die Saison gestartet war, kassierte in Klosterfelde die dritte Niederlage in Folge – musste diesmal sogar fünf Gegentreffer nehmen.

Union Klosterfelde punktet effektiv

Klosterfelde dagegen überzeugte mit einer Eigenschaft, die zuletzt oft fehlte: Effektivität. Tobias Marz erzielte per Kopf das 1:0. Danach bewies Alexander Kraatz einmal mehr, warum er ein Top-Freistoß-Spezialist ist. Einen Schuss kurz vor der Strafraumgrenze zirkelte er an der Preussen-Mauer und an Ersatz-Keeper  Markus Lanzrath vorbei in die Maschen.
Es sollte nicht der einzige Patzer des unsicher wirkenden Nachwuchs-Keepers an diesem Abend werden, der allerdings auch oft von seinen Vorderleuten im Stich gelassen wurde. Unions Jerome Ehweiner traf zum 3:0, bevor der stets agile Preusse Kohei Suzuki auf 3:1 verkürzen konnte. Doch Raif Yamann stellte mit dem 4:1 den alten Abstand wieder her.
Vorausgegangen war jedoch ein mehr als unglücklicher Rückpass eines Eberswalder Abwehrspielers auf Keeper Markus Lanzrath. Der gefährliche Pass brachte den jungen Keeper in Bedrängnis, dem der Ball vom Knie sprang und bei Unions Yamann landete, der ganz in Ruhe zum 4:1 einschieben konnte. „Es ist ein junger Spieler, gerade 18 Jahre alt geworden, dem man die Fehler eingestehen muss“, nahm Trainer Torsten März seinen Keeper anschließend in Schutz. Ein Eigentor von Preussens Steven Zimmermann, das jedoch Tobias Marz zugesprochen wurde, besiegelten das Schicksal der Preussen.

Union rutscht auf beruhigenden Rang acht vor

In Halbzeit zwei ließ Union die Zügel etwas schleifen. Preussens Marcin Krystek konnte auf 5:2 verkürzen, mehr gelang den Eberswaldern aber nicht mehr.
„Die Effizienz vorm Tor und der geschlossene Wille haben uns heute zum Sieg verholfen“, freute sich Unions Trainer Norman Jechow. „Natürlich ist es für uns ganz wichtig, dass wir mit den drei Punkten in die Pause gehen. Denn ansonsten hätte es ganz, ganz finster ausgesehen.“ Denn von Rang 14 geht es dank der drei Punkte für Union nun hoch auf Platz acht – auch wenn andere Teams noch bis zu zwei Spiele weniger absolviert haben.

Preussen Eberswaldes Trainer verabschiedet sich

Bei Eberswalde fehlten Goalgetter Ceif Ben-Abdallah, der Stamm-Keeper sowie zwei gesperrte Spieler. Das wollte Trainer Torsten März aber nicht als Entschuldigung gelten lassen. „Wir waren nicht wach genug, standen nicht dicht genug am Gegenspieler“, analysierte der Preussen-Coach.