„Ich wusste erst gar nicht, ob ich mit nach vorne gehen soll, dachte dann aber: Wir müssen unbedingt das Tor schießen, um wenigstens einen Punkt zu holen. Nach dem Freistoß hat Julian Graf perfekt für mich abgelegt. Ich hab den Torwart angeguckt und gesehen: Die lange Ecke ist frei. Dann hab ich nicht nachgedacht und einfach abgezogen.“ So schildert Viacheslav Veybert kurz nach dem Abpfiff die Entstehung seines vielumjubelten Treffers für Einheit Bernau im Barnim Derby bei Union Klosterfelde. In der letzten Aktion des Spiels hatte Veybert das 1:1 erzielt.
Das war das Barnim-Duell zwischen Union Klosterfelde und Einheit Bernau

Fußball Das war das Barnim-Duell zwischen Union Klosterfelde und Einheit Bernau

Danach eskaliert kurz die Situation auf dem Rasen an der Klosterfelder Mühlenstraße. Jubelnd und schreiend fallen sich die Einheit-Spieler in die Arme, als hätten sie gerade die Champions League gewonnen und nicht den Ausgleich im Barnim-Derby in der Nachspielzeit erzielt. Einheit-Keeper Nico Reimann kommt über das ganze Feld gerannt und erdrückt fast den Torschützen Veybert.
Der freut sich nach dem Abpfiff auch, dass seine Eltern beim Spiel dabei waren. „Ob wir darauf heute Abend noch mit Wodka anstoßen, weiß ich noch nicht. Das kommt darauf an ob Werder Bremen gewonnen hat“, verrät der gebürtige Russe grinsend, der seit Januar bei Einheit im Kader steht.

Emotionalster Moment im Barnim-Derby

Der Moment in der 3. Minute der Nachspielzeit ist der emotionalste eines ansonsten eher schwachen Barnim-Derbys. Einheit ist spielerisch in weiten Teilen die bessere Mannschaft, vergibt aber einige gute Chancen kläglich. So scheitert Florian Klose allein vor Union-Keeper Dennis Tietz und Dennis Kamin köpft aus Nahdistanz am leeren Tor vorbei.
Gastgeber Union dagegen punktet mit Effektivität. Die einzige richtige Torchance sitzt. In der 62. Minute kann Jerome Ehweiner einen Abpraller nach einem Schuss von Raif Yamann verwerten zur 1:0-Führung.
In der letzten Viertelstunde wirft Einheit dann noch einmal alles nach vorn und kommt zum verdienten Ausgleich.

Deftige Ansage von Einheit-Coach nach dem Abpfiff

Eine deftige Ansage von Trainer Nico Thomaschewski gibt es für seine Jungs aber nach dem Abpfiff trotzdem. „Ihr müsst endlich mal lernen, zuzuhören. Dann könnt ihr alle Spiele gewinnen. Tut ihr das nicht, läuft es so wie heute. Nochmal geht das nicht so gut aus. Da fangen wir uns dann einen Konter und verlieren 0:2“, bringt er es auf den Punkt. „Wir haben wieder eine Woche umsonst gearbeitet und haben zwei Punkte verschenkt.“
Die Ansage seines Coaches sei berechtigt, findet Veybert. „Dass wir nicht richtig zuhören, stimmt schon. Das fängt im Training an. Da halten sich die Jüngeren oft nicht daran, was die Älteren sagen.“ Dabei sei die Stimmung in der Mannschaft gut. „Auch in der Kabine ist alles top. Aber sobald wir auf dem Spielfeld sind, fehlt uns das Selbstvertrauen. Wir haben zu viel Angst. Da müssen wir noch viel lernen.“
Für Veybert zeigt die Formkurve jedenfalls aufwärts. „Ich selber habe auch kürzlich eine Ansage vom Trainer bekommen. Ich war gut gestartet bei Einheit, wurde aber durch die Corona-Zeit schlechter, musste mich neu rein finden.“ Das ist jetzt offenbar passiert. Schon gegen Falkensee traf Veybert doppelt, jetzt wieder. „Ich habe Selbstbewusstsein getankt. So kann es gerne weiter gehen.“
Union muss an den verflixten letzten Minuten arbeiten, in denen man sich zuletzt immer wieder selbst ein Bein stellte. „Das man zwei Punkte wieder in der 93. Minuten abgibt, das tut schon richtig weh. Da fehlt es uns einfach an der Cleverness. Wir schaffen es nicht, in den entscheidenden Situationen den Ball einfach rauszuschlagen, auch wenn es nicht schön aussieht“, analysiert Coach Norman Jechow selbstkritisch.

Im Vergleich hat Einheit Bernau die Nase vorn


Die letzten Aufeinandertreffen beider Teams endete so:

Saison 2019/20

Einheit Bernau – Klosterfelde 6:0

Klosterfelde – Einheit Bernau 2:1

Saison 2018/19

Einheit Bernau – Klosterfelde 2:2

Klosterfelde – Einheit Bernau 0:2

Bester Torschütze derzeit bei Klosterfelde ist Tobias Marz mit 4 Toren. Bei Einheit traf Frederick Fiebig mit ebenfalls 4 Toren am häufigsten.

So spielten beide Teams:

Klosterfelde: Dennis Tietz – Hares Bosharat (21. Tim Borchert), William Dittrich, Alexander Kraatz, Eric Rutzen - Felix Klaka -  Raif Yaman (88. Tobias Marz), Eric Woiton, Morten Jechow, Steven Norwark – Jerome Ehweiner (79. Balla Keita)

Bernau: Nico Reimann – Paul Peschke, Julian Graf, Fritz Söllner, Tom Schneider – Sam-Rene Bartz, Martin Lange, Florian Klose (66. Maximilian Walter), Caspar-Leon Oesterling (78. Marvin Dumke), Viacheslav Veybert, Dennis Kamin (66. Max Gerhard)