Dass Häftlinge für eine Einrichtung wie die Kindernachsorgeklinik Möbelstücke anfertigen, hat einen tieferen Sinn. Zum einen geht es natürlich darum, bei den Auszubildenden berufliche Kompetenzen zu fördern. Aber nicht nur. "Es geht vor allem auch darum, dass sie Empathiefähigkeit erlangen", sagt Anstaltsleiter Wolf-Dietrich Voigt. Wo könnten die jungen Gefangenen besser erfahren, "dass es häufig Situationen im Leben gibt, die schwierig zu meistern sind", als in einer solchen Klinik, in der Familien mit schwerkranken Kindern betreut werden? "Die Situation hier ist bestens geeignet, um Empathiefähigkeit zu entwickeln", ist Wolf-Dietrich Voigt überzeugt. "Wir sind dankbar für solche Bewährungsmöglichkeiten", sagt er.
Die beiden Gefangenen, die im Rahmen ihrer Ausbildung zu Tischlern die Wickeltische gebaut haben und die dabei sind, als die Spende übergeben wird, sagen nicht viel. Doch die Freude und der Stolz sind ihnen durchaus anzusehen, als Bernd W. Funk, Geschäftsführer der Kindernachsorgeklinik die überbetriebliche Ausbildung in der Haftanstalt als "Schnittstelle zwischen der Welt drinnen und draußen" bezeichnet, von einer "herausragenden Leistung" spricht und sagt: "Wenn ein solches Werk rauskommt, dann spricht das für eine gute handwerkliche Arbeit".
Seit rund drei Jahren sitzen der 19-jährige Dennis B und der 24-jährige Nico G. in Wriezen ein. Der eine ist im letzten Ausbildungsjahr, der andere hat seine Lehre bereits beendet.
In knapp drei Monaten kommt Nico G. auf freien Fuß. Er hofft, dass er dann als Tischler draußen Arbeit findet. Leicht wird es nicht, weiß Iris Gielow von der Geschäftsleitung des Berufsbildungsvereins Eberswalde, der die Gefangenen in Wriezen ausbildet. "Nicht jeder Betrieb ist bereit, mit solchen Lebensläufen umzugehen", sagt sie. Diejenigen aber, die nach ihrer Entlassung einen Arbeitsplatz fänden, hätten dort eine Gelegenheit, sich zu beweisen.
Rund 60 Insassen hat die Jugendhaftanstalt in Wriezen zurzeit. Sie können in vier Gewerken ausgebildet werden: als Ausbaufacharbeiter, Maler und Lackierer, Tischler sowie als Garten- und Landschaftsbauer. In jedem Gewerk stehen sechs Ausbildungsplätze mit Option auf drei weitere zur Verfügung. Doch bei einer durchschnittlichen Haftdauer von drei bis sechs Monaten ist an eine Lehrausbildung nicht zu denken. Und dann gibt es da noch ein weiteres Problem "Die nachlassende Bildung merkt man hier besonders", stellt Ausbilder Thomas Ziesing vom BBV Eberswalde fest. "Soziale Kompetenzen sind bei vielen gar nicht entwickelt", ergänzt Anstaltsleiter Voigt. Immerhin zwölf Häftlinge absolvieren aber ein berufsvorbereitendes Jahr.