Das brandenburgische Sozialministerium spricht von einer „angespannten Fachkräftesituation“ bei Hebammen, vereinzelt wurden bereits Kreißsäle geschlossen. Viele werdende Mütter müssen  weite Wege zur Geburtsklinik auf sich nehmen. In Bernau ist die Situation relativ entspannt.
„Bei uns lief die Anmeldung über das Krankenhaus“, sagt Lisa-Sabrina Borisewitsch. Die junge Frau wird von den Hebammen der Praxisgemeinschaft Bernau betreut – von der Geburtsvorbereitung über die Vorsorgeuntersuchungen bis zur Niederkunft und dem Wochenbett. „Wer allerdings eine freiberufliche Hebamme sucht, hat schon ein paar Probleme“, weiß Lisa-Sabrina Borisewitsch, die im Juni Mutter einer Tochter wird, aus zahlreichen Gesprächen mit anderen werdenden Müttern.
Das Immanuel Klinikum Bernau setzt unterdessen auf ein bewährtes Modell bei der Geburtshilfe. „Wir haben seit mehr als 20 Jahren einen Vertrag mit einer Hebammenpraxisgemeinschaft“, sagt Pflegedirektorin Birgit Pilz. Dadurch werde garantiert, dass 365 Tage im Jahr und rund um die Uhr eine Hebamme im Kreißsaal zur Verfügung steht. Die Praxisgemeinschaft erstelle auch die Dienstpläne und rechne die Leistungen ab. Klinikeigenes Personal, beispielsweise Stillschwestern, unterstützten die Geburtshelferinnen. „Die Zusammenarbeit funktioniert sehr gut“, so Pflegedirektorin Pilz.
Die Gesundheitseinrichtung denkt deshalb auch momentan nicht darüber nach, an der Situation etwas zu ändern. „Im vergangenen Jahr hatten wir erfreulicherweise 554 Geburten“, so die leitende Mitarbeiterin. Man gehe davon aus, dass die aktuelle Anzahl der Hebammen für bis zu 600 Geburten ausreiche. „Falls es noch mehr werden sollten, müssten wir überlegen, zusätzliche Hebammen einzusetzen“, erklärte Birgit Pilz.
Die Klinik beteiligt sich seit dem Jahr 2017 auch an der Hebammenausbildung. Sie ist, wie andere brandenburgische Krankenhäuser auch, der Träger und bezahlt das Schulgeld und die Ausbildungsvergütung. Der theoretische Unterricht erfolgt bei der Akademie der Gesundheit Berlin-Brandenburg in Eberswalde. Zwei junge Frauen erwerben sich derzeit das Rüstzeug, um später einmal den Beruf der Hebamme ausüben zu können. Am 1. Oktober beginnt das neue Ausbildungsjahr, die Stelle ist bereits besetzt. „Wir erhalten auch immer wieder Nachfragen“, so Pflegedirektorin Pilz.
Nach einer jüngst veröffentlichten Online-Umfrage der Krankenkasse Barmer werden drei Viertel der Familien in Deutschland von einer Hebamme betreut. 13 Prozent konnten demnach keine Hebamme finden, zehn Prozent verzichteten auf die professionelle Hilfe und Unterstützung.
Eltern, die von Hebammen betreut werden, stellen diesen mehrheitlich gute Noten aus. So berichteten 82 Prozent davon, dass sie kurzfristig Antworten auf Fragen rund um die Schwangerschaft erhalten.
In der Zeit digitaler Technik nutzen viele Familien statt des Hausbesuchs auch Telefonate und Chats, um mit Hebammen zu kommunizieren. Die Barmer bietet ihren Versicherten deshalb ab sofort eine Beratung durch Hebammen an. In Zusammenarbeit mit dem Kooperationspartner „Kinderheldin“ soll so vor allem Familien in unterversorgten Regionen geholfen werden. Der Service wird während der Schwangerschaft und in den ersten sechs Monaten nach der Geburt des Kindes täglich in der Zeit von 7 bis 22 Uhr kostenlos zur Verfügung gestellt.
Für „Kinderheldin“ ist die Zusammenarbeit mit der Barmer die erste bundesweite Zusammenarbeit mit einer großen Krankenkasse. „Wir vernetzen Schwangere und junge Eltern bei Unsicherheiten und medizinischen Problemen mit qualifiziertem Fachpersonal“, sagt Nicole Höhmann, die das Hebammenteam bei „Kinderheldin“ leitet. Vor allem abends, an Wochenenden oder in Situationen, in denen Ärzte oder Hebammen schwer erreichbar seien, könnten Hebammen mittels Chat oder Telefon kompetent beraten. Dazu müssten sich die Versicherten zuvor über die Barmer-Internetseite anmelden.
„Kinderheldin“ wurde im Jahr 2017 gegründet, Hauptsitz ist Berlin.