Der Berliner Speckgürtel ist weiter äußerst beliebt – allerdings nicht nur für Ausflügler, sondern auch für die illegale Müllentsorgung. Allein in den ersten sieben Monaten des Jahres 2020 mussten im Barnim 280 Tonnen an illegalen Abfällen beseitigt werden, ein Großteil davon direkt im Bereich der Stadtgrenze.
„Hotspots“ sind nach Angaben der Kreiswerke die Berliner Ausfallstraßen sowie Wege rund um das Autobahndreieck Barnim zwischen Trappenfelde und Mehrow. Von dort hatte auch ein Ahrensfelder ein Foto bei Facebook gepostet. Es zeigt einen riesigen Müllberg am Verbindungsweg zwischen Eiche und Mehrow. „Das passiert regelmäßig, fast jedes Wochenende“, berichtet er. Von Farbeimern über Lumpen bis hin zu Auto-Radkappen ist alles dabei.

Kosten von 234.000 Euro für Entsorgung

Weggeschmissen wird der Dreck meist im Schutz der Dunkelheit. Im letzten Jahr war der Barnim mit 619 Tonnen Müll einer der Spitzenreiter in Brandenburg. Die Entsorgung der illegalen Abfälle schlug laut Kreiswerken mit 234.000 Euro zu Buche.
Auffällig ist, dass im Barnim immer mehr illegale Müllablagerungen gemeldet werden.  Im Jahr 2019 gab es im gesamten Landkreis 509 Hinweise, zum  jetzigen Zeitpunkt sind es mit 496 fast genauso viele.
Dass es dabei einen Zusammenhang mit der zeitweisen, coronabedingten Schließung der Wertstoffhöfe gibt, glaubt man in der Kreisverwaltung aber nicht. Es gebe keine gravierenden Auffälligkeiten während der Schließzeit, heißt es aus dem Landratsamt.

Handy-App zum Melden von illegalen Abfällen

Die Steigerungen führt man dagegen auf die verstärkte Nutzung der sogenannten „BDG-App“. Die App, die vor Jahren für die Barnimer Dienstleistungsgesellschaft BDG entwickelt wurde, bietet seit letztem Jahr die Funktion, illegale Müllablagerungen noch an Ort und Stelle  direkt an die Entsorgungsgesellschaft zu melden. Man muss sie nur öffnen, die Eingabemaske ausfüllen, ein Foto mit GPS-Koordinaten hochladen – fertig. Seit der Einführung der Melde-Funktion „erreichen uns verstärkt Meldungen auch kleinster Mengen und solcher, die früher niemand gemeldet hätte“, sagt Jana Mundt, Sprecherin des Landrats. Bedingt durch Corona wären zudem mehr Bürgerinnen und Bürger häufiger als üblich zu Waldspaziergängen unterwegs gewesen, bei denen die ein oder andere Ablagerung mehr entdeckt worden sei.
Ein weiterer Aspekt, der ebenfalls für die erhöhte Zahl der Meldungen in Frage kommt, sind die teils gestiegenen Preise für die Müllentsorgung im Barnim, daraus macht auch das Landratsamt keinen Hehl. „Das kann auch eine Ursache sein“, so Jana Mundt. Da Bauschutt oder Asbest teuer in der Entsorgung sind, wurden Ende letzten Jahre die Gebühren angehoben. Das sorgte zum Teil für viel Kritik.

Bußgelder bis zu 50.000 Euro

Um den illegalen Drecksündern Herr zu werden, gibt es im Barnim seit 2017 eine Müllstreife. Dahinter steckt ein privates Sicherheitsunternehmen aus Eberswalde, das von der Barnimer Dienstleistungsgesellschaft unterstützt wird. Ausgestattet mit Nachtsichtgerät und Body-Cam begeben sich die Mitarbeiter Tag und Nacht auf die Jagd. Zur Abschreckung, aber auch, um Übeltäter auf frischer Tat zu ertappen.
Wer erwischt wird, für den kann es teuer werden. Die illegale Entsorgung von gefährlichen Abfällen – zum Beispiel von Asbest, Schadstoffen oder Teerpappe – stelle eine Straftat dar und werde entsprechend zur Anzeige gebracht, heißt es bei der Kreisverwaltung. Es drohen Strafen bis zu 1000 Euro.
Bei größeren Mengen sind sogar Strafen bis zu 50.000 Euro möglich. Grundsätzlich orientiert sich der Barnim, was Bußgelder für das illegale Abladen von Müll angeht, am Katalog des Landes Brandenburg.

Illegalen Müll per Handy melden


Zur Meldung illegaler Müllentsorgungen gibt es im Barnim mehrere Optionen: über die Hotline 03334 5262066, über ein Online-Formular auf www.muellstreife-barnim.de oder – neuerdings – über die Handy-App der Barnimer Dienstleistungsgesellschaft BDG. Sie kann unter www.kw-bdg-barnim.de heruntergeladen werden.

Der Landkreis Barnim kämpft seit Jahren mit illegalen Müllsündern. Im vergangenen Jahr verzeichnete man 619 Tonnen an Ablagerungen. Zum Vergleich: In Oder-Spree waren es „nur“ 259 Tonnen, in Märkisch-Oderland 85. che