Am Donnerstagabend erwachte der Bernauer Wasserturm aus seinem Dornröschenschlaf. Das vierte Konzert im diesjährigen „Siebenklang“-Zyklus wurde von Cello-Virtuose Wolfram Huschke gestaltet.
Schon im Vorfeld war der Musiker fasziniert von der unübertrefflichen Akustik im Turm. Das Einspielen geriet so schon zu einem kleinen Privatevent, denn Huschke konnte gar nicht genug von der Akustik bekommen. So zog der Vollblut-Musiker denn auch im Konzert alle Register seines Könnens und seiner instrumentalen Möglichkeiten.
Wie vielfältig letztere besonders beim Electro-Cello sind, hatte wohl kaum ein Zuhörer erwartet. Huschke, der sein Programm ohne Berührungsängste – quasi im Gespräch mit dem Publikum – gestaltet, entlockt seinen Instrumenten immer neue Klangvarianten. Da beginnt das Cello zu sprechen und zu singen und wird zum kaum hörbaren Mücken-Moped, das akustisch die Mücke schließlich überrollt. Dann schwillt der Sound an, das Mücken-Moped wird zur Harley, die den ehrwürdigen Wasserturm erbeben lässt. Schließlich entlockt er seinem Cello die Klangvielfalt eines ganzen Orchesters.
Alles verpackt Huschke raffiniert in wohlklingende Rhythmen und Melodien, die sich förmlich bei den Zuhörern einschmeicheln. Und der Künstler erfindet zusätzlich Geschichten. Er improvisiert im Dialog mit dem Konzertort und mit seinem Publikum Klangerlebnisse der ganz besonderen Art. Das alles mit viel Humor und Pointen, die punktgenau sitzen. Dabei greift er niemanden an, macht sich völlig uneitel selbst zur Zielscheibe. Seine Instrumente helfen Huschke, die Geschichten zu erzählen, sie werden zu seiner Stimme, unterstützt nur von der unübertrefflichen Mimik des Künstlers.
Da toben Affenhorden über die Bühne, quaken Frösche kurz vorm Hitzetod aus dem Wasserbehälter des Turmes, und es werden Liebes- und Lebensgeschichten erzählt. Das Repertoire des Wolfram Huschke ist riesig. Auf mehr als 10 CDs hat er die „Best off“ seines bisherigen Schaffens veröffentlicht. Bachs Klassik beherrscht der Cellist genauso perfekt wie Interpretationen von Jimi-Hendrix-Songs. Und so krönt er sein Bernauer Konzert auch mit einer eigenwilligen, aber überaus beeindruckenden Bach-meets-Hendrix-Komposition.