Wie wirkt sich ein Bauvorhaben auf die lokale Umwelt aus? Dazu hat die Gemeinde Panketal eine Richtungsentscheidung getroffen. Die Gemeindevertretung hat mit knapper Mehrheit die Einführung des „Leitfadens Nachhaltiges Bauen“ des Bundes sowie des Bewertungssystems Nachhaltiges Bauen (BNB) für alle Hochbaumaßnahmen der Gemeinde beschlossen. Damit gelten künftig neue Kriterien nicht nur für Neubauvorhaben, sondern auch für Bauerneuerungen und Außenanlagen. Den Antrag hatten die Fraktionen Die Linke und GiP + FDP in die Gemeindevertretung eingebracht.

Neue Hochbau-Projekte im Panketal

In nächster Zeit stehen große Hochbau-Projekte in Panketal an. Neben dem Bau einer neuen Grundschule und einer neuen Kita auf dem Gelände an der Elbestraße in Zepernick wird derzeit der Sport- und Spielpark an der Straße der Jugend entwickelt sowie ein Wohn- und Geschäftshaus an der Schönower Straße angestrebt. Diese Hochbauprojekte müsse man nachhaltig gestalten, erklärte Gemeindevertreter Thomas Stein (Die Linke) auf der Sitzung. Mit nachhaltig sei dabei nicht ausschließlich eine ökologische Komponente gemeint. Denn: Leitfaden und Bewertungssystem betrachten auch ökonomische sowie soziokulturelle Dimensionen von Bauvorhaben.
So enthalten sie beispielsweise Handlungsempfehlungen für eine gute Projektvorbereitung, für die Bewertung und Optimierung des Ressourcenverbrauchs, der Wirtschaftlichkeit, der Auswirkung auf die Gesundheit, Nutzerzufriedenheit und Funktionalität.

Landkreis Barnim zum Vorbild

Der Kreistag Barnim hat erst im Juni beschlossen, für Bautätigkeiten des Landkreises den „Leitfaden Nachhaltiges Bauen“ des Bundes als verbindliches Instrument anzuwenden. Dabei wurde die im Leitfaden definierte Stufe Bronze als Mindeststandard definiert. Auch in der Gemeinde Panketal soll diese gelten. Dagegen sprach sich Bürgermeister Maximilian Wonke (SPD) aus.
Im Vorfeld der Sitzung verschickte er eine Stellungnahme der Verwaltung per E-Mail. Darin heißt es: „Grundsätzlich ist es im Interesse der Gemeinde Panketal, den Aspekt der Nachhaltigkeit in seiner ganzheitlichen Betrachtung von der Planung über den Bau bis zur langjährigen Nutzung und dem Betreiben von Gebäuden zukünftig stärker zu berücksichtigen.“
Dann folgt das Aber. So werden im Leitfaden nur Bewertungsvorgaben für bestimmte Gebäudetypen und Nutzungen aufgeführt. „Das bedeutet, für viele Bauvorhaben der Gemeinde gibt es keine Bewertungsgrundlage, um verbindliche Grenzwerte zu ermitteln“, so Wonke. Und weiter: Für Gebäude, auf die das BNB anwendbar ist, sei der Koordinierungsaufwand während der Planungs- und Bauphase größer als bisher. Zudem würde die Zertifizierung durch eine externe Stelle sowie die Analyse und das Monitoring während der Nutzung Ressourcen binden.

Absage an Freiwilligkeit

Maximilian Wonke setzt auf Freiwilligkeit und verweist auf den „Leitfaden Nachhaltigkeit für Neubau und Bauerneuerung“ des Landkreises Barnim von 2009. Es handelt sich dabei um ein Planungshandbuch ohne Zertifizierungsvorgaben. „Lassen sie uns freiwillig nachhaltig bauen“, ergriff Clemens Herrmann (BVB/Freie Wähler) dann auch das Wort. Widerspruch kam prompt von Judith Schwarz: „Wo auf Freiwilligkeit gesetzt wird, passiert aber nichts.“
Zur Abstimmung kam ein Änderungsantrag vom Bürgermeister: Die Gemeinde orientiert sich am Leitfaden sowie am Bewertungssystem. Die Stufe Bronze als Mindeststandard sollte jedoch gestrichen werden. Wegen Stimmengleichheit wurde der Änderungsantrag abgelehnt und der ursprüngliche Antrag inklusive Zertifizierung mit 13 Ja- zu zehn Nein-Stimmen – bei zwei Enthaltungen – beschlossen.