Alles drehte sich gedanklich um den Grenzbereich zwischen Deutschland und Dänemark, die Flensburger Förde. Und es wurde schon sehr speziell. "Einmal in den Hirschen sein, sich auf Klauen fortbewegen, im Laub auftreten und nichts anderes kennen" so die Autorin. Weiter hieß es: "sich in den Fang der Füchsin verlieben, ihre blitzenden Zähne sich an die Kehle wünschen." Oder: "..die Flanke zittern lassen, ein Geräusch ausstoßen, dass sich von einem Körper zum nächsten trägt". Bei den Bildern, die Sünje Lewejohann mit Worten erzeugte, war es schon mehr als die pure geschriebene Sehnsucht zur Natur.
In anderen Episoden erzählte sie von Jahreszeiten mit Eis, drohenden Wassern, unheimlichen Steinen und über Selbstaufgabe, um anderen Menschen zu helfen. Mit leiser Stimme nahm sie die Besucher gewissermaßen an die Hand, zu einer - bisweilen betont irrationalen - Reise ans Meer, in den Wald, die Küste entlang und mancher mag dabei vielleicht selbst Erdreste an den Händen gespürt haben.
Die geborene Flensburgerin schöpfte viel, wie sie selbst sagte, aus den Erzählungen ihrer unmittelbaren Heimat, in der es blauen Himmel gibt und Wind in den Haaren. Vieles habe sie auch von ihrem Großvater gehört und nun aufgeschrieben. "Wie kommt man eigentlich dazu, solche Gedichte zu schreiben", wollte Elke Eckert, Mitglied des Vereins Biesenthaler Kulturbahnhof, wissen. Es kam so einfach, in der richtigen Stimmung müsse man sein und planbar sei das auf keinen Fall, antwortete Sünje Lewejohann. Der richtige Moment sei entscheidend, fügte sie hinzu und den müsse man sofort ergreifen, sonst sei die Intuition fort."Wir probieren mit den Lesungen etwas Neues aus", erklärte Helge Schwarz, ebenfalls Vereinsmitglied, zu der Veranstaltung vom Sonntag. Künftig solle es weitere Lesungen geben.
Christin Hogk aus Melchow hat die Lesung sehr gut gefallen, besonders, wie die Autorin Stimmungen beschrieben hat. Ebenso positiv urteilte Petra Mierzchala aus Grüntal. "Die Gedichte erzeugten Bilder im Kopf und man war mit den Gefühlen unmittelbar dabei." Zur Vortragsweise äußerte sich Barbara Genschow aus Berlin. Weniger monoton wäre es gewesen, wenn sich zwei Vortragende abgewechselt hätten.