Die Aufregung in Bernau ist groß, seit die Pläne eines Schweizer Investors für den Bau eines neuen Wohngebietes zwischen Schönower Chaussee, Weichselstraße und Autobahn in Friedenstal bekannt wurden. Die Angaben über die Größe des Projektes variieren zwischen 3000 und 5000 Wohnungen.
Die Bernauer Christdemokraten waren die ersten, die Position bezogen. "Als ich von den Plänen für den Mega-Stadtteil gehört habe, wollte ich es erst nicht glauben. Aber ja, im Internet wird dieses Projekt schon konkret beworben", stellte Stadtverbandsvorsitzender Daniel Sauer fest. "Zusammen mit den Planungen für einen neuen Stadtteil in Lindow an der Schwanebecker Chaussee mit nochmal gut 2200 Wohnungen bedeutet dies einen Zuzug von weit mehr als 15 000 Einwohnern in naher Zukunft. Wir lehnen diese Pläne und ein Wachstum unserer Stadt auf deutlich über 50 000 Menschen ab", erklärte er.
Für die CDU Bernau sei klar, dass nach dem rasanten Wachstum der letzten Zeit jetzt eine Phase beginnen müsse, "in der wir innehalten und uns um die Menschen, die schon hier leben, besser kümmern müssen". Zugleich hofft die CDU, dass die Stadtverordnetenversammlung am Mittwoch dem Antrag der Fraktion zustimmt "die Landesregierung in Potsdam aufzufordern, den Landesentwicklungsplan zu korrigieren". Die einseitige Konzentration des Wachstums auf den Speckgürtel belaste Bernau, sind die Christdemokraten überzeugt.
Auch BVB/Freie Wähler "protestiert" gegen das "Mega-Bauvorhaben in Bernau". Die Stadtverordnetenversammlung sei über das Projekt in keiner Weise informiert worden. "Es gibt keine Vorlage, keine Mitteilung...", zeigt sich Fraktionschef Péter Vida erbost. "Wie kann es sein, dass ein Architekturbüro bereits öffentlich mit der Errichtung wirbt, ohne dass die betroffenen Einwohner und die Stadtverordnetenversammlung darüber in Kenntnis gesetzt werden?"
"Das sollte Herr Vida besser das Architekturbüro fragen", sagt Bürgermeister André Stahl (Linke). Er bestätigt zwar, dass die Investoren vor zirka vier Wochen ihr Vorhaben im Rathaus vorgestellt haben, doch das sei nichts Ungewöhnliches. "Der erste Weg eines potenziellen Investors ist immer das Rathaus", sagt Stahl. "Und wir weisen niemanden ab." Im konkreten Fall seien weder die Eigentumsverhältnisse für die Grundstücke noch die Verkehrsanbindungen geklärt. "Also brauchen wir uns mit dem Vorhaben gar nicht erst zu befassen. Das habe ich den Herren auch so mitgeteilt", stellt der Rathauschef fest. "Wenn CDU und BVB/Freie Wähler an einer sachlichen Aufklärung interessiert gewesen wären, hätte ein Anruf im Rathaus genügt!"
Das in Rede stehende Areal ist im Flächennutzungsplan der Stadt als Wfl 1 – Wohnbaufläche für Eigenheime – ausgewiesen. "Doch das hat nicht zur Folge, dass dort tatsächlich gebaut wird. Dazu ist eine rechtsverbindliche Bauleitplanung zwingend notwendig", erläutert Bernaus Baudezernent Jürgen Jankowiak. Um der Stadtverordnetenversammlung eine Beschlussvorlage zur Aufstellung eines Bebauungsplanes vorzulegen, "muss der Investor uns zuallererst belegen, dass er den Grundstückszugriff hat", sagt der Dezernent. "Und er muss sich Gedanken über den Zugangs- und Abgangsverkehr in das Wohngebiet machen." Jankowiak vermutet, dass vor allem der Nachweis des Grundstückszugriffs ein Problem sein könnte. "Es gibt mehrere Eigentümer", weiß er. In den vergangenen vier Jahren hätten mindestens zwei andere Investoren vorgesprochen, die die Fläche ebenfalls bebauen wollten.
Für Eigenheimbau ungeeignet
Doch wären die Pläne des Schweizer Investors für Geschosswohnungsbau nicht auch deshalb von vornherein zum Scheitern verurteilt, weil das Areal im Flächennutzungsplan für den Bau von Eigenheimen vorgesehen ist? "Nicht unbedingt", sagt Jürgen Jankowiak. Zum einen seien Änderungen des Flächennutzungsplanes durch Beschluss der Stadtverordnetenversammlung möglich. Zum anderen hält der Baudezernent das Areal zur Bebauung mit Eigenheimen für kaum geeignet. "Das Gebiet wird einerseits von der Autobahn begrenzt, andererseits führen Hochspannungsleitungen darüber", führt er an. "Das muss man in die Betrachtung mit einbeziehen."

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