Chefarztpositionen in Krankenhäusern sind in der Regel von Männern besetzt. Das liege aber weder an der mangelnden Qualifikation noch am mangelnden Ehrgeiz der weiblichen Ärzte, weiß Johanna Rosenkranz, Vorstandsvorsitzende der "Woman's Networking Lounge", einem Netzwerk, das Frauen im Gesundheitswesen eine Plattform für den Austausch mit Kolleginnen bieten will. "Zu wenig Ehrgeiz haben weibliche Ärzte sicher nicht. Im Gegenteil. Ein Studium mit Kind zu schaffen ist eine viel größere Herausforderung, als wenn man 60 Stunden in der Woche Zeit hat, sich nur aufs Lernen zu konzentrieren." Um Chefarzt zu werden, sagt Johanna Rosenkranz, müsse man aber sehr hartnäckig sein, viele Dinge aussitzen. "Das sagen Frauen dann oft: Da ist es mir nicht wert", so ihre Erfahrung.
Daneben gelte im Krankenhaus oft noch das Präsenz-Dogma. "Da herrscht oft noch das Denken: Wer lange da ist, ist auch gut. Und Frauen haben eben oft noch Kinder zu versorgen und können nicht ständig an ihrem Arbeitsplatz präsent sein."
Die Woman's Networking Lounge ist ein bundesweites Netzwerk. Seine Zielgruppe sind Ärztinnen, Apothekerinnen und Pflegedienstleiterinnen sowie auch Akteurinnen im ambulanten Gesundheitswesen. An 27 Standorten organisiert das Netzwerk Abendveranstaltungen. Dabei geht es besonders um Informationen mit einem aktuellen Praxisbezug zur Förderung der Medizinerinnen als Führungskräfte.
Am Mittwoch fand eine Veranstaltung in Panketal statt. Viele Medizinerinnen aus dem Barnim erfuhren dort, wie sie ihre Mitarbeiterinnen richtig motivieren.
Es gebe einen ganz großen Bedarf, Ärztinnen zu zeigen, wie sie ihren Beruf und die Familie unter einen Hut bekommen, sagt Johanna Rosenkranz. Der Grund ist der Geschlechterwechsel. "Bislang sind 50 Prozent der niedergelassenen Ärzte Frauen. Die Medizinstudenten sind aber momentan schon zu 70 Prozent Frauen."
Doch nicht nur Ärztinnen haben ein Problem damit, ihren Beruf trotz Kindern zu managen. Krankenschwester Ivonne Pukall arbeitet im Bernauer Krankenhaus. "Beim ersten Kind habe ich mich noch mit Hilfe der Kollegen abgesprochen, um irgendwie im Drei-Schichte-System weiter arbeiten zu können", berichtet die 36-Jährige. Als das zweite Kind kam, war die Krankenschwester alleinerziehend. "Damals wusste ich nicht, wie ich das alleine stemmen soll. Hätte ich einen anderen Arbeitgeber gehabt, hätte ich sicher erstmal aus dem Berufsleben aussteigen müssen."
Eine typische Situation. Nicht umsonst sind alleinerziehende Mütter auch am stärksten von Armut betroffen. Sie müssen meistens ihren Beruf aufgeben, wenn sie die Betreuung ihrer Kinder nicht abdecken können.
Ivonne Pukall jedoch hatte Glück. Ihr Arbeitgeber erwies sich als sehr kinderfreundlich. "Ich konnte im Frühdienst als Stationsmanagerin im kardiologischen Bereich arbeiten, habe mich unter anderem um die Bettenbelegung gekümmert." Als das dritte Kind kam, zog die 36-Jährige von Berlin nach Bernau. Ihrem Kind stand daraufhin ein Platz in der Awo-Kita Rappelkiste zur Verfügung. Mit dieser Kita hat das Krankenhaus einen Kooperationsvertrag. Die Einrichtung bietet berufskompatible Öffnungszeiten von 5.30 bis 20 Uhr an.
Demnächst wird Ivonne Pukall als stellvertretende Leiterin im Patientenmanagement anfangen. "Ich bin sehr glücklich, dass man mir die Möglichkeit gegeben hat, meine Kinder gut zu versorgen und mich trotzdem neuen beruflichen Herausforderungen stellen zu können", sagt sie.
Auch Antje Köppen, Chefin eines Pflegedienstes mit 20 Mitarbeitern in Schwanebeck, versucht, sich auf die Bedürfnisse von Müttern mit kleinen Kindern einzustellen. "Das klappt ganz gut", bestätigt Mitarbeiterin Nicole Klink, Mutter eines Grundschülers.