Auf Facebook machen sich nun einige Luft. Eine Betroffene schreibt: "Wir Muttis aus Werneuchen sitzen seit Ewigkeiten ohne Betreuung daheim und bekommen immer wieder die Aussage, das Werneuchen keine Kapazitäten in der Kita für die Vorschulkinder hat." Bei den derzeitigen Fallzahlen sei das "völlig unverständlich". Schwimmbäder, Fitnessstudio, Vereine – alles werde geöffnet. Zugleich würden die Kinder "langsam verrückt zuhause". Ähnlich äußersten sich auch andere Eltern.
Brief an Dietmar Woidke
Bürgermeister Frank Kulicke (UWW), selbst viel im Internet unterwegs, ist auf die Diskussion aufmerksam geworden – und hat direkt geantwortet. Er versichere, schreibt Kulicke, dass die Verwaltung nichts unversucht lasse, die Situation für die betroffenen Eltern zu verbessern. Zudem verweist er auf das Schreiben der Barnimer Bürgermeister und Amtsdirektoren von Ende Mai an den Ministerpräsident Dietmar Woidke. Darin sei die Bitte geäußert worden, den Regelbetrieb für Kitas sofort zu ermöglichen. Inwieweit diese Schreiben Einfluss auf die Entscheidungen der Landesregierung habe, entziehe sich derzeit aber seiner Kenntnis, so Kulicke.
In den Einrichtungen der Stadt Werneuchen, die fünf Kitas und einen Hort umfassen, ist aktuell nur eine Notbetreuung möglich – für alles andere fehlt der Platz. In einigen liege die Betreuungsquote bei 60 Prozent, teilte die Stadt auf MOZ-Anfrage mit. Aktuell hätten 255 Kinder von insgesamt 549 eine Bewilligung zur Notbetreuung erhalten, heißt es weiter. Die Stadt soll bereits einen Antrag auf Erweiterung der Plätze gestellt haben.
Die Notbetreuung der von Corona ausgesperrten Kinder bereitet auch in der Gemeinde Wandlitz Probleme. Die Regelung, maximal sechs Krippenkinder, zehn Kitakinder oder 15 Hortkinder in einem Raum unterbringen zu dürfen, führt die Gemeinde an ihre Grenzen. Als "sportlich" wurde diese Forderung kritisiert, die Wandlitzer Amtsleiterin Daniela Meyer-Kuntzsch bleibt bei dieser Einschätzung und plädiert für eine Erhöhung dieses Schlüssels.
Drei Wandlitzer Einrichtungen haben beim Landkreis eine Ausnahmegenehmigung beantragt, um von den rigiden Vorgaben pro Gruppenraum abweichen zu dürfen. Somit gelingt es dann, auch den Kindern in familiärer Betreuung mindestens einmal pro Woche den Kitabesuch für die Zeit von vier Stunden zu ermöglichen.
Amtsleiterin Meyer-Kuntzsch dazu: "Tatsächlich ist der Bedarf viel höher. Vorrang haben aufgrund der Kapazitäten bei uns die Vorschulkinder und die Kinder der Notfall-Betreuung."
Aktuell haben in den sieben Kitas der Gemeinde 469 Kinder eine Bewilligung für die Notbetreuung durch den Landkreis Barnim erhalten. Davon befinden sich aktuell 312 Kinder in der Notbetreuung. Zirka 20 Prozent der Antragsteller hatten eine Abfuhr erhalten, die Anträge wurden nicht genehmigt.
Die Zahl der Kinder, die durch das Jugendamt eine Notbetreuung erhalten, wachse übrigens beständig an, so Meyer-Kuntzsch in einem Bericht im Wandlitzer Bildungsausschuss. Ungeachtet dessen wird der überwiegende Anteil der rund 1500 Wandlitzer Kinder in den Familien betreut.
Komplette Öffnung zur Monatsmitte?
Die gute Nachricht ist: Die Probleme mit der Notbetreuung könnten sich vielleicht schon bald von selbst erledigen. Nach Plänen der Landesregierung sollen die Kindertagesstätten in Brandenburg nach wochenlangen Beschränkungen in der Corona-Krise noch vor den Sommerferien wieder komplett öffnen. Das kündigte Regierungssprecher Florian Engels am Montagabend an. Einen entsprechenden Beschluss dazu will das Kabinett am kommenden Freitag fassen. Die Landräte seien bereits informiert, heißt es.
Geklärt werden müsse aber noch, wie es in den Kitas mit Hygieneregeln, möglichen Corona-Tests und der praktischen Organisation des Personals aussehe.