"Die Niederbarnimer FDP steht hinter Bürgermeister Handke - voll und ganz. Er ist ein integrer, feiner, christlicher Mensch." Nicht jedes Bekenntnis zu Hubert Handke fällt an diesem Donnerstagmorgen so klar aus wie das von Jörg Schünemann, der als Parteiloser für die Liberalen in der CDU/FDP-Fraktion der Stadtverordnetenversammlung sitzt. Doch einig sind sich die sieben Frauen und Männer aus CDU/FDP, SPD, Freier Fraktion und Linken, die sich zum Pressefrühstück im "Zickenschulze" getroffen haben, in einem auf jeden Fall: Das Abwahlbegehren gegen Hubert Handke ist ungerecht.
Dem Bürgermeister sei zu verdanken, dass Bernau eine so positive Entwicklung genommen habe, sagt beispielsweise Michael Herrmann (Freie Fraktion). Othmar Nickel (CDU) verweist auf die gute finanzielle Lage der Stadt. Er spricht von den Schulen und Kitas, die "absolute Aushängeschilder und Vorzeigeobjekte" seien. "Wir zahlen Busse, Kinderspielplätze, Jugendklubs und die Freiwillige Feuerwehr. Wir haben 100-prozentige städtische Gesellschaften wie die Wobau, die Stadtwerke und die GGAB, die gut dastehen. Das alles geht nur, wenn ein Bürgermeister als Chef der Verwaltung eine bestimmte Zielrichtung verfolgt", ist Othmar Nickel überzeugt. Und Adelheid Reimann (SPD), Ortsvorsteherin von Schönow, bekräftigt: "Der Ortsbeirat Schönow steht zur Entwicklung der Stadt und ist sehr zufrieden". Wenn nicht so sparsam gewirtschaftet worden wäre, wären die ganzen freiwilligen Leistungen, beispielsweise die Zuschüsse an die Vereine, niemals möglich gewesen.
Adelheid Reimann findet es "erschreckend, dass das Abwahlverfahren läuft. Ganz viele Dinge werden plötzlich infrage gestellt. Deshalb sind die Verdienste Handkes und der Stadtverordnetenversammlung jetzt auch gleich Null", bedauert sie. "Gut, dass ein Großteil der Stadtverordneten sagt: Wir wollen diesen Bürgermeister behalten", stellt die Schönowerin fest.
Für die Linken ist Harald Ueckert zu der Gesprächsrunde gekommen. Zunächst bemerkt er, dass seine Partei in einem Abwahlverfahren grundsätzlich "ein demokratisches Werkzeug" sieht. Gleichwohl komme in seiner Partei die Frage auf: "Warum jetzt?" Ueckert beantwortet sie gleich: "Dieses Abwahlverfahren ist nur der Tatsache geschuldet, dass Hubert Handke in Bezug auf die Altanschließerproblematik nach Recht und Gesetz handelt." Und er prophezeit: "Seine Abwahl wird an dem Problem der Altanschließer nichts ändern". Das sieht auch Othmar Nickel so: "Handke macht nicht das, was er will, sondern das, was er muss - von uns Stadtverordneten vorgegeben."
"Moralisch hochgradig verwerflich" findet Renate Richter (Freie Fraktion) deshalb auch den von der Bürgerinitiative initiierten Abwahlantrag gegen den Bürgermeister. "Man muss ihn nicht mögen. Aber dass er sich als Verbandsvorsteher zur Verfügung stellt, dafür gebührt ihm Achtung. Er ist ein Ehrenmann", steht für die Ladeburgerin fest.
"Bernau ist kein Scherbenhaufen, wie auf den Dienstagsdemos kolportiert wird. Bernau ist eine blühende Stadt", stellt Frank Goral klar. Und das soll so bleiben. Garant dafür ist seiner Auffassung nach nur Hubert Handke als Stadtoberhaupt.