Zwei Welten begegneten sich am Freitagabend auf dem Bernauer Kulturhof. Im Treff 23 hatte der AfD-Ortsverband zum Neujahrsempfang geladen, vor der Tür demonstrierten an die 100 Frauen und Männer gegen die Partei.
„Nazis raus“ und „Ganz Bernau hasst die AfD“ skandieren die Demonstranten auf dem Rasen vor der Stadtbibliothek lautstark. „Irgend so ein Vogel aus Babelsberg hat zu der Demonstration aufgerufen“, weiß jemand aus einer Runde von sechs Männern, die bereits im „Treff 23“ Platz genommen haben und auf den Auftritt von Andreas Kalbitz, dem Landesvorsitzenden und Fraktionschef der AfD im Brandenburger Landtag, warten.  „Dass so etwas zugelassen wird“, wundert sich ein anderer. „Das ist das Recht auf Demonstrationsfreiheit“, erklärt Hans Link, Vorsitzender des Bernauer AfD-Ortsverbandes.
Er war lange Zeit Mitglied von BVB/Freie Wähler. Als das mit den Flüchtlingen los gegangen sei, habe er gesagt, wir müssen uns doch mal dazu äußern, erzählt Link. Doch das habe BVB/Freie Wähler-Vorsitzender Vida abgelehnt. Auch deshalb sei er zur AfD gewechselt, erklärt der Schönower.
Als bekannt wurde, dass Link den Parteiableger in Bernau anführt, sei er vor allem von Linken als Nazi beschimpft worden, erklärt der Gründer des Boxvereins „Orje Tietzsch“. „Ich bin aber kein Nazi“, betont er.
Link ist stolz, dass AfD-Landesvorsitzender Kalbitz nach Bernau gekommen ist. An die 30 Mitglieder und Sympathisanten der Partei sind inzwischen im Treff 23 eingetroffen, dazu einige wenige Neugierige, die sich aus erster Hand informieren wollen, was Kalbitz zu sagen hat. Er ist offenbar größere Säle mit mehr Zuhörern gewöhnt. „Ich weiß, dass sich viele nicht trauen, zu kommen - nicht nur wegen der Lage da draußen“, weist er nach unten auf den Kulturhof. Die sei „bezeichnend für das Klima im Land“, findet er, spricht von den Demonstranten als „aufgehetzte  Kindersoldaten der Antifa“, die überall mit den gleichen Transparenten und den gleichen Sprechchören aufträten. Dann ist Kalbitz mit den Demonstranten durch. Deren Sprechchöre sind noch etwa zehn Minuten im Treff 23 zu hören. Dann wird es merklich ruhiger. Während der AfD-Landesvorsitzende seinen Exkurs durch die Landespolitik gibt, seine Partei als einzig wahre Opposition ausmacht und kräftig austeilt gegen Rot-Rot, Grüne und auch die CDU, gehen die ersten Demonstranten nach Hause.