Die Enttäuschung war groß und wirkt noch immer nach. "Wir hatten fest mit Lotto-Mitteln aus dem Gesundheitsministerium gerechnet. Damit hätten wir die Beratungsstelle sanieren und ausbauen können", beschreibt Elvira Muffler, Psychologin und Vorsitzende des Trägervereins Krebsberatung Berlin-Brandenburg, die Situation.
Dabei wähnten sich die Vereinsmitglieder vor dem Jahresende 2014 in einer günstigen Ausgangsposition: Das Haus in der Kirchstraße stand ihnen mietfrei zur Verfügung, für die Sanierung waren 40 000 Euro Förderung beantragt worden. Mittlerweile wurden nach der Absage aus Potsdam die Räume aufgegeben und ein Ausweichquartier gefunden. Zwischenzeitlich nutzen die sechs Berater einen 20 Quadratmeter großen Raum im linken Flügel des Wandlitzer Bahnhof-Gebäudes.
In Eigenregie kamen neue Tapeten an die Wand, die Ausstattung ist mit Tisch, einigen Stühlen und Regalen eher spartanisch. "Der besondere Nachteil der gegenwärtigen Lage besteht in der räumlichen Einschränkung. Es ist immer nur ein Gespräch möglich. Ein Berater spricht mit einem Betroffenen oder einem Angehörigen, natürlich muss dabei Vertraulichkeit gewahrt bleiben. Der eine Raum ist damit belegt, weitere Räume gibt es nicht", führt die Psychologin vor Augen. Nötig wäre folglich ein zweiter Raum, der auch für Gesprächsgruppen zur Verfügung stehen könnte. Und ein Sekretariat würde helfen, die Abläufe in der Beratungsstelle zu koordinieren.
All diese Ideen sind zunächst Zukunftsmusik, denn der Verein lebt von Benefizkonzerten, Spenden und Förderungen durch Vereinsmitglieder. Und noch ist auch gar nicht geklärt, ob die Krebsberatungsstelle in den Räumen der Niederbarnimer Eisenbahn (NEB) expandieren kann. "In der Mitgliederversammlung wurde die Absage des Landes mit großem Unverständnis aufgenommen. Aber wir stecken den Kopf nicht in den Sand und versuchen nun erneut, Fördergelder des Landes zu bekommen", macht die Vereinsvorsitzende neuen Mut.
Noch ist die Krebsberatung eine freiwillige Leistung, für die Zukunft erwarten die Insider allerdings eine Änderung. Derweil agieren die Berater vornehmlich von Wandlitz aus und hoffen darauf, dass sich zumindest mittelfristig weitere Standorte im Landkreis finden lassen. "Ein zweiter Standort in Eberswalde wäre absolut wünschenswert und würde auch eine Entlastung für die Klienten bedeuten, die oftmals weitere Anfahrtswege bis nach Wandlitz haben", argumentiert Elvira Muffler.
Zugleich nennt sie Bedingungen, die zu erfüllen Voraussetzungen für neue Standorte sind. "Wir bräuchten einen kostenfrei nutzbaren Raum und die Kosten für das Personal müssten übernommen werden." Die sechs ausgebildeten Psychologen der Beratungsstelle warten zudem mit einem Angebot auf: "Wenn wir das Geld für die Sanierung bekommen, leisten wir dafür ein Jahr lang pro Woche 20 Stunden ehrenamtliche Beratung. Das bedeutet, ein Jahr lang wird eine halbe Stelle ehrenamtlich abgesichert." Dass die Betroffenen die Beratungsstelle brauchen, ist ohnehin klar. 2014 suchten 80 Personen die Beratungsstelle auf, es wurden 300 Gespräche geführt. Der Trend ist eindeutig steigend.