"Ganz offenbar will die Ausländerbehörde mit ihrem harten Vorgehen ein Exempel statuieren", sagt Simone Tetzlaff vom Flüchtlingsrat Brandenburg. Und sie betont: Dieser Verstoß gegen rechtliche und ethnische Normen sei nicht hinnehmbar. "Wir fordern die sofortige Wiedereinreise des tschetschenischen Vaters und der vier Söhne."
Wie berichtet, sorgt die Situation der Familie seit Wochen für Aufruhr. Mitte Juli wurden der Ehemann der kranken Frau und die vier Kinder im Alter von zehn bis 17 Jahren nach Polen zurückgeführt, wie es im Amtsdeutsch heißt. Über Polen war die Familie nach Deutschland gekommen und hielt sich seit Anfang des Jahres im Übergangswohnheim in Wandlitz auf. Doch die Asylanträge wurden für unzulässig erklärt.
Was dann geschah, sei an unmenschlichem Verhalten seitens der Ausländerbehörde kaum zu übertreffen, betont Simone Tetzlaff. "Vater und Kinder wurden abgeschoben, obwohl sich die Mutter bereits in stationärer Behandlung im Bernauer Krankenhaus befand", erklärt Tetzlaff vom Flüchtlingsrat. Die Ausländerbehörde habe schlichtweg ignoriert, dass eine Petition beim Deutschen Bundestag noch nicht entschieden worden war. "Üblicherweise werden in solchen Fällen Abschiebungen ausgesetzt", weiß Simone Tetzlaff.
Am Dienstag - am letzten Tag der sogenannten Überstellungsfrist - kamen Mitarbeiter der Ausländerbehörde des Landkreises in die Bernauer Klinik und wollten die tschetschenische Mutter nach Polen rückführen. Die Frau, bei der Epilepsie diagnostiziert wurde, erlitt einen Zusammenbruch.
"Wir wollten die Familie zusammenführen", sagt Oliver Köhler, Sprecher des Landkreises. Das sei zudem mit dem Ehemann bereits im Juli so abgesprochen worden. "Aus unserer Sicht war allerdings nicht absehbar, dass es sich bei der tschetschenischen Frau um so einen langen Krankenhausaufenthalt handelt", betont Köhler. Aufgrund des Fristablaufes habe der Landkreis jetzt aber keine Handhabe mehr. Zuständig ist nun das Bundesamt für Migration.
Der Flüchtlingsrat will auf jeden Fall "alle Hebel in Bewegung setzen, damit der Vater und die Söhne nach Wandlitz zurückkommen." Peter Vida, Vorsitzender des Beirats für Migration und Integration im Landreis erklärt: "Wir werden das Vorgehen der Ausländerbehörde auf der nächsten Kreistagssitzung thematisieren."
Auch der Runde Tisch der Toleranz in Wandlitz kämpft weiter für die Rückführung und bittet Landrat Bodo Ihrke um ein konstruktives Gespräch.